Warum traditionelle Heilmethoden heute aktueller denn je sind
- 4. Mai 2025
Der organische Körper hat das Vermögen, nicht allein sich und sein Leben zu erhalten, sondern auch Störungen und fehlerhafte Zustände wieder aufzuheben. Die Natur kann also für sich allein Krankheiten heilen. Unzählige Menschen sind schon auf diese Weise, ohne alle Beihilfe der Heilkunst, wiederhergestellt worden und werden es noch täglich. Die Lehre von der Heilkunst der Natur verdient unsere größte Aufmerksamkeit, weil diese Naturwirkung bei jeder, auch bei der künstlichen Heilung zugrunde liegt und zugleich mit geschieht.
„Die Arzneikunst wurzelt im Herzen. Ist dein Herz falsch, so ist auch dein Arztsein falsch; ist dein Herz gerecht, so ist auch der Arzt in dir gerecht.“
Paracelsus
Diese Worte stehen zu Beginn des ersten Kapitels in Christoph Wilhelm Hufelands wegweisendem Buch, „Lehrbuch der allgemeinen Heilkunde“ (1818). Hufeland, der Goethe, Schiller, Herder, Jean Paul, Wieland und andere von der Muse geküsste Dichter und Denker zu seinen Patienten zählte, erneuerte die Heilkunde. Er verwarf die medizinischen Pferdekuren, die Quecksilberpräparate, Antimon, Schwefel und andere giftige Mineralien, die vehementen Aderlässe, die heftigen Abführmitteln und blasenziehenden Cantharidenpflaster und all die anderen „heroischen“ Mittel und Methoden, mit denen die damalige mechanistisch-chemisch orientierte, „wissenschaftliche“ Schulmedizin hantierte.

Sonnenlicht und frische Luft gehören zu den wichtigsten Therapiemitteln
Anstelle propagierte er eine „Makrobiotik“, zu deren Therapiemitteln Sonnenlicht, frische Luft, Wasser, Wärmebehandlung, genügend Schlaf, fleischarme Ernährung, körperliche Bewegung und Kräutertees gehörten. Das sind alles Maßnahmen, die in der modernen Naturmedizin selbstverständlich geworden sind und die – aus der Sicht der vergleichenden Kulturanthropologie – einst bei den archaischen Völkern und heute bei den letzten Naturvölkern noch immer das Wesen der Heilkunde ausmachen.
Die ältesten heilkundlichen Therapien
Zu den Therapieformen, auf die die Ethnologie bei traditionell lebenden Jäger-und-Sammler-Stämmen und einfachen Bauernvölkern immer wieder stößt, gehören folgende:
- Berührung, Handauflegung, Massage. Noch heute sprechen wir von der „Be-handlung“ von Kranken. Die liebevolle Berührung, das Streicheln oder die Massage hat mehr als eine beruhigende Wirkung auf das autonome Nervensystem. Es dient auch zur Übertragung von Lebenskraft, von subtiler Energie. Universal ist, dass die Berührung durch eine heilige oder charismatische Person heilend sein kann. Da Neue Testament erzählt, wie die bloße Berührung des Heilands Kranke heilte. Bis in die Neuzeit galten die Hände eines Königs als heilkräftig.
- Berührung, Handauflegung, Massage. Noch heute sprechen wir von der „Be-handlung“ von Kranken. Die liebevolle Berührung, das Streicheln oder die Massage hat mehr als eine beruhigende Wirkung auf das autonome Nervensystem. Es dient auch zur Übertragung von Lebenskraft, von subtiler Energie. Universal ist, dass die Berührung durch eine heilige oder charismatische Person heilend sein kann. Da Neue Testament erzählt, wie die bloße Berührung des Heilands Kranke heilte. Bis in die Neuzeit galten die Hände eines Königs als heilkräftig.
