Skip to content

Teneriffa Winterurlaub

Sonne und salzige See. Eine liebe Frau namens Claudia hat uns ihre nette kleine Wohnung mit Blick aufs Meer zur Verfügung gestellt. Als wir hier auf Teneriffa ankamen, grüßten mich gleich die hier wachsenden Pflanzen wie alte Freunde. (Ich kenne sie ja, denn ich hatte früher auf Gomera und La Palma viele Kräuterwanderungen und einwöchige Pflanzen-Seminare durchgeführt.) Die freundliche kleine, lila blühende Fagonie, stachelige Feigenkaktusse (Neophyt aus Mexiko), Blaugrüner Tabak (aus Peru), Kanaren-Wolfsmilch, die wie zusammengebündelte Orgelpfeifen aussehen, und andere Wolfsmilcharten, die an Zwergenbäumchen erinnern waren als Begrüßungskomitee da. Wenn man in fremde Länder kommt, ist es immer gut sich zuallererst mit dem wurzelnden grünen Volk zu verbinden, denn sie helfen einem, dass man selber nicht lange wurzellos bleiben muss.

Das Meer, die Mutter des Lebens

Die Sonne und die Wärme! Ach, wie gut tun sie! Man kann sie in den Knochen speichern, so dass man dann besser durch den kalten, feuchten Rest des Winters kommt.

Jeden Morgen gehe ich nach Herzenslust schwimmen. Wasser befindet sich in ständiger Bewegung. Wenn man sich dem Tanz der Wellen, der Weichheit des Elements hingibt, werden auch der Ätherleib (Energiekörper) und die Seele beweglicher. Auf dem Festland, besonders in den Bergen, hat man die Tendenz selber starrer, unbeweglicher zu werden. Auch das ist gut, es formt den Charakter. Aber einige Menschen – wie ich zum Beispiel – brauchen das fließende, tanzende, immer beweglich Wasser. Durch diese Verbindung kommt man auch leichter mit den Pflanzenwesen in Kontakt, denn Pflanzen sind keine starren Dinger, sie sind selber im Fluss; sie wachsen und verändern sich ständig. Das Kräutlein, das ich heute bewundernd anschaue, ist morgen schon wieder ein anderes, es ist weitergewachsen, die Knospen, aus denen dann irgendwann die Blüte ausbricht, sind etwas aufgeschwollener, die Früchte etwas reifer. Diese unbewusste Erkenntnis, könnte übrigens auch einer der Gründe sein, dass die Teilnehmer bei meinen Ausbildungen oder bei den Pflanzenseminaren gerne in einem Teich oder See, bei aufgehender Sonne, schwimmen oder baden. Wenn man nicht bloß ein guter wissenschaftlicher Botaniker sein will, sondern sich auf die Pflanzenseelen einstimmen möchte, dass ist es hilfreich, einen lockeren, beweglichen Ätherleib zu haben, wie es das Wasser einem vermitteln kann. 

Das fließende, tanzende, immer sich bewegende Wasser ist heilend.

Wellen

Diesmal habe ich mir sogar eine Schwimmbrille beschafft. Da kann ich mir kleine Fische anschauen mit den blau und grün fluoreszierenden Flossen, auch ab und zu einige rote Seesterne, bunte Seeanemonen, Krebse, oder stachelige schwarze Seeigel. Immer wieder entdecke ich zwischen den Felsen flitzende Schwärme winziger, frisch geschlüpfter Fischlein, nicht größer als Fingernagelschnipsel. Was für ein Wunder! Immer wieder und unaufhörlich gebiert das Meer, die Mutter des Lebens, geschwängert vom Himmel, durch das Licht der Sonne, neues Leben. Wir alle – Würmer, Insekten, Lurche, Echsen, Säugetiere und auch die gesamte Vegetation – sind irgendwann, vor vielen Äonen aus dem Schoß des Meeres gekrochen. Im Blut, das jede Körperzelle ernährt und badet, tragen wir das Meer in uns.

