Mein neues Buch „Wir sind Geschöpfe des Waldes“ ist erschienen!

Wir sind Geschöpfe des Waldes“ – so heißt das neue Buch, an dem ich im Winter gearbeitet habe. Das stundenlange Sitzen am Rechner, das Wandern der Seele durch Zeitentiefen und Weltenwälder, das Ringen um Worte, die das Geschaute richtig vermitteln mochten, ließ einen praktisch vergessen, dass man einen Körper hat. Man kann es nicht als Arbeit bezeichnen, es glich eher einer yogischen Meditation auf einem Nagelbrett oder dem Sitzen in der Sonnenglut zwischen vier Feuern.

Die Reise beginnt

Der zwei Meter Schnee und die vielen umgestürzten Bäume, die den Weg hinunter in die normale Menschenwelt versperrten, halfen bei der Schreibereise in die Baumwelt. Die Reise fing an mit der eher banalen Feststellung, dass wir uns sehr weit von der Natur entfernt haben und dass der Wald – seine Düfte, die frische Luft, der Vogelgesang, das beruhigende, entspannende Grün – uns guttut. „Waldbaden“, forest therapy oder, japanisch Shinrin Yoku nennt man das heutzutage. Dann ging die Reise in die ursprünglichen, sumpfigen Schachtelhalm-, Bärlapp- und Farnwälder des Erdaltertums, als wir, das heißt unsere biologischen Vorfahren, noch kleine Lurche waren, den heutigen Fröschen und Salamandern ähnlich.

Einige Hundert Millionen Jahre später, im Zeitalter der Riesenechsen (Dinosaurier) befanden wir uns noch immer in den Wäldern und entwickelten uns allmählich zu säugetierähnlichen Reptilen. Diesmal, im Erdmittelalter, waren es die Nacktsamer – Koniferen, Ginkgos – die uns ko-evolutionär begleiteten.

Eine untrennbare Beziehung zwischen Mensch und Wald

Richtig spannend wurde es vor 65 Millionen Jahren, als ein gigantischer Komet im Yukatan mit der Energie von einer Milliarde Hiroshima-Bomben einschlug und weltweit  die dominierenden Dinosaurier auslöschte. Aber das war nicht das Ende des Lebens, denn, wie die indischen Seher sagen, Leben gehört zum Sein. Es dauerte nicht lange, da nahm Mutter Gaia neuen Anlauf und brachte die Säugetiere und die ersten modernen Pflanzen, die Bedecktsamer, hervor. Bienen, Schmetterlinge, Blumen und Vögel entstanden, derweil wir als kleine insekten- und fruchtfressende Frühprimaten in den Wipfeln und Kronen der neuentstandenen Laubwälder tummelten.

Der feuchte tropische Wald prägte uns, gab uns nach vorne gerichteten Augen, die mit unseren greifenden Händen perfekt koordinieren, gab uns die Fähigkeit Farben zu sehen und vieles mehr. Und so ging es weiter, bis stärkere Menschenaffen uns aus dem Baumparadies verjagten und wir schließlich als aufrechtgehende, werkzeugtragende Bewohner der Baumsavanne den Status Homo erwarben – zwar noch nicht Homo sapiens, doch immerhin schon Homo, was lateinisch „Mensch“ bedeutet.

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Wir waren schon immer vom Wald geprägt

Auch dann hatten wir nicht genug vom Wald. Als nach der letzten Eiszeit, als die Wälder die, an die Gletscher und Kaltsteppe verlorengegangenen Räume wieder besiedelten, lebten unsere Vorfahren als Jäger und Sammlerinnen wieder in grünen Waldeshallen. Die nachfahrenden Völker – Germanen, Slawen, Balten, Kelten – wurden vollkommen vom Wald geprägt: Waldtiere, wie Bär, Hirsch und Wildschwein, wurden zu Symbolträgern; die Eiche galt als Weltenbaum und die Führer der keltischen Stämme kennen wir als Druiden („Baum- oder Eichenweise“). In Märchen, Sagen und Brauchtum spielen Wald und Baum die Rolle des Magischen, des Göttlichen, als Wohnort der Zwerge, des Wilden Volks, der Hexen, Feen und der hörnertragende Naturgeister. Der Wald ist auch Ort der seelischen Transformation, der Begegnung mit dem Transzendenten. Darüber wird viel in diesem Buch erzählt; beim Lesen  sollte uns der Geist unserer Ahnen vor die Augen treten.

Aber auch andere Völker, die vom Wald geprägt wurden – die Waldindianer, die alten Inder, die Pygmäen in Zentralafrika, die Japaner und die Sibirier –, kommen in dem Werk zur Sprache. Weiterhin hören wir vom Baumfrevel der Römer und der fanatischen Missionare, die sich anmaßten, die heiligen Bäume der „Heiden“ zu fällen; auch vom gegenwärtigen Waldfrevel, vom Raubbau in den Tropen, von der nachteiligen Auswirkung auf die Wälder durch Holz-Pellet-Hunger, durch Windradindustrie, Elektromobilität, den Anbau von Gen-Mais und Gen-Soja für den sogenannten Biosprit, wird berichtet.

Zudem erfahren wir viel über die Lebensweise und ökologische Bedeutung der Bäume selber, über ihre Verbundenheit mit den Pilzen, über ihre Rolle bei der Aufrechterhaltung des weltweiten Ökosystems und vieles, vieles mehr.

Der Garten ruft

Das Schreiben in der Stille des Winters, hier im verschneiten Wald, war für mich ein Geistesrausch, ein Tanz mit Saraswati, der Göttin der Inspiration: Weiter und immer weiter hätte ich schreiben können, aber bei knapp 370 Seiten musste ich aufhören. Der Verlag musste mich bremsen: Das Buch würde sonst zu teuer werden.

Außerdem begannen die Fluren zu grünen. Der Garten rief, er wollte bestellt, gedüngt (mit Kompost), besät, bepflanzt und gehackt werden. Und dann war auch noch das Schlagholz im Wald zu holen, der nächste Winter kommt eher als man es denkt.

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Ein Einblick in die Tiefe des Waldes anhand von Geschichten, Mythen, Bilder und Symbolen.

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