Dreikönig beschließt die Raunächte
- 5. Januar 2026
Mit dem 6. Januar gehen die zwölf heiligen Weihnachtstage, die Raunächte, zu Ende.
Der arbeitsreiche Alltag ist im Begriff, wieder einzukehren. Man spürt, dass allmählich das Licht wieder zunimmt:
Weihnacht‘ um einen Muggenschritt, Neujahr um einen Hahnentritt, Dreikönig um einen Hirschensprung, Lichtmess um eine ganze Stund.
Segensspruch mit weißer Kreide
An diesem letzten Feiertag sind die Sternsinger – Jugendliche, verkleidet als die drei Könige aus dem Morgenland – von Haus zu Haus unterwegs, um ein jedes mit einem Ständchen oder Spruch zu segnen und mit weißer Kreide die Buchstaben C+M+B, eingerahmt mit der Jahreszahl, über den Türbalken zu zeichnen.
Offiziell, so die Kirche, sollen die Buchstaben für den lateinischen Segensspruch, Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus), stehen, aber für die meisten Gläubigen benennen die Buchstaben die drei Weisen aus dem Morgenland, Caspar, Melchior und Balthasar.
Die drei Könige gehören inzwischen, neben Maria, dem heiligen Christophorus und Franz von Assisi, zu den beliebtesten Gestalten der Volksfrömmigkeit.
Ihre Namen bekamen die drei orientalischen Könige erst im 8. Jahrhundert, vorher wusste niemand, wie sie eigentlich hießen.
Dreikönig und das Geheimnis des Wassers
Selbstverständlich kennt man den Tag der Heiligen Drei Könige oder der Weisen aus dem Morgenland in den protestantisch geprägten Ländern; aber offiziell heißt der sechste Tag im Januar in der evangelischen Kirche Epiphanie. Die Bezeichnung kommt vom griechischen Epiphania und bedeutet »Erscheinung«. Sie bezieht sich auf die Erscheinung oder Selbstoffenbarung Gottes in Gestalt des Christkindes. Am Heiligen Abend, bei seiner Geburt – so die Theologen – trat er in die physische Welt ein und erschien als sterblicher Mensch; erst bei der Taufe im Jordan offenbarte er seine Göttlichkeit.
Der sechste Januar wurde also lange, bis ins frühe Mittelalter, als Tauffest gefeiert, und im orthodoxen Christentum ist es immer noch so.
Wegen dieser Taufe ist der Tag auch ein Fest des Wassers.
Um Mitternacht – ebenso wie in der Osternacht – wird »Dreikönigswasser« aus einer lauteren Quelle geschöpft. Dieses Wasser verdirbt angeblich nicht und hat große Heilkraft. An diesem Tag wird vielerorts auch das Tauf- und Weihwasser geweiht.
Auszug aus: Die Magie der Sonnenwenden
Das Wissen um unseren Ursprung verblasst in der schnelllebigen modernen Zeit. Daher nehme ich euch an die Hand und zeige unseren Ursprung in der Natur. Denn hinter unserer scheinbar so starren Kultur liegt der natürliche Rhythmus des Jahreskreises und seine Pflanzen.
In slawischen Ländern wie Serbien und Russland ist es segensreich, wenn man an dem Tag ins eiskalte Wasser eines Sees oder Flusses taucht. In Bulgarien wirft ein Priester ein goldenes Kreuz ins Wasser und junge Männer – auch einige mutige Frauen – tauchen danach. Nebenbei kann man sagen, der Segen liegt auch darin, dass das Eistauchen einen wohltuenden, somatischen Schock erzeugt, was die Abwehrkräfte stärkt.
Das erste Wunder
An diesem Tag gedenkt die Kirche auch des ersten Wunders Jesu, nämlich der Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kana (Johannes 2, 1-12). Auf diese Weise lässt der zum Heiland bestimmte Menschensohn seine Göttlichkeit sichtbar werden.
Bei dieser Geschichte erkennt man, dass Epiphanie viele Wurzeln in der heidnischen Antike hat. Denn auch der damals beliebte Gott des Weines, der ekstatischen Frauen (Mänaden), des Rausches, der orgiastischen Fruchtbarkeit, namentlich der wilde Dionysos, den die Römer Bacchus nannten, verwandelte Wasser in Wein. Ähnlich wie bei Jesus, war seine Mutter eine Sterbliche, sein Vater der Gottvater Zeus. Er wurde von vielen, etwa den Orphikern, als Erlöser verehrt. Und der vergorene Rebensaft war sein Kultgetränk. Auch glaubten manche, er sei ebenfalls am 25. Dezember geboren. Der Dionysos-Kult war also ein ernstzunehmender Rivale des frühen Christentums, deswegen scheute sich die Kirche nicht, dionysische Elemente in die eigene Doktrin zu übernehmen.
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