Meine Begegnung mit der Bach-Blütentherapie

Wenn dann, kurz vor Wintereinbruch, der Garten abgeerntet ist und die Beete mit altem Stroh oder vergammeltem Heu zugedeckt sind, die Gemüse  getrocknet oder im Wurzelkeller untergebracht sind, das Holz gesägt und trocken verstaut ist, dann ist es Zeit für mich zu Schreiben. So war es damals und so ist es noch heute. Heute sitz ich zum Schreiben am PC. Damals musste ich mich zuerst auf den langen Weg in die Stadt machen, um mir einen Vorrat an schwarzen Farbbänderspulen und Schreibmaschinenpapier zu holen. Mit einer kleinen Reiseschreibmaschine, einer „Baby-Hermes“, die wir aus der Schweiz mitgebracht hatten, hämmerte ich die Buchstaben auf das Papier. Das Zimmer zum Schreiben konnte nicht beheizt werden. So kalt war es, dass man meistens den eigenen Atem sehen konnte. Also zog ich den langen Filzmantel aus dem tibetanischen Ladakh an und kochte mir einen Pott heißen Tee. Zusätzlich erhitzte ich auf dem Kochherd in der Küche eine Pfanne voller faustgroßer Steine und stellte die heiß strahlende Pfanne unter dem weiten Filzmantel. Die hochsteigende angenehme Wärme hielt lange an. Wenn dann die Steine wieder kalt geworden waren und der Tee längst ausgetrunken, ging es mir wie den Insekten im Spätherbst, die Finger wurden steif und ihre Bewegungen langsamer. Da war es Zeit sich zu strecken, die Steine wieder aufzuheizen und einen frischen heißen Tee zu brauen.

Herbstblätter

Das Buch an dem ich arbeitete, hatte mit der Ethnobotanik jener Blütenpflanzen zu tun, die der Arzt Edward Bach zu Blüten-Essenzen verwendet hatte. Wie kommt man auf ein solches Thema? Nun, kurz nachdem wir nach Deutschland gekommen waren, lud mich eine esoterische Seminarorganisation ein, ein Kräuterseminar zu veranstalten. Ich wusste gar nicht was auf mich zukommt, da ich nur Seminare von der Universität her kannte. Da ließt jemand  Themenpapier vor, es wird heftig diskutiert und gestritten, um dann anschließend mit dem Professor und Assistenten in eine verrauchte Studentenbeiz zu gehen, um das ganze kräftig zu begießen. Dieses „Seminar“ war anders; ich wurde gebeten vorne auf einem Bhagwan-Thron Platz zu nehmen; ein riesiger tibetanischer Gong kündete den Beginn an. Das war mir zu bunt, da ging ich lieber gleich mit der Gruppe hinaus ins Grüne, um mit ihnen in die Pflanzenwelt einzutauchen.

Die Bach-Blüten-Essenzen

Eine Frau war dabei, die sich als Mechthild Scheffer vorstellte. Ich hatte keine Ahnung wer sie war, wusste nicht dass sie eine international bekannte Fachautorität für Therapie mit Blütenessenzen war. Sie fragte mich, ob ich die Bach-Blüten-Essenzen kenne? Sie sei sozusagen zuständig für diese Heilmittel im deutschsprachigen Raum und würde gerne mehr über die Botanik und ethnobotanische Anwendung dieser Pflanzen wissen. Ob wir nicht diesbezüglich zusammenarbeiten könnten?

Nun, ja, ich hatte von den Blütenessenzen gehört. Da wird eine Blüte in eine Schale mit Wasser gelegt und dann in die Sonne gestellt. Auf diese Weise soll die „Information“ von der Blüte an das Wasser übertragen werden. Das Blütenwasser wird dann homöopathisch verdünnt und tropfenweise dem Patienten gegeben, um seelische Disharmonien, die zu körperlichen Krankheiten führen können, wieder in Lot zu bringen. Ehrlich gesagt, ich hielt nicht viel davon, ich war schließlich als Naturwissenschaftler geschult worden und dieses kam mir wie esoterische Spinnerei vor. Ich sagte das Mechthild aber nicht, sondern sagte zu. Ich nahm es als einen Fingerzeig der geistigen Führung, denn mir war noch nicht klar, was meine Aufgabe in Europa sein sollte.

Mechthild Scheffner

Also, ohne weiteren Kontakt mit Mechthild aufzunehmen, machte ich mich im Winter an die Arbeit. Eine Bibliothek stand mir nicht zur Verfügung, also zog ich mir vieles aus dem Gedächtnis hervor und aus der Meditation. Wenn ich genaue Daten brauchte, nahm ich den mühsamen Weg, den Berg hinunter, auf mich und ging in die Stadtbücherei. Das war aufwendig und kostete Zeit. Ein Auto hatten wir nicht.

