Der Gundermann (Glechoma hederacea)

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Wer kennt ihn nicht, den kleinen blau-lila blühenden Lippenblütler, mit seinen herb balsamisch duftenden, nierenförmigen Blättern und kriechenden, sich immer neu bewurzelnden Ausläufern?

Der reiche Aberglaube um den Gundermann spricht dafür, dass die Pflanze schon seit ältester Zeit verwendet wird.

Botanik und Ökologie

Er fühlt sich wohl in der Nähe menschlicher Behausungen, am wohlsten am Zaun und unter der Hecke. In plattdeutschen Landen heißt er deswegen „Krupp-dörn-Tun“ (Kriech durch den Zaun) oder, in Oldenburg, „Jan-kiek-döörn Tun“ (Hans guck durch den Zaun). Die aromatische Pflanze ist recht vif. Wenn ihr der Standort nicht gefällt, macht sie lange Ausläufer, tastet immer wieder den Boden ab, ob sich das feste Anwurzeln lohnt. Wo es ihr gefällt, wächst sie zu einem kleinen Büschel und fängt an üppig zu blühen. Die Verbreitung ihrer Samen überlässt sie den Ameisen. 

Sprachforscher wissen nicht so recht, ob der Gundermann nach der Walküre Gunda, nach „gund“ (von „gan“ = gehen, kriechen) oder nach dem altgermanischen „Gund“ („Eiter“, „Eitergeschwür“) benannt wurde. Letzteres könnte wohl stimmen, da in der Volksmedizin die Gundelrebe zur Auswaschung von eitrigen Wunden verwendet wird. Auch ein Wundheilöl wird aus dem blühenden Kraut hergestellt. Mit starkem Gundermanntee wurden einst schmerzende eitrige Zähne gespült. Eine mittelalterliche Geschichte erzählt, dass beobachtet wurde, wie Petrus, als er mit Jesus über Wiesen und Felder wanderte, fürchterlich vor sich her fluchte. Er litt nämlich an heftigen Zahnschmerzen. Da sprach der Heiland: „Da, nimm du drei Gundelreben, und lass sie in deinem Mund umschweben.“ Seither ist es eine gesegnete Pflanze.

Gundermann

Gundermann (Glechoma hederacea)

Die Gundelrebe spielte vor allem im Milchzauber eine wichtige Rolle. Sie wurde bei Euterentzündung magisch angewendet. Im bildhaften Denken des Landvolks war Eiter so etwas wie „verdorbene Milch“. Meist glaubte man, dass Verhexung vorliege, wenn die Milch nicht richtig fließt oder gar eitrig ist. Der große Gelehrte des 13. Jh., Albertus Magnus, gibt den Bauern folgenden Rat: « Wenn einer Kuh das Euter behext ist, so soll man drei Kränzlein von Gundelreben winden und einen jeden Strich dreimal hinten durch die Füße melken; danach der Kuh die drei Kränzlein dazu essen geben und dazu folgende  Worte sprechen: Kuh da geb ich dir Gundelreben, dass du mir die Milch wollst wiedergeben. Auch wenn die Kühe im Frühling zum ersten Mal auf die Weide getrieben werden, soll sie der Bauer durch einen Kranz aus Gundermann melken oder ihnen etwas von dem Kraut zu fressen geben, dann können die Hexen die Milch nicht rauben. Noch heute waschen die Bäuerinnen in Lettland das Milchgeschirr mit Gundermannbrühe aus, damit die Milch nicht so rasch sauer wird.

Hexenerkennen

Interessant ist, in diesem Zusammenhang, dass die Kelten und Germanen den Gundermann als Heilmittel bei Erkältung, Bronchitis und Lungenverschleimung, in fettiger Ziegenmilch kochten. Das ist ganz vernünftig, denn die ätherischen Öle, die schleimlösend und keimhemmend wirken, sind nicht wasserlöslich, sondern fettlöslich.

Die Gundelrebe spielte auch im Jahreszeitbrauchtum eine große Rolle. Wenn man zu Walpurgis einen Gundermannkranz trägt, dann kann man sämtliche Hexen erkennen. Das habe ich versucht und dabei den Eindruck gewonnen, dass das Tragen dieses Kranzes – in Verbindung mit einer meditativen Geisteshaltung – das Wahrnehmen von feinstofflichen Entitäten, insbesondere von Gnomen und Erdwichteln, erleichtert. Die „Signatur“ der Pflanze deutet das schon an. Im Gegensatz zu anderen Minzen strebt die Gundelrebe nicht kerzengerade in die Höhe, sondern sie verbindet sich kriechend immer wieder mit dem Erdboden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum man sich beim Tanz zur Mittsommerzeit einen Gundelrebenkranz um den Kopf wand. Vielleicht hilft das Kraut, dass der ekstatische Tänzer nicht „wegfliegt“, sondern mit der Erde verbunden bleibt.

Literaturtipp "Die Unkräuter in meinem Garten"

Anhand der kurzen Beschreibungen einiger ausgewählter einheimischer Garten- und Ackerbegleitpflanzen werden wir erkennen, dass die sogenannten »Unkräuter« eine wichtige ökologische wie auch kulturelle Rolle spielen. Wir sollten uns Zeit nehmen, sie besser kennenzulernen. Wenn wir unsere Sinne und Herzen öffnen, werden sie uns neue Dimensionen unseres Seins offenbaren. Und umgekehrt sind unser bewusstes Interesse und unsere Bewunderung eine Kraft, die der Natur zugutekommt.

Noch immer ist das Kraut, als Aufguss – 1 Tl. Pro Tasse, 3X an Tag –, ein gutes Mittel bei Schleimhautentzündung, Stoffwechselstörung, Reizungen des Harntrakts, Schnupfen und Rachenkatarrh. Nach neueren Forschungen wirkt es positiv bei viralen Infektionen, etwa der Sommergrippe, da es die Coxsackien (C-Viren) hemmt. Bei einer Reizblase wirkt der Tee ebenfalls entzündungshemmend, harntreibend und reizmildernd. Als Badezusatz kräftigt Gundermann die Muskeln, Gelenke und Nerven, ist gut für die Haut und hilfreich bei Rheuma und anderen Gliederschmerzen. Der frische Saft ins Ohr geträufelt soll Ohrenschmerzen und Tinnitus lindern.

Rezept: Frühlingskräutersuppe nach Alexander von Humboldt

Jeden Frühling ließ sich der große Naturforscher eine Kräutersuppe aus frisch gepflückten Wildkräutern bereiten. Die grüne Suppe regt den Stoffwechsel an und vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit. Auch uns würde dieses Geschenk der erwachenden Natur gut tun:

Man sammle jeweils zwei Handvoll (pro Person) folgende Kräuter: Gundermann, Schafgarbenblätter, Gänseblümchen, Brunnenkresse, Kerbelblätter, Brennnessel, und Spitzwegerich. Diese werden ganz fein geschnitten, in kaltem Wasser angesetzt und zum Aufkochen gebracht. Die Suppe wird mit, in Butter leicht gebräuntem Mehl angerichtet und dann mit gerösteten Schwarzbrotcroutons und gehacktem Schnittlauch serviert.

 

    

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Diskussion

Kommentar

  1. In meinem Garten beherrscht die lila Blüte der Gundelrebe das Grün meines Rasens. Um diese Zeit schwirren auf meiner “lila Wiese” zahlreiche Wildbienen und andere Insekten, die sich gerne der Blüten bedienen.
    Hexenkranz habe ich noch keinen geflochten – aber an den herb-würzigen Geschmack habe ich mich gewöhnt und ich empfinde diesen als Bereicherung in meinen Frühlingssalaten. Wenn das nun auch noch der Gesundheit dient hab ich dreierlei Nutzen aus dieser Pflanze gezogen, der ich sooo lange ungeachtet und eher missmutig begegnet bin. Danke für die Aufklärung, lieber Herr Storl.


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