Seestern

Seestern könnte man zwischen den Felsen beobachten.

Das Schwimmen im Meer ist wie eine Rückkehr, eine Erneuerung, eine Wiedergeburt. Ich bin euch unendlich– euch, meine lieben Zuhörer, Leser und Seelengeschwister – dankbar, dass ihr mir diese Zeit der Erneuerung und Meeresmeditation möglich macht! Und ich hoffe Euch dadurch weiter dienen zu können mit neuen Geschichten, Erzählungen und Büchern.

Während eines solchen Urlaubs, kann man sich auch die Zeit gönnen, etwas zu lesen. Eine Zeit, die man sich sonst kaum hat, denn zuhause ist immer irgendwas zu erledigen: Holz hacken, Dachschindeln einschieben, Garten umgraben, etwas im Haus reparieren, Briefe und E-Mails beantworten und so weiter. Diesmal fiel mir ein Text des schlesischen Schuhmachers und Mystikers Jakob Böhme (1575-1624) in die Hand. Hier einige seiner Gedanken, die ich mit Euch teilen will:

So man aber will von Gott reden, was Gott sei, so muss man fleißig erwägen, die Kräfte der Natur, dazu die ganze Schöpfung, Himmel und Erden, sowohl Sternen und Elementa und die Kreaturen, so aus denselben kommen.

Oder,

Du wirst kein Buch finden, da du die göttliche Weisheit könntest mehr inne finden zu erforschen, als wenn du auf eine blühende Wiese gehest; da wirst du die wunderliche Kraft Gottes riechen und schmecken …

Und schließlich noch die wunderbare Erkenntnis:

Gleichwie das Auge des Menschen siehet bis in das Gestirne, daraus es seinen anfänglichen Ursprung hat, also auch die Seele siehet bis in das göttliche Wesen, darinnen sie lebet.

Literaturtipp Einsichten und Weitblicke

Wir glauben, wir verstehen die Welt. Die Wissenschaft hat sie bis ins kleinste Detail vermessen, zergliedert und analysiert. Was aber wissen wir wirklich? Ist das Sein nicht viel weiter, viel magischer, als wir glauben? Endecke die Weisheiten aus meinem Leben in dem Buch Einsichten und Weitblicke.

„Die Sonne ist mir oft verloschen, aber wieder aufgegangen. Und je öfter sie verloschen ist, je heller und schöner ist sie wieder aufgegangen.“

Jakob Böhme (1575 – 1624)

Bleib auf dem Laufenden!

Wolf-Dieters Newsletter abonnieren

Geschichten, Neuigkeiten und Tipps von Wolf-Dieter Storl und der Storl Akademie

Mehr Artikel entdecken

Zunderschwamm und Kohle

Zum räuchern nehme ich lieber den einheimischen Zunderschwamm (Fomes fomentarius), um die Kräuter zum Glimmen zu bringen – das heißt, wenn nicht gerade glühende Holzkohle vom Lagerfeuer oder vom häuslichen Herd vorhanden ist.
Weiterlesen →

Achtsam durch das Gartenjahr – Januar

Es wird ruhig im Garten. Spaten und Hacke, Sense und Gießkanne sind weggeräumt; Wurzelkeller und Speicher sind gefüllt. Für den Gärtner gibt es draußen wenig zu tun.
Weiterlesen →
Holunder

Ins schamanische Bewusstsein eintauchen mit dem Holunder

Frau Holles Baum ist der Holunder – auch Holler, Eller, Elhorn (englisch: elder), Flieder oder, in Sachsen, Schibecke genannt. Auch der Holunder ist ein Zugang zum Reich der Holle.
Weiterlesen →

Zunderschwamm und Kohle

Zum räuchern nehme ich lieber den einheimischen Zunderschwamm (Fomes fomentarius), um die Kräuter zum Glimmen zu bringen – das heißt, wenn nicht gerade glühende Holzkohle vom Lagerfeuer oder vom häuslichen Herd vorhanden ist.
Weiterlesen →

Achtsam durch das Gartenjahr – Januar

Es wird ruhig im Garten. Spaten und Hacke, Sense und Gießkanne sind weggeräumt; Wurzelkeller und Speicher sind gefüllt. Für den Gärtner gibt es draußen wenig zu tun.
Weiterlesen →
Was sagst du dazu?

