Skip to content

Woher kommen die Gedanken?

Es heißt, die Gedanken, die in uns aufsteigen, sind Produkte unseres Hirns. Die scharfsinnige, hochentwickelte Neurowissenschaft hat viel von dem komplexen Geheimnis der Hirnfunktion erschlossen. Glaubt man. Aber da haben wir es wohl mit einem weiteren materialistischen Aberglauben zu tun.

Vielleicht aber ist das Hirn vor allem eine Empfangsstation, so wie ein Radioapparat, der die unsichtbaren Wellen, die von einem Rundfunksender ausgehen, empfängt und amplifiziert. Vielleicht nehmen wir lediglich Gedankenimpulse auf, die von nicht materiellen Wesenheiten stammen und spinnen diese weiter.

„Mich dünkt, ich hör‘ ein ganzes Chor, von hundert tausend Narren sprechen, “

Goethe, Faust

Heute, im Zeitalter des Egos glauben wir, wir seien es selber, die die Gedanken erzeugen. In früheren Zeiten war man sich da nicht so sicher. Da war die Sprache vorsichtiger: „Es dünkt mir“ oder „mich dünkt“ („es denkt in mir“) sagte man, anstatt „ich denke“.[1]

Wer mag es sein, der mir da Gedanken zuflösst? Geistwesen sind es, manchmal Götter, Engel, Dämonen, Ahnen oder Naturwesen. Bis zum heutigen Tag werden – in eher scherzhaften Witzzeichnungen – diese als kleine unsichtbare Teufelchen oder Engelchen dargestellt, die jeweils auf der linken oder der rechten Schulter sitzen, und dem Menschen Eingebungen einflüstern. Jeder von uns kennt sie. Die Teufelchen suggerieren klitzekleine „weiße Lügen“, die uns helfen, höflich zu sein und unangenehme oder peinliche Themen zu umgehen. Diese kleinen Flatterwesen sind dennoch Verwandte der Geister der Lüge. Letztere rücken mit schwereren Geschützen an. Denjenigen, die zuhören und ihnen ihre Herzen öffnen, versprechen sie Ruhm, Geld, Befriedigung ihrer Gelüste oder Macht. Vor allem Macht. Der Preis – mit Blut besiegelt – ist ihre Seele. Die Engel, die Geister des Lichts und der Wahrheit, schenken dagegen so etwas wie Seelenfrieden und ein gutes Gewissen. Es liegt an uns, wem wir zuhören.

Nachdem wir sie einmal ins Dasein hineingelassen haben, haben wir wenig Macht über diese Geister. Es ist eine Illusion zu glauben, wir seien ihre Meister und könnten sie beherrschen. Unsere Macht besteht lediglich darin, Ja oder Nein zu sagen, ihnen Eingang zu gewähren oder auch nicht.

Im frühen 20. Jahrhundert durchquerte ein Auto das Outback im nördlichen Australien. Am Rande der Piste saß eine Gruppe Ureinwohner und schaute, ohne besondere Interesse zu zeigen, zu. Der Fahrer hielt an und sagte, „Seht ihr, das ist die Magie des weißen Mannes. So etwas kennt ihr Aborigines nicht!“

Es gibt keine Grenzen.
 Nicht für die Gedanken, nicht für die Gefühle.
Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.

Ingmar Bergman, Filmregisseur

Sonnenuntergang

Ein älterer Eingeborener antwortete: „Doch, doch, wir haben dieses Ding in der Traumzeitdimension schon gesehen. Aber wir wollten es nicht auf die Erde herunterbringen, denn es wird viele Schwierigkeiten bereiten!“[2]

Auch in unserer Kultur war man vorsichtig, was man ins Dasein und ins Erdenleben brachte. Es ist aus tiefem Verständnis dieser Zusammenhänge, dass man mit den kleinen Kindern vor dem Schafengehen betete und sie sagen ließ:

Ich bin klein,
mein Herz ist rein,
soll niemand drin wohnen,
als Jesus allein.

