Mein neues Buch über eine Zeit des Aufbruchs
- 14. August 2023
Den „Bauernphilosophen“ Arthur Hermes habe ich in meinen Büchern immer wieder mal erwähnt. Im Leben hat man mehrere Lehrmeister oder Gurus, die man verehrt und die einem das Rüstzeug geben, das man für das Leben braucht. Arthur Hermes war für mich einer von ihnen. Oft haben mich Leser gefragt, etwas mehr über diesen „alten Weisen“, der in einer Waldlichtung im Schweizer Jura lebte, zu erzählen.
„Manches Gute und Nützliche wird Vom Sandwehen des Tages zugedeckt, kommt aber, wie Bernstein doch wieder einmal zum Vorschein. .“
– Goethe
Erinnerungen an einen Pionier der biodynamischen Landwirtschaft
Die Naturverbundenheit dieses Landmannes, der anscheinend mit seinen Kühen telepathisch kommunizieren konnte, beeindruckten mich. Das war etwas anderes als die seelisch kalte, „objektive“ Angangsweise der experimentalen Wissenschaft, die mir in der Schule und an der Universität begegnet war. Über sein bewegtes Leben und seine Einsichten – die er oft in ein anthroposophisches Vokabular einkleidete – will ich hier erzählen.
Immer wieder taucht in meinen Büchern eine mysteriöse Gestalt auf – Arthur Hermes.
Obwohl es zeitlich gar nicht so lange her ist, ist die bäuerliche Lebensweise für uns moderne Menschen recht fern und schwindet rapide aus unserem Bewusstsein. Zurzeit erleben wir ein Bauernsterben. In der Schweiz werden, seit den letzten zehn Jahren, jährlich 1000 Höfe dichtgemacht; das sind 3 pro Tag. In Deutschland gab es 1950 noch anderthalb Millionen bäuerliche Betriebe, heute sind es noch 260,000. In den USA gab es in den 50er Jahren noch 7 Millionen Familienfarms; nur 250,000 sind übriggeblieben, davon entweder riesige, managergeführte Agrargroßbetriebe oder kleine Wochenend-Farms.
Hermes lebte auf einem “Druidenhügel” mit mystischer Landschaft
Das Bauernsterben
Als Junge konnte ich erleben, wie im ländlichen Ohio, wo ich aufwuchs, eine Farm nach der anderen verlassen wurde; die einst stattlichen Höfe verfielen oder wurden abgerissen. Get big or get out („Vergrößert euch oder verschwindet“) war die Botschaft des US-Landwirtschaftsministeriums an die Farmer. Heute kaufen internationale Großkonzerne, „Heuschrecken“ (internationale Finanzinvestoren) und Länder wie China und Saudi-Arabien weltweit Millionen von Hektar Ackerflächen.
Nur als Beispiel: Drei internationale Konzerne – Cargill, DuPont und Monsanto – besitzen inzwischen die Hälfte der fruchtbaren Schwarzböden-Ackerflächen der Ukraine; im Jahr 2015 kaufte China eine halbe Millionen Hektar Bauernland in Norddeutschland. Und Bill Gates, der ins Geschäft der Saaatgutproduktion, genetisch veränderten Pflanzen und Tieren und synthetischen Lebensmitteln groß eingestiegen ist, ist inzwischen der größte Eigentümer von Farmland in den USA; er besitzt rund 100,000 Hektar (242, 000 Acres).
Ein guter Garten resultiert aus einem perfekten Zusammenspiel von Pflanzen und Mensch
Man mag dazu stehen, wie man will: Manche sehen darin den Fortschritt, ein Reset, der uns in ein goldenes Zeitalter führen wird. Andere dagegen erkennen in diesen Entwicklungen eine Gefahr für die Menschen und die Natur.
Lehren einer herausragenden Persönlichkeit
Auf jeden Fall lebte Arthur Hermes, der „alte Weise“ vom Waadtländer Jura, in der altüberlieferten bäuerlichen Welt, die heute immer mehr in Vergessenheit gerät. Er verkörperte diese geradezu. Er stemmte sich zeitlebens gegen das, was er auf die Menschheit und auf die Natur zukommen sah. Er setzte sich ein für eine naturfreundliche, biologische Landwirtschaft.
Es war wegen seines tiefgründigen bäuerlichen Wissens, dass Schweizer Bauern ihn in die Schweiz einluden. Und da er Praktiker und nicht nur Theoretiker war, vermochte er alteingesessene Hofbesitzer von der biodynamischen Landwirtschaft zu überzeugen. Um die 60 Bauern und Bäuerinnen folgten damals in den 50er Jahren seinen Lehren; viele der heutigen Demeter-Betriebe gehen darauf zurück. Inzwischen gibt es in der Schweiz 6400 Bauernhöfe, die biologisch wirtschaften – nicht unbedingt alle biodynamisch – und es werden immer mehr. Diese Entwicklung ist zum Teil, dem fast vergessenen Pionier Arthur Hermes zu verdanken. In diesem Buch wollen wir in seine Welt eintauchen.
Das neue Buch Der Weise vom Mont Aubert
Ein Buch über eine Zeit des Aufbruchs und eine herausragende Persönlichkeit, die für mein Leben prägend war.
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