Diskussion

  1. Guten Tag Herr Storl!
    Ich wünsche Ihnen schöne Rauhnächte und ein langes Leben im Sinne der Menschheitsfamilie! Wir brauchen Sie in Zeiten wo irgendwelche Transhumanisten die „Synthetisierung der Biologie“ anstreben- steht so in „The Great Narrative“ – vielen Dank
    🙏 Scotty dos Rolos
    (vulgo Werner Swoboda)

  2. ich freue mich über deine zeilen immer wieder, sie sind herzerwärmend

  3. Lieber Wolf-Dieter Storl,
    vielen Dank, dass sie uns teilhaben lassen an der schönen Zeit auf Teneriffa. In welchem Ort kann man morgens gleich in die Fluten springen?
    Ich kenne die Insel noch nicht, es hört sich aber sehr reizvoll an.
    Herzlichen Gruß,
    Rosalie

  4. Hallo verehrter Herr Storl,
    Ich bin ein sehr großer Fan von Ihnen und wohne seit vielen Jahren auf Teneriffa. Ich wäre unendlich dankbar, wenn ich einmal die Möglichkeit hätte sie persönlich kennenzulernen und an einem Seminar mit Ihnen auf den Kanaren teilzunehmen.
    Besteht die Möglichkeit, dass Sie in Zukunft nochmal einen Workshop oder ein Retreat auf den Kanaren planen?
    Liebe Grüße,
    Amanita

  5. Hallo Herr Storl.

    Danke für Ihre Newsletters.
    Immer sehr fundiert und interessant !

    dieses Mal aus Teneriffa. Alle Achtung..

    Da freut sich der Klimawandel und der unnötige schädigende Flugtourismus ist begeistert.
    Aber nicht aufregen: der Flieger wäre ja auch ohne Sie geflogen.

    Beste Grüße Rits Probst

    • Liebe Rita Probst! Ich finde Ihren Kommentar ENTBEHRLICH!!! Liebe Grüße Sylvia Augustin

      • Liebe Sylvia Augustin,
        dass wir den gleichen Vornamen haben, heißt zum Glück nicht, dass wir derselben Meinung sind. Ich muss Frau Rita Probst recht geben…es war auch mein erster Gedanke, das mit der Fliegerei, als ich den Artikel gelesen habe. Wolf D. Storl ist mir schon seit den Ende 90er Jahre ein Begriff und ich habe Bücher, CD´s und vieles mehr von ihm und freu mich immer wieder von ihm zu hören. Allerdings wird mir das alles etwas zu kommerziell..ein Buch nach dem Anderen, da ein Vortrag, dort ein Webinar, Bloq usw. Mir fehlt inzwischen das Ursprüngliche, was ich an Herrn Storl so geliebt habe.
        Die Liebe zur Natur, den Pflanzen und Tieren ist einmalig bei ihm und gerade deshalb fragt man sich, weshalb er unbedingt mit dem Flugzeug in die Ferne schweifen muss um es sich gut gehen zu lassen.
        Jeder Kind weiß inzwischen, dass der Flugverkehr emens zur Umwelt-zerstörung beiträgt. Alles gibt es nur solange und Flieger fliegen nur solange wie Verbraucher es nutzen. Der Bumerang ist ja schon überall zu sehen! Mit besten Wünschen zum Neuen Jahr .. Sylvia

  6. So schön! Ich spüre auch, wie gut es meiner Intuition und meiner Verbindung zur Natur tut, wenn ich ins Wasser hüpfe, bei jeder Gelegenheit, wunderbar!
    Schönen Urlaub und viele Grüße ans Meer und die Insel!


Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert