Die Schafgarbe – Ein Allheilmittel

In Teilen Bayerns heißt die Schafgarbe „Zangbluma“. Sie kommt mit in den „Zang“ oder Heilkräuterbüschel, der am 15. August zu Maria-Himmelfahrt in den Kirchen feierlich geweiht wird. Bei dem Kräuterbüschel handelt es sich um die besten und kräftigsten Heilpflanzen. Sie wurden von den Frauen, deren Aufgabe es einst war für die Gesundheit in Haus und Stall zu sorgen, für den Jahresbedarf  zusammengestellt. Auch wenn die moderne technologisierte Medizin das Wissen der heilkundigen Frauen inzwischen verdrängt hat, so ändert das nichts an der Heilkraft dieser Kräuter.

Ein Indianerkraut

Meine Schwiegermutter, eine gestandene Rancherin aus Wyoming, führte mir vor Augen, dass die Schafgarbe ein Alleskönner unter den Heilkräutern ist. Sie glaubte nur an Spritzen und Pillen. Kräuter waren für sie, wie für die meisten Amerikaner, „Indian medicine“, unwirksam, wenn nicht gefährlich.

Eines Tages jedoch, bei einem Camping-Ausflug glitt ihr das Messer aus und schlitzte ihre Handfläche auf. Die Wunde blutete stark und sollte unbedingt genäht werden. Da aber weder Arzt noch Notfallklinik erreichbar waren, blieb ihr nichts anderes übrig, als es mit der „Indianermedizin“ zu versuchen. Ein Wickel aus zerstampften  Schafgarbenblüten stillte bald das Bluten.

Am nächsten Tag war die tiefe Schnittwunde schon geschlossen. Keine Entzündung. Keine Antibiotika nötig! Hatte sie am Vortag noch geschworen, „Ich glaube nicht an Kräuter!“, so hieß es nun: „A Miracle!“ Dieses Wunder veränderte ihr Leben. Sie wurde Kräuterhexe. Mit anderen Frauen gründete sie eine „Herbal Society“, inklusiv Vereinszeitschrift. Immer mehr Heilungsbedürftige und Ratsuchende kamen zu ihr. Da sie kaum ein anderes Kraut kannte, verschrieb sie immer wieder das Wundermittel Schafgarbe.

Ein Alleskönner unter den Heilkräutern

Damit hatte sie auch nicht Unrecht, denn der im Hochsommer blühende Korbblütler ist praktisch ein Allheilmittel: Das blühende Kraut, als Tee, Umschlag oder Tinktur, wirkt krampflösend, zusammenziehend, leicht schweißtreibend, entgiftend, blutstillend, entzündungshemmend, verdauungsfördernd, menstruationsregulierend, antibakteriell und antiviral. Die Pflanze ist ein regelrechter Arzt! Hier ist was sie kann:

  • Bei inneren Blutungen – Lungen-, Mastdarm-, Hämorrhoiden-, Nasen- und Nierenblutungen – Bluthusten und Blutspucken wirkt Schafgarbe blutstillend.
  • Heißer Schafgarbentee hilft bei Viruserkrankungen – Grippe, Masern,  Blattern, Windpocken und Katarrh.
  • Es ist eines der besten Frauenkräuter. Der Tee hilft bei Regelblutungsbeschwerden, bei Krämpfen und Verspannungen des Unterleibs, bei zu geringer Blutung (Amenorrhoe), wie auch bei zu starker Blutung (Menorrhagie); als Sitzbad hilft er bei Weißfluss (Leukorrhoe)
  • Als entzündungshemmendes Wundheilmittel sind Umschläge und Bäder bei Schnittwunden, Schürfungen, entzündeten Brustwarzen oder auch Schuppenflechte angesagt.
  • Bei Beschwerden im Magen-Darmbereich – Magengeschwüre, Gastritis, Magen-Darmkrämpfe, Colitis, Verstopfungen – ist Schafgarbentee bestens geeignet.
  • Der Tee bringt Linderung bei Fieber, Heuschnupfen, Wiesendermatitis und Migräne.
  • Die in der Schafgarbe enthaltenen Bitterstoffe (Sesquiterpenlaktone) und die antispasmodisch wirkenden Flavonide machen den Tee zum Heilmittel bei Leberstörungen und Gallenkrämpfen.
  • Der Tee senkt den Blutdruck und steigert den Rückstrom des venösen Blutes zum Herzen. Der Frischsaft hilft bei Angina pectoris und Entartung des Herzmuskels (Myodegeneratio cordis).
  • Der Tee wirkt entschlackend – „blutreinigend“ – bei Gicht und Rheuma.
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Ethnobotaniker berichten, dass die Schafgarbe das bei weitem am meisten gebrauchte Heilmittel der Indianer ist, danach folgen mit Abstand der Kalmus (Magenwurz) und der Steppenbeifuss (Prairie sage).

Überall wo der Korbblütler wächst wird er als Frauenkraut benutzt. „Schafgarbe im Leib, tut wohl jedem Weib“ – so der überlieferte Spruch. Die Germanen weihten das Kraut der Freya. Als „Augenbrauen der Venus“ bezeichnete man einst die filigranen Blätter.

Nicht nur ein Frauenkraut

Wo aber die Venus weilt, ist der Mars nicht fern. In der alten Heilkunde war der kriegerische Planetengott für alle wundheilenden und blutstillenden Kräuter zuständig. „Beilhiebkraut“ nennen die Russen die Pflanze; Sichelkraut, Zimmermannskraut, Soldatenkraut sind weitere Namen, die sich auf die Wundheilkraft beziehen. Auch Jupiter, der Gott der berauschenden Getränke, hat seine Finger im Spiel: Ehe der Hopfen sich des Bieres bemächtigte, verwendeten die Brauer gerne die leicht bittere Schafgarbe, um das Getränk zu klären und haltbarer zu machen.

Die Schafgarbe ist ebenfalls ein Orakelkraut. Die Losstäbchen des chinesischen I-Ging müssen aus Schafgarbenstängel hergestellt werden. In Europa legten sich die Mädchen Schafgarbenblüten unter das Kissen, damit ihr Herzallerliebster ihnen im Traum erscheint. Damit das auch funktioniere, mussten die Blumen an einem unheimlichen Ort, einer Wegkreuzung oder im Friedhof, gepflückt werden und dazu feierlich gesprochen werden:

Die erste Schafgarbe finde ich hier,
Im Namen Christi pflück ich sie mir,
Und wie Jesus Maria mit Liebe bedacht,
Mög’ im Traum mir erscheinen mein Liebster heut nacht.

Rezepte und Heilanwendungen

Alltagstaugliche Anleitungen für Anwendungen mit der einheimischen Schafgarbe und viele weiteren Heilpflanzen

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  • Anita
    Antworten

    Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich Videos, Beiträge Bücher von Dir lese. Nicht nur Deine fundierte Kenntnis der Pflanzen sondern auch Dein „spiritueller Blick“ auf die Welt ist äußerst inspirierend. Danke!

  • Beate Reich
    Antworten

    Der Newsletter ist für mich immer ein HighLIGHT!! Alles wirkt auf mich so beZAUBERnd. Wohltuend……und Sie erzählen so gut. Vielen Dank!

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