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Pflanzenritual für heute

Man könnte sich die Frage stellen, ob die archaischen Pflanzensammelrituale heutzutage überhaupt noch einen Sinn haben? Die in Reformhäusern und Apotheken zum Kauf angebotenen Heilkräuter sind schlicht Ware. Sie werden ganz prosaisch nach kommerziellen Gesichtspunkten – oft in Billiglohnländern und unter Anwendung von Pflanzenschutzmitteln – angebaut und geerntet.

In der lebendigen Natur geschieht nichts, was nicht in einer Verbindung mit dem Ganzen stehe.

– Johann Wolfgang von Goethe

Pflanzen sind mehr als Molekularkomplexe

Das Surren und Rattern von Agrarmaschinen hat längst das Chanten von Mantren und das Singen von Zauberliedern ersetzt. Die Pflanzen selber gelten lediglich als Produzenten verschiedener Molekularkomplexe, die einer sachlichen Analyse zugänglich sind und sich in chemischer Synthese nachbauen lassen. Es sind, so scheint es, nur noch hoffnungslose Romantiker und Ausgeflippte, die sich gegen die Entmythologisierung und Entzauberung der Welt zur Wehr setzen und die noch vorgeben, an Devas zu glauben.

Pflanzen sind mächtiger, als wir allgemein glauben.
Vogelmiere

Aber allen «vernünftigen» Argumenten zum Trotz ist es unbestreitbar, dass mit der zunehmenden Verödung der menschlichen Seelenlandschaft auch die äussere Natur weniger bunt, vielfältig und froh geworden ist, ja, dass sie geradezu auf eine Apokalypse zusteuert. 

Wären wir in der Lage, die Götter und Geister, die Elfen und Zauberwesen in die Wüste, zu der unsere moderne Seele geworden ist, zurückzurufen, dann würden sicherlich auch die Wälder und Wiesen neu beseelt werden und erstarken, und die Lebensfreude würde wieder zunehmen. Es ist eine recht archaische Annahme, dass unsere Einbildungskraft, unsere Imagination, eine ganz reale Energie ist, die «Wirklichkeiten» erzeugt.

In Wirklichkeit leben wir in einer magischen Welt

Wie können wir uns mit den Devas verbinden

Aber wie finden wir erneut den Weg? Wie kommen wir wieder dazu, dass sich die Naturgeister und Devas in unsere Seelen «einbilden» können, so dass sie erneut mit ihren Lebenskräften die Natur beseelen können?

Es hat kaum Sinn, die alten Rituale einfach nachzuahmen. Der heutige Mensch ist schon durch seine übertriebene Kopflastigkeit dazu unfähig. Es fällt ihm schwer, mit den Devas zu kommunizieren, weil er im Grunde genommen kaum an sie glauben kann, auch wenn er noch so gerne möchte. Naturgeister und Devas bleiben für ihn letztlich inhaltslose gedankliche Schemen; ganz im Gegensatz dazu der «Wilde», der diese Wesenheiten noch ganz real erlebt.

Literaturtipp Pflanzendevas

Das Buch soll ein Schritt sein, die unterbrochene Kommunikation zwischen Mensch und Pflanze wieder herzustellen. Ein Anhang mit praktischen Anleitungen zu Pflanzenmeditationen erleichtert die Kontaktnahme mit den Pflanzendevas.

Der «Zivilisierte» hat gelernt, automatisch alle Phänomene, die nicht wissenschaftlich wäg- und messbar sind, aus dem Bereich der «Realität» zu verbannen. Eine verinnerlichte Zensur fängt schon auf vorbewusster Ebene an. Das erlebbare «Andere» dringt gar nicht erst ins Bewusstsein ein. Zudem überdecken und neutralisieren die Plastikbilder der Science-Fiction-, Monster- und Fantasy-Produktionen der Massenmedien schon im Vorfeld das Wahrnehmen wirklich vorhandener transsinnlicher Wesenheiten.

