Wichtige Heilpflanzen der Sommersonnenwende
- 20. Juni 2024
Wenn die Tage am längsten sind und die Sonne hoch über den Wiesen steht, dann zieht es mich hinaus zu den blühenden Hecken. Dort steht der Holunder, weiß schimmernd und duftend, als hätte er das Licht des Himmels in seinen Blüten gesammelt. Ich möchte euch mitnehmen in diese besondere Zeit um Johanni und Sommersonnwende, in der Feuer, Kräuter, Tau und alte Bräuche noch miteinander sprechen – leise, aber für jene hörbar, die mit offenem Herzen durch die Natur gehen.
Es war, als hätt‘ der Himmel Die Erde still geküsst, Dass sie im Blütenschimmer Von ihm nur träumen müsst.
– Joseph Freiherr von Eichendorf
Holunderküchlein zur Sommersonnwende
Üppig blüht – wie immer zur Sommersonnwende – der Holunder. Traditionell essen wir am 21. Juni, dem längsten Tag und der kürzesten Nacht des Jahres, Holunderküchlein. In Bierteig getaucht, frittiert und mit einem Kompott aus reifen Erdbeeren gegessen. Ach, ist das lecker! Als echter Feinschmecker könnte man das auf die Spitze treiben und die Holunderküchlein mit Ahornsirup und Schlagsahne schlemmen.
Der Brauch Holunderküchlein zu essen, geht bis in vorchristliche Zeiten zurück. Im Allgäu wurde einst der Schmalz, in denen die Küchlein gebraten wurden, als Heilsalbe verwendet. Die übrig gebliebenen, gesammelten Blüten liegen an einer schattigen Stelle im Haus auf Papier und trocken. Im Winter, wenn es wieder Grippe- und Erkältungszeit ist, werden sie gute Dienste leisten, denn ein Holunderblütentee ist ein wirksames Mittel gegen Viruserkrankungen und hilft das Immunsystem anzuregen.
Literaturtipp Die Magie der Sonnenwenden
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Bis zum 21. Juni kannst du mein Buch „Die Magie der Sonnenwenden“ als handsignierte Ausgabe bestellen. Ich freue mich, wenn dieses Buch dich durch die besondere Zeit der Sommersonnenwende begleitet und dir die alten Feste, Bräuche und den Zauber des Jahreskreises näherbringt. 🌞
Die Johanniskräuter
Die Holunderblüten gehören zu den Johanniskräutern, die zu dieser Zeit, in der die Sonne in dem Tierkreiszeichen der Zwillinge am Zenit steht, gesammelt werden. Diese Heilkräuter tragen das Licht der Sonne in sich und vermitteln dessen Heilkräfte:
- Der Kräuterbüschel enthält selbstverständlich das Johanniskraut oder Hartheu (Hypericum perforatum), dessen Tee die Nerven entspannt und beruhigt, und trübe Gedanken und Melancholie vertreibt. Hypericum bedeutet „über dem Bild“, das heißt, es vertreibt krankhafte Einbildungen. Teufelsflucht ist ein weiterer Name der lichtdurchfluteten Pflanze.
Johanniskraut (Hypericum perforatum)
- Die Kamille gehört mit zu diesen gesegneten Kräutern. Sie heilt Wunden und vor allem Entzündungen im Darmbereich. Die Skandinavier weihten sie dem Sonnengott Baldur.
- Die Arnika, auch Bergwohlverlei genannt, das Mittel bei Prellungen und frischen Wunden, wurde einst um die Kornfelder gesteckt, damit der Kornwolf oder die Roggenmuhme, die Träger der Wachstumskraft, das Getreidefeld nicht verlassen oder damit der Bilwis oder Bilmesschneider keine Kornkreise (Hexenschnitte) in die Felder zaubert.
- Der Beifuß, den man als „Johannisgürtel“ trug, wenn man über das Sonnwendfeuer sprang, und der Bärlapp, den man mit in den Gürtel flocht, gehörten auch zu diesen heiligen Pflanzen.
- Weitere Johanniskräuter waren der Thymian oder Quendel, die Ringelblume, die Schafgarbe, der Ziest, Eisenkraut, Klette, Kümmel, Königskerze, Gundermann, Margeriten, Rotklee, Blutwurz und andere.
Schafgarbe (Achillea)
Die Sommersonnenwende
Einst wurde die Sommersonnwende, ähnlich wie die Wintersonnwende, volle zwölf Tage lang gefeiert. Dabei spielte das Feuer eine wesentliche Rolle. Mit der Feuerlohe, wie auch mit dem Rollen brennender Scheiben und Fackelläufen gab man der Sonne Beistand. (Später versuchten die kirchlichen Behörden das Rollen brennender Räder zu verbieten, nachdem um 800 n.u.Z. das Kloster Fulda deswegen abrannte.) Einzeln oder händehaltend sprang man über die Glut des Feuers, von der einen in die andere Jahreshälfte. Es war ein Freudenfest und es reinigte Leib und Seele, denn die kleinen dämonischen Geister, die sich so gerne in unsere Aura einnisten, springen ab, da sie nicht die Hitze nicht ertragen können. Die Bauern glaubten, wie hoch man sprang, so hoch würde das Korn und der Flachs werden. Die „Sonnwendbuschen“, die Büschel heilender Kräuter, wurden kurz an das Feuer gehalten, um sie mit Feuer- und Sonnenkraft aufzuladen. Sogar die Asche von dem Sonnwendfeuer sammelte man, denn auch diese galt als heilend. Das Baden im frischen Morgentau am Johannistag galt ebenfalls als heilend.
Das sind nur einige der vielfältigen überlieferten Bräuche, die sich auch oft je nach Region lokal unterschieden. In meinem kommenden Buch Der Zauber der Sonnenwenden, habe ich ausführlicher dazu geschrieben (Erscheint im Herbst 2024) . Etwas zu dem Thema habe ich ja schon in dem Buch Pflanzen der Kelten (Seite 160-164) und in dem Buch Einsichten und Weitblicke (Seite 242-244) geschrieben. Es sind die Feste, die seit Jahrhunderten gefeiert wurden und die uns, wenn wir sie begehen, mit unseren Vorfahren in Verbindung bringen können.
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