Auf den Schreibtisch hatte ich mir ein Foto von Edward Bach gestellt und ich hatte das Gefühl, als ob er mir irgendwie Inspirationen zukommen ließ, als ob er sagte, „Beschreibe die Pflanzen in der Reihenfolge, in der ich sie gefunden habe und du wirst den tieferen Sinn erfahren“. So war es auch. Es war als ob Edward Bach seinen Lebens- und Initiationsweg in Form von Blüten beschrieb. In den Sommermonaten suchte und fand ich die meisten der Blumen, die dieser ungewöhnliche Arzt für seine Elixiere verwendete. Ich vertiefte mich in die schönen Pflanzen, betrachtete sie sorgfältig und meditierte mit ihnen.

Das Buch “Die Seelenpflanzen des Edward Bach”

Nach anderthalb Jahren war das Manuskript, „Die Seelenpflanzen des Edward Bach“, fertig. Ich schickte es Mechthild. Sie rief an und sagte, sie sei von dem Werk begeistert und wir sollten es unbedingt an einen großen Verlag bringen. Dann fügte sie etwas verlegen hinzu, „Ich muss gestehen, Wolf, ich habe gar nicht damit gerechnet; ich hatte gedacht, du bist so ein ausgehalfterter Junkie.“ Das konnte ich gut verstehen, denn ich hatte damals, als ich ihr begegnete, gerade eine Gelbsucht hinter mir und war recht dünn und ausgemergelt, hatte lange Haare und, was die Kleidung betrifft, nun ja, das war nicht gerade von modischer Eleganz.

Mechthild arrangierte ein Treffen in München mit dem Verlagsleiter eines der größten Verlage Deutschlands.  Das stellte für mich ein Problem dar: Wir konnten uns kaum die  Fahrkarte für den Zug in die bayrische Hauptstadt zu leisten. Mein Gegenvorschlag war, dass wir uns genau so gut in unserem Haus auf dem Berg treffen könnten. Das wurde vom Verleger wie auch von Mechthild gerne angenommen. Es bot für sie die Gelegenheit mal aus dem eigenen Büro herauszukommen und einen Ausflug zu machen.

Die Wildkräuterküche

Im Wohnzimmer stand eine lange Tafel, die der Fürst, der Besitzer des Hofes, da abgestellt hatte, und entlang der Wand, befand sich eine Holzbank. Also Sitzmöglichkeiten waren vorhanden. Einzig, was sollten wir dem Besuch zu Essen und zu Trinken anbieten? Sie kamen ja über Mittag. Wir hatten kein richtiges Geschirr und Besteck, nur bunt zusammengewürfelte Teller vom Flohmarkt oder solche die jemand uns geschenkt hatte. Auch Fleisch konnten wir uns unmöglich leisten. Wir borgten etwas Geld, um eine einfache Geschirrgarnitur zu kaufen. Dann überlegten wir, was man kochen könnte. Ich hatte meine Bedenken, denn dieser Besuch war sicherlich feinste Küche gewohnt.

Löwenzahn

Es war gerade Frühling, draußen wuchsen saftige Wildkräuter. An dem Morgen sammelten wir das frische Grünzeug. Als Appetitanreger kochte meine Frau eine Bärlauch-Suppe. Dazu gab es Wildkräutersalat aus zartem Giersch, Löwenzahn, Wasserkresse, Schafgarbenblättchen, Vogelmiere, Wegerich und alles, was man sonst so zu der Jahreszeit so findet. Gänseblümchen, blaue Gundermann-Blüten und einige gelbe Himmelsschlüsselblüten garnierten den Salat. Als Hauptspeise folgte Brennnesselspinat mit Ei und Kartoffelpuffer. Dazu gab es einen würzigen Kräutertee. Die Gäste, der Verlagsleiter und seine Sekretärin, sowie Mechthild langten kräftig zu. An ihren Gesichtern konnte man ablesen, dass es ihnen außerordentlich gut schmeckte. Es bestand kein Zweifel, sie würden das Buch veröffentlichen und die mächtige Werbemaschinerie, die einem großen Verlag zur Verfügung steht, in Gang setzen. Sie löffelten das Buch förmlich in sich hinein.

Der Club der Schriftsteller

Das Buch wurde dann auch zum Erfolg. Mechthild übernahm die Aufgabe, es mit hervorragendem Bildmaterial zu illustrieren. Als anerkannte Bestsellerautorin stellte sie ihren Namen als Ko-Autorin mit zur Verfügung, denn wenn es nur unter meinen völlig unbekannten Namen erschienen wäre, dann wäre es bestimmt ein Flop geworden. Ich bin Mechthild für diese Chance, die sie mir gegeben hatte, sehr dankbar. Das Buch war für mich der Eintritt in den Club der Schriftsteller. Durch Mechthilds Anregung kam ich auch dem Wesen der Blüten näher; ich konnte erkennen wie sich die Pflanzenseele am deutlichsten in der Blüte manifestiert und warum Blumen unsere menschliche Seele berühren und heilen können. Selbstverständlich bin ich auch den frischen, grünen Frühlingskräutern dankbar, denn sie hatten mir damals die Tür zu einem neuen Lebensabschnitt geöffnet.

Am 27. Oktober feiert Mechthild Scheffer ihren 80. Geburtstag. Ich wünsche ihr alles Gute, viel Glück und Gesundheit!

Weitere Informationen über Mechthild Scheffer und ihre Arbeit unter www.bachblueten-zentrum.com

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