Wir müssen uns auf die Pflanzen einstimmen

Wenn der moderne Kräuterenthusiast ein archaisches Ritual – wie etwa das der Cheyenne – durchführen will, dann läuft das meist auf nicht mehr als eine Art mentaler Selbstbefriedigung und narzisstischer Selbstbespiegelung hinaus. Er verliert sich leicht im Theatralischen. Er sieht sich in der Starrolle seines eigenen Films, als Superschamane oder als Pflanzenzauberer. Tausend überflüssige Gedanken lenken ihn ab, und tausend angelesene Weisheiten schwirren ihm durch den Kopf. Vom wahren Dialog mit dem Deva bleibt dann wenig übrig.

Das Erste, was der neue Pflanzenschamane lernen muss, ist das Meditieren, das Sich-Versenken in jene Bereiche, in denen Subjekt und Objekt noch nicht getrennt sind, wo die Zeit zähflüssig wird, ja, praktisch zum Stillstand kommt. In Indien weiss man es noch: Der wahre Pflanzenkundige muss ein Yogi sein! Er muss die Ewigkeit berühren können, denn in der Ewigkeit sind die Devas zuhause.

Wolf-Dieter Storl

Die Begegnung mit dem Deva wird vor allem durch echte Interesse  eingeleitet

Kommunikation mit der Pflanze heisst sich Zeit nehmen, die Armbanduhr ablegen, ganz da sein. Es heisst, die alltäglichen Sorgen, Ärger und Unbehagen beiseite zu legen. Oft sind Jahre der Vorbereitung notwendig. Die keltischen Druiden zogen sich zum Beispiel bis zu vierzehn Jahre in entlegene «Waldschulen» zurück, wo sie «wie die Hirsche» unmittelbar mit der Natur lebten. Auch aus dem alten China wissen wir, dass Ärzte sich nach ihrer theoretischen Ausbildung zehn Jahre in die Natur zurückzogen. Hans Gerber vom Wiener Zentrum für geistige Heilweisen schreibt: «Ihre Aufgabe war es, dort die Stille zu erfahren. Wenn unsere Gedanken ruhen, vermögen wir wieder mitzufühlen mit der Aussenwelt. Eine der gewaltigsten Entdeckungen aus dieser Stille heraus waren die Energieströme im Menschen und in der Pflanze. Die Akupunkturlehre resultiert daraus.»

Die Begegnung mit dem Deva wird vor allem durch echtes Interesse (lat. inter, «inmitten», esse, «sein») eingeleitet. Immer wieder, über das ganze Jahr hinweg, geht man zu jener Pflanze, die einen interessiert, anzieht oder fasziniert. Man öffnet die Sinne so weit wie nur möglich und betastet die Pflanze, zieht ihren Duft tief in die Lungen, kostet sie, bewundert ihre Farbe und Gestalt, ganz so, wie man es mit einem geliebten Menschen tun würde. Unsere fünf irdischen Sinne genügen durchaus, diese ersten Schritte der Annäherung zu tun. Zudem studiert man alles, was andere Pflanzenkenner über diese Pflanze berichten. Eventuell pflanzt man sie sich in den Garten oder in einen Blumentopf. Die Bewunderung seitens des Menschen gibt dem Deva das Signal, sich seinerseits zu nähern. Allmählich lernt man seine Sprache verstehen, und er wird zum ansprechbaren Freund.

Ein Jahr Pflanzenwissen mit Wolf-Dieter Storl

Ich lade dich ein, online mit mir auf eine Reise durch unsere heimische Flora zu gehen. Mögen meine Videos und Impulse dazu beitragen, dein Herz zu berühren und deine Sinne für die Schönheit unserer Natur zu öffnen.

Ab Frühjahr 2024 gehen wir alle zwei Wochen – digital – in die Natur, damit du unsere heimischen Pflanzen kennenlernst und bestimmen kannst. 

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