Schwitzen, Hitzetherapie. Überhitzungstherapien, das Erzeugen eines heilsamen künstlichen Fiebers, gehört mit zu den ältesten Heilmethoden der Menschheit. Das altsteinzeitliche Schwitzbad, das die Paläoindianer vor rund 30 000 Jahren mit in die Neue Welt nahmen, gab es überall in der Alten Welt. Die ursprüngliche Schwitzhütte entwickelte sich allmählich zum japanischen, türkischen oder römischen Dampfbad, zur mittelalterlichen Badestube und zur finnischen Sauna. Vielerorts wird das Schwitzen durch das Trinken schweißtreibender Tees (Holunderblüten, Lindenblüten, Monardenminze, Ackerveilchen, Birkenblätter) unterstützt. Wie beim natürlichen Fieber hemmt die Hitze die Vermehrung der Viren und Bakterien und gibt den Abwehrzellen das Signal, aktiv zu werden. Zugleich erweitern sich die Gefäße, so dass das Blut als Träger der Lebenskraft und die Lymphe schneller und leichter den Infektionsherd umspülen können. Im Schweiß werden verschiedene Toxine, Harnsäure und andere Schlacken durch die Haut, die „dritte Niere“, ausgeschieden. Bei vielen Naturvölkern gilt Wärme als Zeichen der Anwesenheit, Kälte dagegen als Abwesenheit des lebenden Geistes im Körper. Schamanen gelten als Besitzer von „magischer Hitze“.
- Purgieren, Erbrechen und Abführen. Wenn Toxine und Krankheitsstoffe in den Körper gelangen, wird der Brechreflex, eine autonome Reaktion des vegetativen Nervensystems, aktiviert. Dieser Reflex hat auch eine starke psychosomatische, seelische Komponente. Nicht nur vergammelte Speisen oder der Gestank von Verwesung und Kot regen ihn an, sondern auch was man sonst so noch hinunterschluckt: Enttäuschung, Erniedrigung, Frust und Lügen. Auch diese sind unbekömmlich und krankmachend. In ihnen verbergen sich – nach schamanischer Sichtweise – bösartige Geistwesen. Sie müssen herausgekotzt werden. Die Anwendung von pflanzlichen Emetika und Abführmittel ist universal und die Liste solcher Mittel ist fast unerschöpflich.

Kaltwassergüsse nach Sebastian Kneipp haben eine immunologische Wirkung
- Hautreizung: Kaltwassergüsse, Moxibustion, Skarifikation. Einer der vielen Verdienste des Sebastian Kneipp ist es, die immunologische Wirkung von Hautreizen wiederentdeckt zu haben. Darauf beruht sein System von Kaltwassergüssen, Wickeln und Bädern. Aber nicht nur Wasser hat diese Wirkung, sondern auch Rutenschläge und die Anwendung von brennenden, scharfen Kräutern. Es ist noch gar nicht so lange her, dass man nach der langen düsteren Winterszeit Mensch und Vieh mit frisch ergrünten Birkenzweigen „quickte“, um die Lebenskraft anzuregen oder, dass man sich in jungen Brennnesseln wälzte. Senfpflaster oder ätzende Pflanzensäfte (u.a. Hahnenfuß-, Bleiwurzarten) wurden eingesetzt um das Blut zur Hautoberfläche zu bringen und Durchblutung anzuregen. Eine noch stärkere und gezielter eingesetzte Form der hyperämisierenden Hautreizung ist die Moxibustion, das Abbrennen eines Kügelchens Beifußkrautes auf bestimmten Körperpunkten, wie es in Ostasien praktiziert wird. Die Waldlandindianer benutzten zum ähnlichen Zweck glimmendes Holundermark. Anderswo, etwa in Afrika, wurde die Haut geritzt (Skarifikation), um Heilsubstanzen einzubringen, Ödeme zu entlasten oder um „böse Geister“ oder magische Intrusionen (z.B. Zauberpfeile) herauszubefördern.