Jesus ist der göttliche Geist der Liebe und Wahrheit. In der westlichen Welt stellt er das göttliche Selbst dar.

Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hier ward, und führt uns aus dem Jammertal, macht er uns Erben in seinem Saal Martin Luther, Gelobet seist du Jesu Christ (1524)

Der gute Hirte und der böse Wolf

Selbstverständlich kannte die Kirche die vielfältigen geistigen Wesenheiten, die Eingang ins Dasein suchen. Diese Institution sah es als ihre Aufgabe, die Menschen vor den negativen Einflüssen unguter Geister zu schützen und wie eine Herde Schafe durch das irdische „Jammertal“ in die Himmelswelt zu führen, ganz im Sinne des beliebten 23. Psalms:

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.

Pastor bedeutet Schafhirte

Schafherde

Jede Gemeinde hat deshalb einen Pastor – ein Begriff, abgeleitet aus dem Lateinischen, der Schafhirte bedeutet. Freidenker, Ketzer, Heiden, die Schamanen und Zauberer der Naturvölker, die „Hexen“ und andere, die nicht dem Kirchendogma folgen, ähneln demnach reißenden Wölfen, die (früher von der Inquisition) ausfindig und unschädlich gemacht werden müssen.

Im Märchen von Rotkäppchen wird die Idee noch einmal aufgegriffen. Das Märchen (le petit chaperon rouge) wurde von dem französischen Schriftsteller Charles Perrault, einem Günstling des Sonnenkönigs Ludwig XIV, im Jahr 1697 veröffentlicht. Es ist also kein altes Märchen. Die Symbolik ist zutiefst christlich. Das zarte Mädchen mit dem Käppchen von rotem Samt symbolisiert, wie viele Märchenhelden und -heldinnen, die Menschenseele auf ihrem Weg durch den gefährlichen Wald (Symbol für die Welt). Sie soll ihrer alten Großmutter, die auf der anderen Seite des Waldes lebt, Kuchen und Wein bringen. Aus Kuchen (Brot) und Wein besteht das Abendmahl, welches wiederum das erlösende Fleisch und Blut des göttlichen Heilands ist. Man konnte es möglicherweise auch als Sterbesakrament der Alten deuten. Aber in dem Wald lauert ihr das Böse, in Gestalt des Wolfes, auf. Mit schönen Worten lenkt er sie von ihrer Aufgabe ab. Bei den Gebrüder Grimm lesen wir:

Da ging der Wolf ein Weilchen neben Rotkäppchen her, dann sprach er: “Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen. Warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen? Du gehst ja für dich hin, als wenn du zur Schule gingst, und ist so lustig haussen in dem Wald.”
Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte es: Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude machen; es ist so früh am Tag, dass ich doch zu rechter Zeit ankomme, lief vom Wege ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter hinaus stände eine schönere, und lief danach und geriet immer tiefer in den Wald hinein.

Und während das Mädchen ihre Zeit mit Naturbetrachtung vertrödelt, macht sich der Wolf auf, um die Großmutter zu fressen, zieht deren Nachthemd und Schlafhaube an, und wartet auf das Mädchen, um sie dann auch zu fressen. Was er auch tat. Danach schlief er ein und schnarchte so laut, dass es die Aufmerksamkeit des vorbeilaufenden Jägers auf sich zog. Dieser schlitzte dem Bösewicht den Bauch auf, rettete die Großmutter und Rotkäppchen, und füllte den Ranze mit Wackersteinen. Als der Wolf erwachte, hatte er riesigen Durst und da die Steine so schwer waren, fiel er in den Trog und ertrank.

Oder, in einer anderen Version, der Jäger zog dem Wolf den Pelz ab und ging damit heim, die Großmutter aß den Kuchen und trank den Wein, den Rotkäppchen gebracht hatte, und erholte sich wieder. Rotkäppchen aber dachte: Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir’s die Mutter verboten hat.

