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Mit Ritualen eine Seelenverbindung finden

Im Namen der wissenschaftlichen Rationalität verwarfen die Philosophen der Aufklärung viele alte, sogenannte abergläubische Verhaltenswesen. Sie versuchten die Welt von Irrationalitäten und Zauberhandlungen zu befreien. Ihr Bemühen hatte teilweise Erfolg: Sie hinterließen eine seelisch erkaltete, entmythologisierte Welt, in der die Natur zum Gegenstand – also etwas was uns entgegensteht – degradiert wurde, zum Objekt, das es zu vermessen und zu analysieren galt.

 Die Götter, Elfen, Zwerge und Naturgeister, die ein Ausdruck der Beseeltheit der Natur sind, verschwanden. Mit dem Feuer und dem Wasser, den Bäumen und Bergen konnte man nicht mehr reden. Der (westliche) Mensch wurde einsam und verlor seine Heimat. Man wähnte sich den „Primitiven“, den Naturvölkern, die noch an so etwas glaubten, überlegen.

Inzwischen aber merken wir, dass uns etwas fehlt. Schamanen und Medizinleute der Indianer und Sibirier, die indischen Sadhus und die Weisen der Naturvölker sagen uns, dass Erde und Himmel, und alles was dazwischen ist, beseelt, durchgeistigt und ansprechbar ist, dass man mit Tieren, Pflanzen und sogar den Steinen Zwiesprache halten, Segen und Eingebungen erfahren kann.

Nauturrituale helfen uns zurück zu der Natur zu finden

Wie macht man das? Erstens durch Innehalten, aus dem schnell fahrenden Zug der Zeit und aus der Enge des Alltags aussteigen. Und dann, schauen und lauschen. Aber wie kann man das tun? Die noch mit der Natur und ihrem Wesen verbundenen Menschen sagen es uns, dass Naturrituale uns dabei helfen können!

  1. Wiederholender Gesang (Mantra, chanting), der vorübergehend die rastlose mentale Denkaktivität zur Ruhe bringt.
  2. Räuchern mit natürlichen Pflanzensubstanzen. Beifuß, Wachholder und Mariengras, gehören zu den ältesten Räuchereien der nördlichen Halbkugel. Das Räuchern wirkt auf das limbische System, heißt es, wo die Urinstinkte verankert sind.
  3. Das Zünden von Feuer und das Gießen von Wasser. Feuer und Wasser, die beiden entgegengesetzten Urelemente – das Heiße und das Kühle, das Männliche und das Weibliche – aus denen nach alter euro-asiatischer Überlieferung die Schöpfung entstanden ist.
  4. Ein geeigneter Ort in freier Natur: Ein Fels, eine Quelle oder ein alter Baum. Der Baum wird während des Rituals zum Weltenbaum, zum Mittelpfeiler des Universums; seine Wurzeln reichen in die Tiefen bis zum Reich der Frau Holle, und seine Äste berühren den Himmel – es ist die senkrechte (magische) Dimension des Seins.
  5. Umwandlung des Baumes oder des sakralen Orts muss immer sonnenläufig, also im Uhrzeigersinn geschehen.
  6. Ein Stein – Indianer nennen ihn „Großvater Stein“ – am Fuße des Baumes ist ein Fokus des Handelns. Wasser kann feierlich über den Stein gegossen werden (ähnlich wie beim Shiva-Lingam) und blutrotes Ocker-Pulver (Eisenoxydrot) kann darauf gestreut werden. Ocker wurde schon seit den Neandertalern in sakralen Handlungen verwendet.
  7. Das Ritual hat seine eigene Zeit. Oft sind es die Geister selber, die einem sagen, die ein Zeichen geben, wenn die Zeit vorüber ist: Ein Milan schwebt vorüber, ein Rabenpaar krächzt, ein Hund bellt plötzlich – oder wenn man in der Wildnis ist – ein Wolf heult in der Nähe.
     

Mit einer Technik, die diese Elemente beinhaltet, kann man Schritt für Schritt aus dem Bewusstseinsmodus des Alltags aussteigen und das Tor zur Wahrnehmung verborgener Dimensionen öffnen. Die Naturgeister antworten, indem plötzlich ein Wind aufkommt oder sich ein wildes Tier zeigt.

Literaturtipp "Naturrituale"

Eine Puja ist eine archaische, schamanische »Technik«, die einen sakralen Raum schafft, in dem sich die Seele der Natur manifestieren kann. Da ich immer wieder nach Sinn und Bedeutung des Puja-Rituals und nach der Art und Weise seiner Durchführung gefragt werde, habe ich das Buch “Naturrituale” geschrieben.

Auf Wunsch mit persönlicher Signatur.

Naturrituale 3D Cover

Mit Ritualen aus dem Bewusstseinsmodus des Alltages austeigen

Im Alltag rauschen wir durchs Leben wie auf einer Autobahn. Die Feinheiten der Pflanzen und Tiere, die Käfer und bunten Schmetterlinge können wir so nicht wahrnehmen. Wenn wir sie sehen wollen, dann müssen wir runterschalten und anhalten. Man kann sich ein Ritual ungefähr so vorstellen: Es ist eine Methode um herunterzuschalten und anzuhalten, um auf diese Weise in Resonanz mit dem Geistern der Natur und unserer Mitwelt zu kommen.

Bei einem richtig durchgeführten Ritual merken wir, dass sich unser Bewusstsein verändert, öffnet und erweitert.

Rituale werden veranstaltet, um sich in Einklang zu bringen mit dem Sein. Das Wort Ritual (lat. ritus) ist verwandt mit dem Sanskrit Rita („kosmische Ordnung“, „Wahrheit“); die deutschen Wörter, richtig, gerecht, das Recht, aufrecht und rechtschaffen gehören zu dieser Wortgruppe.

Rituale sollten nicht gemacht werden, um etwas zu bekommen oder um Geister zu beschwören. Man kann das zwar tun, aber es kann auch Unglück anziehen oder Schaden bringen. Der Cheyenne Medizinmann Elkshoulder sagte mir: „Rituale bewirken immer etwas in der spirituellen Welt. Wenn sie nicht rein sind, dann kommen sie auf denjenigen zurück, der sie veranstaltet; dessen Pferde können sterben oder die Kinder werden krank.“

Also, nicht vergessen: Rituale sind da um dem Universum zu danken, um die Seele mit dem Göttlichen in der Natur zu verbinden, um sich in Einklang mit der kosmischen Ordnung (und unserem wahren Selbst) zu bringen!

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