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Bicycle Day in der Alchemistenstadt Basel

In den frühen 60er Jahren, noch ehe es Hippies Flower-Power oder Acid Rock gab, schickte mir ein Freund, der Hilfsassistent an der psychologischen Fakultät in Harvard war, einen Brief mit einem Pulver. „Wir machen interessante Experimente hier,“ schrieb er, „nimm das Pulver ein, und lass uns wissen, was du dabei erlebst.“

Meine Begegnung mit Albert Hofmann

Ohne weiter darüber nachzudenken, rührte ich das Pulver in meinen Kaffee. Es dauerte nicht lange, bis sich für mich die Welt veränderte. Ich wusste nicht, dass es das, von dem Schweizer Chemiker Albert Hofmann entdeckte Lysergsäurediethylamid war, das mich aus den Angeln hob und das ich da im Kaffee eingenommen hatte. Über das Erlebnis habe ich ausführlich in meinen Buch Streifzüge am Rande Midgards (KOHA-Verlag, 2014) geschrieben und will diese tolle Geschichte hier nicht wiederholen.

Am 15. April dieses Jahres fand eine Veranstaltung (Bicycle Day) zum 80. Jubiläum der Entdeckung des Psychedelikums in Basel am Rhein statt. Viele junge und alte Freaks, liebe Leute, auch einige Akademiker und bekannte Persönlichkeiten waren da, um den wirren Trip des Chemikers auf dem Fahrrad zu gedenken, als dieser unverhofft das potente Mutterkornalkaloid aus Versehen eingenommen hatte und dabei glaubte wahnsinnig zu werden.

Albert Hofmann (1906 – 2008) Foto Giorgio Samorini

Albert hofmann

Jahre später, bei einem viertägigem Symposion der Schweißfurth-Stiftung im Nymphenburger Schloss in München lernte ich Albert persönlich kennen. Es war gerade Oktoberfest, und Maßkrug stemmende, Schweinshaxen und Weißwurst verschlingende Anhänger des Bierpatron Gambrinus hatten sämtliche Hotelzimmer in der Stadt belegt, so dass wir mit einem Shuttle in ein Hotel in Erding ausweichen mussten. Die Fahrt dauerte jeweils ungefähr eine Stunde. Bei diesen Fahrten saß ich zufällig immer neben dem 86jährigen Albert Hofmann; dabei führten wir anregende Unterhaltungen, wobei er sein Wesen offenbarte.

Lilien

Lilie im Garten

Schon seit früher Kindheit, erzählte er, liebte er Pflanzen. Er studierte, um ihre Geheimnisse zu erkunden. Er schrieb sich aber nicht in die Botanik ein, denn „damals in den 20er Jahren glaubte man, die organische Chemie sei der Schlüssel, um die Pflanzen zu verstehen.“ Als er mit dem Studium fertig war, ging er zu Sandoz, weil er dort direkt mit Pflanzensubstanzen arbeiten konnte. Die Chemiefirma Ciba-Geigy hätte mehr gezahlt, aber da hätte er sich nur mit synthetischen Substanzen beschäftigen müssen.

Während der Fahrt sagte er Dinge, die mich beeindruckten: Etwa, „die Toten gehen in dieselbe Dimension, wo die Pflanzengeister beheimatet sind“ oder „Die Herkunft, die Heimat der Blumen, ist auch unsere Herkunft und Heimat.“ Auch sagte er, er sei ein Christ, denn hatte Jesus nicht gesagt: „Seht die Lilien auf dem Felde – sie sind wunderbarer als der Palast von David …

Auf dieser Ebene, der Liebe zur Natur und der Pflanzen, begegneten und befreundeten wir uns.

Literaturtipp

Ein persönlicher Blick über den Rand der alltäglichen Wirklichkeit

Ich will noch etwas aus einem Vortrag zitieren, den er 1996 in Leipzig hielt:

Meistens schauen wir mit trüben Augen und durch Gewohnheit abgestumpften Sinnen in die Welt, erkennen nur noch den von Menschenhand geschaffenen Teil der Wirklichkeit und suchen in ihr, wie in einem selbst angefertigten Mandala, Glück und Sinn.

Schauen wir doch besser in den Kelch einer Blume, einer Blüte, die an Vollkommenheit und Schönheit alles von Menschen Erzeugte tausendmal übertrifft, denn sie ist mit Leben erfüllt, vom gleichen Leben, wie der Schauende, und beide, der Schauende und das Beschaute als Manifestation des einen gleichen Schöpfergeistes.

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