Wir sind also Pilger auf dem Weg zum Himmel und dürfen uns nicht ablenken lassen, von den Versuchungen, die der Teufel uns in den Weg stellt, auch nicht von der scheinbaren Schönheit der Natur. Offensichtlich steht eine derartige Einstellung im Gegensatz zu derer vieler Naturvölker, die in der Natur nicht eine dämonische Ablenkung, sondern sie als Ausdruck des Göttlichen erkennen. Auch die Wölfe galten bei den meisten indigenen Völkern, etwa bei den Indianern oder den Mongolen, als heilige Tiere. Und der germanische Schamanengott Odin (Woden) hatte Wölfe als Gefährten.

Veranstaltungstipp

Der Vortrag, Die Seele der Natur, gewährt uns einen tieferen Einblick in die seelischen Dimensionen der Pflanzen und wir nähern uns dem Phänomen der Seele.

3. Sept. 2022

Stadthalle Memmingen

Das Sein jenseits der materiellen Erscheinung

Im Gegensatz zur modernen, wissenschaftlichen Weltanschauung, leugnete die Kirche nie die Wirklichkeit der transsinnlichen Wesen. Sie monopolisierte jedoch den Umgang mit ihnen. Allein sie, die Mönchskultur, vermeinte den richtigen Umgang mit dem oft gefährlichen und wenig vertrauenswürdigen Übersinnlichen, der Naturgeister und alten Göttern, zu kennen. Nur die Kirche, nicht aber die heidnischen Priester, Schamanen, „weisen“ Frauen und Ketzer, hätte die Macht, diese Geister zu bannen. Die Sakramente, das Stoßgebet und das Kreuzschlagen sind die magischen Handlungen, die diesen Schutz ermöglichen. Extra ecclisiam nulla salus!

In jeder Kultur gab und gibt es Seher, Magier und „Priester“, deren Aufgabe es war (und ist) mit Ritualen, Gebeten und Opfern gutes Einvernehmen mit den Geistern, Göttern, sowie den Dämonen zu schaffen. Das war auch in unserem Kulturkreis so. Einst, in heidnischen Zeiten und noch bis über das Mittelalter hinaus, war es die Aufgabe jeder Hausfrau[3], die Geister zu versöhnen. Da opferten die Frauen unter dem Hofholunder (auch der Hoflinde), den Zwergen, Hauskobolden oder den Verstorbenen, Mehl, Milch, Bier oder Brei, zündeten ein Lichtlein, sprachen weihevolle Worte oder summten ein Liedlein. Auch hütete die Hausherrin das Feuer im Herd oder Kamin, welches als Zugang zur vertikalen Seinsdimension und als Herz des Hauses galt. Durch den Rauchfang oder Kamin gehen die Geister ein und aus – die Kinderseelen, die der Storch Adebar bringt, oder der Weihnachtsmann (Santa Claus); und die „Hexen“, die indigenen Schamaninnen, fliegen durch den Schornstein in die „anderen Welten“. In den indischen Haushalten opfern die Frauen noch immer, jeden Morgen, Butter und kleine Happen Speise, deren Essenz Agni, der Feuergott, dann im Rauch zu den Göttern und den Ahnen emporträgt.

Entgegen dem Glauben, der im heutigen Zeitgeist vorherrscht, leben wir nicht nur verkörpert in einer stofflich/materiellen Welt, in welcher das Spirituelle ein Epiphänomen, ein flüchtiges Schaumgebilde ist, sondern wir sind Teil eines immensen spirituellen Universums. Es gibt Wesenheiten, die keinen physischen Körper haben, sondern lediglich einen Ätherleib (Energiekörper) und einen Seelenleib (Astralleib), oder ein Bewusstsein darüber hinaus. Es gibt keine menschliche Kultur, die solche Wesenheiten nicht kennt – eine Ausnahme ist unsere wackere gegenwärtige Zivilisation, die solche Dinge psychologisiert und als subjektive Einbildungen oder Fantasie definiert. Doch auch in der heutigen Gesellschaft gibt es immer wieder Individuen, die wahrhaftig geistige Führung in ihrem Leben erleben, oder solche, die ganz nüchtern und konkret die Wegweisung von sogenannten Engeln oder Göttern erfahren. Wiederum gibt es auch solche, die mit dem schrecklichen Abgrund des Dämonischen konfrontiert und aus ihrer Mitte geworfen werden; oder vor lauter Schreck in katatonische Starre verfallen. In traditionellen Gesellschaften werden sie dann von den Schamanen wieder in die Balance gebracht; bei uns landen sie in der Psychiatrie und werden mit Neuroleptika und anderen Psychopharmaka ruhiggestellt.

