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Der Garten in der Mitte

Erdreich

Erdreich (althochdeutsch erdrihhi; angelsächsisch erthriki; altnordisch jarthriki) – so nannten unsere  heidnischen Vorfahren die Wohnstätte der Menschen. Dieses Erdreich war zugleich die Heimat aller atmenden beseelten Wesen, der Tiere, der Vögel, der Fische, auch der Kräuter und Bäume, Moose und Farne, der Flüsse und Seen, der Wolken und Winde – kurz, alles das, was wir heute Natur nennen.

Auch Midgard (altsächsisch middilgard; althochdeutsch mittelgart), »der  Garten in der Mitte«, »der mittlere, eingefriedete Raum« und Mittelerde (altenglisch middelerthe) sind weitere Begriffe, die einst unsere irdische Heimstätte  bezeichneten. J.R.R. Tolkien hat übrigens in seinem Buch »Der Herr der Ringe« die  Bezeichnung Mittelerde wieder aufgegriffen.

Die Natur, Midgard, ist das Ergebnis eines göttlichen Uropfers. Deswegen ist die Erde heilig. Einst, am Anfang der Zeit, zerstückelten die Götter den Riesen Ymir, das erste Wesen, das sich aus dem Urnebel herausformte, und schufen aus seinem Leib unsere Welt: aus seinem Fleisch die Erde, aus seinen Knochen das Gestein, aus seinem Blut das Meer, die Seen und Flüsse, aus seinem Haar die Pflanzenwelt, aus der grauen Hirnmasse die Wolken und die Gedanken, die diese tragen.

Midgard befindet sich in der Mitte zwischen Himmel und Unterwelt. Jenseits davon, jenseits der  Meere, die den Erdkreis umspülen, befindet sich Utgard, die unwirtliche, öde, wilde Außenwelt,  die von urgewaltigen Riesen und Trollen bewohnt ist. Diese Unholde sind oft den Menschen und Göttern feindlich gesinnt. Über Mittelerde wölbt sich der weite Himmel, wo die Asen, die Lichtgötter, ihre Reiche haben. Der Regenbogen ist die Brücke nach Asgard, dem Wohnort der Götter. Jeder Gott hat da seine Halle oder seinen Bereich. Unterhalb von Midgard befinden sich weitere Welten, wie das düstere Nebelheim (Niflheim), in denen sich die meisten Toten aufhalten, oder das Schwarzalbenheim, wo Alben und Zwerge wohnen. Im Ganzen erkannten die Seher und Seherinnen neun Welten
unterhalb und oberhalb von dem Garten in der Mitte:

„Weiß neun Heime, neun Weltreiche, des hehren Weltbaums Wurzeltiefen.“

Literaturtipp

Das Buch, Streifzüge am Rande Midgards, ist mein persönlicher Blick über den Rand der alltäglichen Wirklichkeit.

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  1. Auf unserem Grundstück wächst (lt. Großmutter) seit 100 Jahren an der selben Stelle Waldmeister, Buchen und Eichen dagegen nicht. Rund um das Biotop haben die Laubbäume über die Jahre gewechselt von Kirschbäumen zu Eschen und Ulmen mit Flieder und Holunder- dem Waldmeister gehts unverändert gut 🙂


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