- Heilpflanzen, Phythotherapie. Die Anwendung von Heilpflanzen verliert sich im Nebel der Frühgeschichte. Primatenforscher, wie Richard Wrangham, Jane Goodall oder Michel Huffmann berichten, dass man bei Schimpansen und andere Prähominiden von einer „rudimentären Kräutertradition“ sprechen kann. Archäologische Ausgrabungen von mittelpaläolithischen Bestattungen im irakischen Kurdistan, datiert auf ca. 60 000 Jahren, lassen auf ein ausgeprägtes Heilkräuterwissen bei den Neandertalern schließen. Pollenanalysen ergaben, dass die Verstorbenen auf blühende Kräuterbüschel gelegt wurden. 28 Pflanzenarten, die noch immer phytotherapeutisch genutzt werden, wurden identifiziert. Heilkräuteranwendung ist universal. Von den schätzungsweise 250 000 Pflanzenarten sind 80 000 volksmedizinisch dokumentiert worden. Trotz der weltweit vertriebenen Produkte der pharmazeutischen Industrie, nimmt – nach Schätzung der WHO – noch immer 80% der Menschheit, vor allem in Entwicklungsländern, die Heilkraft der Kräuter für sich in Anspruch.
- Schamanisieren. Bei traditionellen Völkern sind es die Frauen, vor allem die alten erfahrenen Großmütter, die sich um die Aufrechterhaltung der Gesundheit der Familien- und Sippenmitglieder kümmern. Wenn jedoch bei schwerwiegenden Erkrankungen ihre Behandlungen und ihr Kräuterwissen nicht ausreicht, dann übernehmen jene Spezialisten den Fall, die wir heute als „Schamanen“ bezeichnen. Schamanen oder Schamaninnen sind von den Ahnen oder Göttern berufene Meister der Ekstase und des Trance. Oft haben sie schwierige Einweihungen und lange, schwerwiegende Krankheiten hinter sich, die sie an oder über die Todesgrenze brachten. Sie kennen die Wege in die jenseitige Welt und kennen die Wesenheiten, die sich dort befinden. Für sie sind die Geistwesen, Dämonen oder die gekränkten Ahnen, die eine Krankheit oder Seuche verursachen, im Zustand des außergewöhnlichen Bewusstseins zugänglich. Nicht an den äußeren somatischen Symptomen doktern sie herum, sondern sie ringen mit den Wesenheiten, die sie mit dem „Auge der Seele“ und mit Hilfe von Familiaren, verbündeten Tieren und Schutzgeistern ausmachen. Sie räuchern, saugen oder trommeln die magischen Pfeile, die Dämonenwürmer oder andere Schädlinge aus dem Körper des Kranken heraus. Diese krankmachenden Entitäten werden dann – das war auch bei den keltischen, germanischen und slawischen Stämmen des vorchristlichen Europa der Fall – in einen Baum gebannt, in die Erde verbannt oder auch freundlich gestimmt. Wenn die schamanische Behandlung erfolgreich ist, dann wird der Patient mit Kräutern, Massage und anderen herkömmlichen Mitteln auskuriert, bis er wieder völlig hergestellt ist.
Die naturnahe Heilkunde der traditionellen Ethnien ist nie einseitig positivistisch. Krankheit hat, wie alles andere auch, einen äußeren empirischen, sowie einen inneren, transempirischen Aspekt. Letztere wird mit dem inneren Auge, dem Seelenauge, wahrgenommen. Auch die Heilpflanzen werden nicht nur als Behälter von Wirkstoffen oder bloßen Energien gesehen, sondern auch sie haben einen Geist, der im Zustand der Ekstase oder im Trance, hellsichtig wahrgenommen werden kann. Dieser Pflanzengeist wird demütig gebeten seine Kraft walten zu lassen und den Menschen zu helfen. Die heilende Natur ist also nie nur materiell, sie ist beseelt, bewusst und voller magischer Kraft.
All das ist auch Thema meiner Ausbildung in Ethnobotanik und Naturheilkunde 2025.
Tipp: Ausbildung - Nur noch ein Platz frei

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