Berge

Das seelische Universum ist unbegrenzt.

Im unendlichen Universum ist jeder Ort die Mitte

Das Universum ist unendlich. Nicht nur das physikalische Universum, in welchem unsere Galaxie, die Milchstraße, nur eines von über 100 Milliarden Galaxien ist, welche Astronomen inzwischen mit dem Hubble-Weltraumteleskop entdeckt haben. Das All scheint grenzenlos zu sein.

Aber auch das seelische Universum ist unbegrenzt. Wenn man die sicheren Grenzen, die einem die Gesellschaft oder die Religion vorgibt, überschreitet, kann es einen in Dimensionen katapultieren, die unser Fassungsvermögen übersteigen. Was wir erleben kann als unendlich schön, gut und wunderbar erscheinen oder auch zugleich als unendlich fürchterlich und böse. Wer nicht in seiner Herzensmitte verankert ist, kann erstarren, wahnsinnig werden oder von jenseitigen Wesen gefangen und geknechtet werden. Vor einiger Zeit rief mich ein junger Mann an. Er war bis ins tiefste Mark erschüttert. Bei einer hochdosierten LSD-Reise gewahrte er, dass Gott und das Universum unendlich bösartig und grausam ist. Starke Psychedelika oder Entheogene – wie eben psilocybinhaltige Zauberpilze, das aus Mutterkornpilz extrahierte Lysergsäurediethylamid, die Samen der mexikanischen Purpurwinde, Tryptamin-Alkaloide (DMT), sowie diverse Nachtschattengewächse – haben es in sich, die Grenzen des Egos aufzulösen, das Bewusstsein zu erweitern, außerkörperliche Erfahrungen zu bewirken und die tieferen Dimensionen des Seins offenzulegen.

Sie können die Seele in verschiedene „Götter- und Dämonenwelten“ hineinschleudern, zu wundervollen ekstatischen Erlebnissen führen, tiefe Einsichten zu vermitteln oder sie in schreckliche Höllen zu stürzen. Letzteres war dem jungen Anrufer passiert. In vielen Gesellschaften ist man sich dieser Möglichkeiten seit langem bewusst, und – außer den eher betäubenden Substanzen wie Alkohol oder Opiate – betrachtet man bewusstseinsentgrenzende Mittel mit Vorsicht, wenn nicht mit Argwohn und negativen Sanktionen. In Indien erlaubt man den „Heiligen“ und Wandermönchen, den Sadhus und Sadhvis [4] und den ganz Alten, den Sannyasin, die der Familie, dem Beruf und dem weltlichen Leben entsagt haben und nur noch die Erlösung (Moksha) anstreben, den Konsum von ich-auflösenden Entheogenen.

Die unendlich tiefen Dimensionen des Seins und deren Bewohner war – wie schon erwähnt – den Kirchenvätern und Mystikern wohl bekannt. Sie kannten die potenzielle Bedrohung, die davon ausging und sahen ihre Aufgabe darin, die gefährdete menschliche Schafherde, die fromme Glaubensgemeinschaft, zusammenzuhalten und sicher durch diese Gefahren hindurchzugeleiten. Daher definiert sich die Kirche als ein Schiff, das uns anfällige Menschen über das bedrohliche Meer der Sünde und des Todes sicher in den Hafen des lieben Gottes trägt. Der Mast dieses Schiffes ist das Kreuz; die Ruderer sind die Apostel und Heiligen. Auch die Buddhisten beschreiben die Lehre des Erleuchteten als ein Boot, das uns zum anderen Ufer führt.

Die Hindus und Daoisten handeln da individualistischer. Sie suchen, durch Askese, Fasten, Meditation und Entheogenen, vor allem Bhang oder Ganja (Cannabis), die göttliche Mitte, die in jedem Herzen west, die göttliche Mitte zu realisieren. Alles außerhalb ist Illusion, ist der Tanz der schillernden Maya, mit ihren unendlich vielen, betörenden Schleiern. Allein der Gott der Götter, Shiva, oder derjenige, der mit seinem göttlichen Wesenskern verschmolzen ist, kann Mayas Tanz genießen, ohne davon verzaubert zu werden.

Mit Ganja versuchen die Hindus die göttliche Mitte zu finden 

Gras

Titanen und Devas

Die indische Geistesschau unterscheidet zwischen Devas („die Leuchtenden“), den Göttern des Lichtes und der Wahrheit, und den schrecklichen Dämonen der Lüge und Grausamkeit, den sogenannten Rakshasas („Beschädiger“) und Asuras („Antigötter“). Über sie erzählt die Mythe folgendes: Zu Beginn, als Brahma das Universum erschuf, waren beide, die Devas und die Rakshasas gleich. Die einen bevorzugten die Wahrheit, sie wurden zu Devas; die anderen bevorzugten ihren Vorteil und die Macht, sie wurden zu Dämonen.

Die Gegenwart der Devas erkennt man an der guten, harmonischen Atmosphäre, die sie verbreiten. Sie schenken den Menschen, Tieren und Pflanzen Lebensfreude, Freiheit, Glückseligkeit und die „Leichtigkeit des Seins“. Die Dämonen dagegen verbreiten Angst, Zwang, Unfrieden und Schrecken; sie lassen die Wesen nicht frei. Die Götter fördern das Leben; die Dämonen hassen das Leben. Goethe lässt den Teufel Mephisto sagen:

Und freilich ist nicht viel damit getan
Was sich dem Nichts entgegenstellt,
Das Etwas, diese plumpe Welt,
So viel als ich schon unternommen,
Ich wusste nicht ihr beizukommen,
Mit Wellen, Stürmen, Schütteln, Brand,
Geruhig bleibt am Ende Meer und Land!
Und dem verdammten Zeug, der Tier- und Menschenbrut,

Dem ist gar nichts anzuhaben,
Wie viele hab‘ ich schon begraben!
Und immer zirkuliert ein neues, frisches Blut.
So geht es fort, man möchte rasend werden!
Der Luft, dem Wasser, wie der Erden
Entwinden tausend Keime sich.
Im Trocknen, Feuchten, Warmen, Kalten!
Hätt ich mir nicht die Flamme vorbehalten,
Hätt ich nichts Aparts für mich.

Wie auch andere Völker, kannten die Griechen diese spirituellen Mächte, die Götter einerseits und die Antigötter andererseits.[5] Letztere sind die chaotischen Ur-Mächte, die Titanen. Diese wurden einst von den olympischen Göttern in die tiefsten Schichten der Erde verbannt. Aber nun in diesem dunklen Eisenzeitalter, erleben wir – wie Ernst Jünger schrieb – einen „Titanensturm“. Sie brechen aus den Tiefen hervor. Ängstliche und machtgeile Magier hörten auf ihre dämonischen Versprechen und öffneten ihnen den Weg ins Dasein.

Die Inspirationen, die diese Titanen den Menschen eingeben, erkennt man sofort – sie sind angsterzeugend und lebensfeindlich, sie knechten die Menschen und quälen die Tiere und Pflanzen. Für mich beruhen Versuchslabore auf titanischen Eingebungen: 100 Millionen Wirbeltiere, von Mäusen bis Affen, werden darin jährlich weltweit „verbraucht“, um Medikamente oder Kosmetika zu testen. Kann man wirklich erwarten, dass so etwas zur Förderung von Gesundheit oder persönlicher Schönheit führen kann? Auch die Anwendung von Agrargiften, die Bienen und andere Insekten massenweise töten, ist für mich dämonisch. Glyphosat, welches die Felder unkrautfrei hält, ist nicht nur krebserregend, es tötet die Mikroorganismen, die für die Bodenfruchtbarkeit wesentlich sind; auch die Darmflora der Wildtiere wird durch dieses Totalherbizid geschädigt.

Dämonisch ist auch die Waffenindustrie, die von kriegerischen Auseinandersetzungen profitiert und Völkerhass schürt, und deren Propaganda in dem Feind “Untermenschen“, Verbrecher, Bestien und Kriminelle sieht, die zur Strecke gebracht werden müssen, anstatt Menschen, wie man es selber ist, Menschen, mit denen man zwar in Konflikt steht, die aber möglicherweise ihrerseits legitime Interessen verfolgen. [6] Koloniale Ausbeutung, Sklaverei, Zensur, Totalitarismus und Rassismus schöpfen aus derselben trüben Quelle. Auch eine Medizin, die den menschlichen Organismus lediglich als eine Maschine auffasst, die gewartet, repariert und gut geschmiert werden muss und dabei das angeborene Selbstheilvermögen (vis medicarix naturae) des lebenden Körpers verleugnet, ist titanisch verblendet. Keine Maschine, wenn sie kaputt ist, ist fähig sich selber zu heilen, keine hat ein Immunsystem.

Waldpflanzen des Frühlings Adlerfarn

Pflanzen geben uns den Sauerstoff zum Atmen

Die Titanen hassen das Leben, hassen die Vegetation, welche die Grundlage der Ernährung aller Geschöpfe, der Menschen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen, ist. Allein die grünen Pflanzen vermögen es, mit Hilfe der einströmenden Sonnenenergie, Luft (CO2) und Wasser (H2O) das ur-organische Molekül Glukose (C6H12O6), aus dem alle organischen Stoffe synthetisiert werden, zu erzeugen. Photosynthese oder Kohlenstoffassimilation nennt man das. Der Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen, wird dabei nebenbei als Abfall produziert. Wenn mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre vorhanden ist, wachsen die Pflanzen besser, die Nahrungsmittelversorgung verbessert sich und die Wälder regenerieren schneller. Kohlendioxid dem atmosphärischen Kreislauf zu entziehen ist lebensfeindlich, ist eine dämonische Idee. Im Vergleich zu Wasserdampf und Sonneneinstrahlungsrhythmen hat dieses lebenswichtige Spurengas relativ geringen Einfluss auf das Klima.[7]

Titanisch ist auch der Plan eines milliardenschweren „Philanthropen“, die Sonne, mittels in die Atmosphäre ausgebrachten, chemischen Partikeln, zu verdunkeln, um das „Klima“ zu retten. Hat man da die Pflanzen gefragt? Ein solches Vorgehen würde doch die Photosyntheseleistung verringern. Man ist keineswegs sicher, was die weiteren Konsequenzen einer solchen Maßnahme betrifft, etwa die Wirkung auf die schützende Ozonschicht in der Stratosphäre. Derselbe Weltverbesserer, der die Sonne verdunkeln will, finanziert außerdem Pläne, genetisch veränderte Mücken in Florida und Texas auszusetzen. Somit sollen Krankheiten, die diese Stechinsekten verbreiten können, ausgerottet werden. Auch andere Schadinsekten will man gentechnisch ausrotten. Ausrotten? Gehört das Wort nicht zum faschistischen Vokabular? Und, was aber bedeuten solche Eingriffe für das ökologische Netzwerk? Hat man die Fische, Frösche, Libellen und andere Tiere gefragt, denen sie Futter sind. Und sicherlich gibt es andere Mittel, um die menschliche Gesundheit zu wahren.

