Die Sommersonnwende

Zwölf Tage und Nächte, hieß es, steht das drehende Jahresrad still, wenn die Sonne ihren Zenit hoch am Himmel erreicht hat – zwölf Tage, wie auch in der gegenüberliegenden Winterweihezeit. Dann setzt der Sonnenhirsch erneut zu einem Sprung an. Nun ist die ehemalige Maibraut schwanger und träumt den Mittsommertraum. Die Menschen träumen sich ebenfalls in die Natur hinein. Im Gegensatz zu Weihnachten, wenn sie inniger werden sie nun ekstatisch (griechisch: ekstasis wie Aus-sich-heraus-getreten-Sein). Überall tanzten die Menschen einst Ringtänze im Freien, zündeten das Sonnenwendfeuer an und hatten Visionen, und die Naturgeister nahmen am Tanz teil.

Am 21. Juni, dem Tag der Sonnenwende, oder am Tag des heiligen Johannes am 24. Juni war es allgemeiner Brauch ein großes Feuer zu machen, zu feiern, tanzen, singen, schmausen, Holunderküchle zu essen und mit einem Gürtel aus Beifuß über die Glut von der einen Jahreshälfte in die andere zu springen.

Das Sommersonnenwendfeuer

Am wichtigsten ist das große Feuer: Es ist die Verkörperung des unter den Menschen weilenden Sonnengotts. In Wales müssen es neun Holzarten sein, darunter unbedingt Wacholder und ein Reisigbündel vom letzten Jahr. Die mittsommerliche Licht- und Feuerkraft wird durch das Rollen von Feuerrädern und Feuerläufen mit Fackeln erhöht. Das ist gesund: Alle unguten, dunklen Astralwesen, die sich in der Aura einnisten wollen, werden versengt und fallen ab.

sommersonnenwende-feuer

Und die Heilkraft der mittsommerlichen Heilpflanzen – der „Johanniskräuter“, Arnika, Hartheu, Schafgarbe, Lindenblüten, Holunderblüten, Braunelle und wie sie alle heißen – wird gesteigert, indem man sie ans Johannisfeuer hält, so dass sie die Feuerkraft aufnehmen können.

Auch wir feiern das Fest jedes Jahr auf diese Weise, denn das tut der Seele gut, verbindet mit dem kosmischen Reigen und mit den Ahnen, die das seit undenklichen Zeiten ebenso so machten.

Mehr über Jahreskreisfeste und passende Märchen findet ihr im Buch „Die alte Göttin und ihre Pflanzen

Ich wünsche euch eine lichtvolle Zeit,
Wolf-Dieter

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Zeige 7 Kommentare
  • Christian Neidhart
    Antworten

    Grüße dich von Herzen. Møchte mein Bruder mir seine Erfahrungen und Weisheit über Pflanzen und Natur mir Christian lernen übermitteln das wäre wunderbar wir
    Danken euch allen

  • Reinhard
    Antworten

    Danke für diesen Artikel und die Erklärungen!

  • Suzanne
    Antworten

    Ich finde sie wunderschön und sehr inspirierend, ich habe mein Johannis oil gemacht. Viele Grüße aus der Italienischen Toskana, Suzanne.

  • Kerstin
    Antworten

    Danke für den interessanter Beitrag!
    Auch wir feiern heute und morgen das Mittsommerfest. Es ist eines der Schönsten und vielleicht auch das wichtigste Feste in Schweden. Gefeiert wird der lang ersehnten Sommer. Hier auf dem Land begehen wir das Fest in traditioneller Art. Musiker spielen in traditioneller Tracht auf zum Tanz. Die Menschen von Nah und Fern tanzen geschmückt mit einem Blumenkranz im Haar um die liebevoll mit Blumen und Kräutern gestaltete Mittsommerstange.
    Laut Volkssage, ist die Mittsommernacht eine magische Nacht der Liebe.
    Die Mädchen sollen in der Mittsommernacht neun Sorten Blumen pflücken und unter ihr Kopfkissen legen, dann zeigt sich ihnen im Traum ihr Zukünftiger.
    Herzliche Grüße Kerstin

  • Ulrika Kiby
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    Lieber Wolf-Dieter,
    wie anheimelnd es ist die Riten wieder in sich selbst zu spüren, die Gemeinschaft, die Verbundenheit von <geist-Natur-Mensch. Was haben wir doch alles vergessen, verloren. So schwingt ein kleiner Klang zurück. Danke Dir von Herzen.
    Ulrika

  • ulrika louise kiby
    Antworten

    Lieber Wolf-Dieter,
    wie eine doch noch lebendige Erinnerung an uralten Zeiten, ein zart herein wehender Klang, ein Gefühl von Heimat und Unversehrtheit nehmen Platz beim Lesen Deiner innigen Beschreibung.
    Ganz herzlichen Dank
    Ulrika

  • Ingrid
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    Schön, diese Erinnerung an das Sonnwendfeuer. Bitte wendet vor dem Anzünden alles nochmal, weil sich darunter oft Kleintiere wie Igel befinden. LG Ingrid

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