Wir scheinen es mit Zauberlehrlingen zu tun haben, von denen Goethe in der Ballade Der Zauberlehrling spricht. Da weder Güte und Liebe zur Schöpfung noch Liebe zur Wahrheit sie leitet, tragen sie zur Chaotisierung und zum Leid bei. Dazu kann man nur noch den alten, weisen Laotse (Tao Te King, 29) zu Wort kommen lassen:

Die Welt ist heilig.

Man kann sie nicht verbessern.
Willst du sie manipulieren, dann wirst du sie zugrunde richten;
Behandelst du sie wie einen Gegenstand, dann wirst du sie verlieren.

Lao Tse, Tao-Te-King (Vers 55)[19]

[1] Selbstverständlich ist nicht jeder Gedanke eine Eingebung. Unaufhörlich und unaufhaltsam dreht sich die Gedankenmühle im Kopf der meisten Menschen. Oft handelt sich es dabei um Bruchstücke und Fetzen, die man als oberflächliche Eindrücke aus den Medien und dem täglichen Umgang aufgenommen hat, die in die Tiefen des Unterbewusstseins herabsinken und wieder heraufgespült werden, so etwa wie musikalische Ohrwürmer. Meistens haben sie wenig Bedeutung, beschäftigen aber unseren Geist und und trüben die geistige Meditation. 

[2] Robert Lawlor, Am Anfang war der Traum. (Droemer Knaur 1939)

[3] Die „Hausfrau“, die sich „nur“ um Kinder, Haushalt und Garten kümmert, wird heutzutage als unemanzipierte, neurotische „Nur-Hausfrau“ verunglimpft und wenig geschätzt; Dabei bedeutet das Wort Frau bedeutet – wie auch Freya – „Herrin“; sie ist die Herrin des Hofes, nicht nur eine Magd.

[4] Sadhvi: Die weibliche Entsprechung des Sadhus, die das weltliche Leben hinter sich gebracht hat und im Gottesbewusstsein lebt.

[5] Die Nordgermanen kannten die Titanen als die Gegenspieler der Götter (Asen), als die Riesen (Thursen), die ständig in Midgard (Mittelerde) einzudringen und Chaos zu verbreiten suchten. Die Götter, vor allem der Menschenfreund Donar/Thor, beschützen die Erde vor ihren Inkursionen.

[6] Krieg ist immer schrecklich und bringt Leid und Zerstörung. Im Laufe der Geschichte wurden solche Konflikte teilweise ritualisiert, um die negativen Folgen zu minimieren. Jede Konfliktpartei schickte ihren besten Kämpfer – bei den Kelten etwa zur Mittagsstunde (high noon) an einen heiligen Platz – zum Austragen des Duells; das Ergebnis galt als „Gottesurteil“. Noch in der Barockzeit grüßten die gegnerischen Offiziere einander und erwiesen einander die Ehre, vor wie auch nach dem Gefecht. 

[7] Das sind nicht meine Ideen. Ich berufe mich, unter anderem, auf die Arbeiten des renommierten Harvard Professors für Physik, William Happer, auf den Mitbegründer der Greenpeace- Bewegung und Umweltaktivisten, Dr. Patrick Moore, und auf Prof. Dr. Fritz Varenholdt sowie den Geologen Dr. habil Sebastian Lüning.

Bleib auf dem Laufenden!

Wolf-Dieters Newsletter abonnieren

Geschichten, Neuigkeiten und Tipps von Wolf-Dieter Storl und der Storl Akademie

Mehr Artikel entdecken

Feuer

Sommersonnwendzeit in Lettland

Ieva, deren Name „Traubenkirsche“ bedeutet, hatte mich zum Sommersonnenwendfest nach Lettland eingeladen. (Die Letten geben ihren Kindern gerne die Namen von Bäumen und Blumen). Was ich in dem baltischen Land erlebte, war ein wahrer Türöffner.
Weiterlesen →
Johanniskraut

Mein Gartenjahr – Der Brachmonat Juni

In den Brachmonat, wie der Juni einst genannt wurde, fallen Pfingsten, Fronleichnam und Johanni, die einst wichtige Stationen im Bauernkalender darstellten. Die Sonne zieht vom Stier in die höchste Tierkreisregion, in die Zwillinge. Am 21. Juni ist der längste Tag und zugleich Sonnenwende.
Weiterlesen →

Narada bring mir das Wasser

Zum Thema Schicksal habe ich auch eine indische Geschichte gefunden, die mich sehr berührt hat und die ich gerne erzählen würde. Sie heißt „Narada bring mir Wasser“.
Weiterlesen →
Feuer

Sommersonnwendzeit in Lettland

Ieva, deren Name „Traubenkirsche“ bedeutet, hatte mich zum Sommersonnenwendfest nach Lettland eingeladen. (Die Letten geben ihren Kindern gerne die Namen von Bäumen und Blumen). Was ich in dem baltischen Land erlebte, war ein wahrer Türöffner.
Weiterlesen →
Johanniskraut

Mein Gartenjahr – Der Brachmonat Juni

In den Brachmonat, wie der Juni einst genannt wurde, fallen Pfingsten, Fronleichnam und Johanni, die einst wichtige Stationen im Bauernkalender darstellten. Die Sonne zieht vom Stier in die höchste Tierkreisregion, in die Zwillinge. Am 21. Juni ist der längste Tag und zugleich Sonnenwende.
Weiterlesen →
Was sagst du dazu?

Diskussion

  1. Sie sind so ein feiner Mensch und öffnen mit ihren Beiträgen meine Augen für eine Welt, die ich aus Kindertagen her noch kenne. Dabei sind sie sehr fundiert und lassen meine Augen funkeln und alle anderen Sinne wieder lebendig werden. Danke schön und herzlichst. Liebe Grüße 😇.

  2. „ Wer sich seiner Würde bewusst geworden ist, macht keinen Anderen mehr zum Objekt seiner Belehrungen, Ansichten, Maßnahmen und Bewertungen.“
    Gerald Hüther

    Danke Wolf, ich sehe dich. Stefanie

  3. Danke lieber Wolf Dieter du sprichst mir aus der Seele. Ich bin überzeugt, dass immer mehr Menschen sich aufmachen das göttliche verbindende was Mensch sein bedeutet zu suchen und wie ich hoffe und wünsche zu fnden
    Liebe : zum Menschsein, das Miteinander, Mutter Erde, Natur und alle Wesenheiten die uns beschützen zu achten und zu ehren. Dazu trägst du mit deiner tiefen Weisheit und Bereitschaft es mit uns zu teilen bei,
    ein herzliches Danke dafür

  4. Herzlichen Dank Herr Storl für das Teilen ihres großen Wissens und tiefen Weisheit.
    Sie sind eine Bereicherung für alle Menschen, die ihre Verbundenheit
    mit unserer Mutter Erde, der Natur und dem Göttlichen spüren und
    sich nach einer Welt im Einssein sehnen.
    Viele Menschen folgen ihrer Sicht auf die Dinge mit weit geöffneten Herzen und inspirieren somit wieder andere Menschen durch ihr wirken und ihr so sein! Das Licht erhellt die Dunkelheit!

  5. Danke! Bei jedem Artikel lerne ich etwas Neues! Ich schätze Deinen Durchblick, dein Sehen sehr, lieber Wolf Dieter.

  6. Vielen Dank für die Weltanschauung aus unterschiedlichen Perspektiven.
    Der Bewusstseins-Wandel-Zug rollt und immer mehr Menschen springen auf.
    Sie leisten einen unglaublich wertvollen Beitrag mit all Ihren wertvollen Veröffentlichungen.
    Das spendet Hoffnung und Zuversicht und das ist es was wir am dringendsten brauchen.
    Leider verstehen das viele brillante Kritiker unserer Gesellschaft nicht und schüren die Zukunfts-Angst, mit durchaus berechtigter und fundierter Kritik.


Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.