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Wolf-Dieter Storl

Liebe Freunde,

Herbst – aus dem altgermanischen harbista (engl. harvest) – bedeutet Erntezeit: Äpfel und Birnen hängen reifend an den Bäumen, Kohlköpfe sind dick und rund, und das Wurzelgemüse kann im Wettlauf mit den Wühlmäusen aus dem Boden gegraben werden.
Die Sonne verliert an Kraft, sie sinkt in die niederen Tierkreiszeichen, es wird nebelig, trüb, kühl und von  Tag zu Tag dunkler. 
Gut zu wissen, dass es mal eine Sonnenwende geben wird. Wenn man diese Gewissheit nicht hätte, würden sicherlich Idioten Computer-Projektionen aufstellen, die mit Zahlenkolumnen beweisen würden, dass es messbar immer kälter wird und wenn es so weiter geht, dann würden wir in Eis erstarren und das Leben zum Stillstand kommen! – es sei denn, wir würden genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um die Welt global in Brand zu stecken, um damit dem drohenden Kältetod entgegenzuwirken.
Zum Glück aber können wir uns an die Vergangenheit erinnern, um die Zukunft – das auf uns zukommende – zu erkennen.

Im Herbst zieht sich die Lebenskraft – die mit der Sonne verbundenen ätherischen Bildekräfte –  zurück. Kräuter welken, Laub verfärbt sich wie verblühte Blumen, fällt zu Boden und wird von Pilzen und Kleinlebewesen verdaut. Der Abbau ist voll in Gang. Für die Pilze ist es die hohe Zeit; sie heben ihre bunten Fruchtkörper über den modrigen Boden empor und entlassen die Sporen zum Hochzeitsflug.
Auch für die Pilzsammler ist es eine hohe Zeit. Und bei meinen Streifzügen finde ich allerlei Leckerbissen, die in Topf und Pfanne landen: Fichtenreizker, Maronen, Rotfußröhrling, Großer Schirmling, Flaschenbovist – das sind die Gesellen, die ich am 1. Oktober, zu meinem Geburtstag, auf meinen Streifzügen finden konnte. Schade dass der „Pilz-Peter“ (Peter Ulbrich) nicht dabei sein konnte, der kennt nämlich jeden Pilz.

In wenigen Tagen fliege ich nach Nepal, der Einladung Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling folgend, um am Schamanentreffen „Tiger trifft Jaguar“ teilzunehmen. Ein beachtenswertes ethnologisches Experiment: Nepalesische Schamanen mit südamerikanischen zusammenzubringen! Ich habe die Nebenrolle, den Teilnehmern Shiva/Parvati-Geschichten zu erzählen und Pflanzenwanderungen zu machen. Nach diesen zwei Wochen, geht es nach Indien, wo Ingo Storl an einem Film arbeitet (Arbeitstitel: Mutter Ganges und Shivas Garten). Wir werden die heiligen Pflanzen Indiens im Kontext ihrer kulturellen Identität zeigen. Pflanzen sind ja nicht nur botanische Gegenstände, sondern in jahrtausend alter Interaktion mit den Menschen spielen sie im Kult, als Heilmittel, Nahrungsmittel oder als Symbole eine wesentliche Rolle. Wir werden zeigen, welchen Göttern sie geweiht sind und wie sie in Ritualen und Pujas verwendet werden. Von den Dreharbeiten werden wir wieder fleißig berichten, das könnt ihr dann auf meiner Homepage und auf Facebook sehen. Der Film sollte nächsten Mai erhältlich sein. Wir werden im Sommer 2013 eine Tour durch die Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz machen, um den Film vorzustellen.

Shiva Lingam

Anfang des Jahres wird es auch einige neue Bücher von mir geben. Mein erstes Buch, das in englischer Sprache erschienene Culture and Horticulture, wird, völlig überarbeitet und auf den neusten Stand gebracht, von North Atlantic Books (Berkeley, Kalifornien) veröffentlicht. Es befasst sich mit giftfreiem, biologischem Gartenbau, insbesondere der biodynamischen Methode. Eine ähnlicher, auf europäische Verhältnisse zugeschnittene Fassung des Buches ist schon in deutscher Sprache unter dem Titel Der Kosmos im Garten (AT-Verlag) erhältlich. Der GU-Verlag hat mich gebeten ein Buch über „Überlebens-Gärtnern“ (survival gardening) zu schreiben – also, wie man überleben könnte, wenn die Zivilisation zusammenbricht, die Supermarktregale leer sind, es keinen Sprit, Kunstdünger und dergleichen mehr gäbe, und wenn man mit einfachen Handwerkzeugen überleben müsste. Darin enthalten: Welche Gartenunkräuter und Heckenpflanzen man essen kann, wie man damit heilen kann; wie man einen Kompost richtig herstellt; was man bei Fruchtfolgen und Pflanzengemeinschaften beachten sollte, usw. Es soll zeigen wie man mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet.

Nicht genug damit. Im KOHA-Verlag wird im Frühling ein vollkommen anderes, neues Shiva-Buch erscheinen, dessen Titel voraussichtlich Wanderung zur Quelle – Geschichten von Shiva und Parvati lauten wird. Es ist eine Sammlung von Geschichten, Schwänken und Märchen von Shiva und Parvati, so wie sie in den Dörfern von Geschichtenerzählern erzählt werden. Wie ein roter, verbindender Faden zieht sich das Abenteuer eines amerikanischen Ethnologenpaares, die sich auf Feldforschung in Indien befinden, durch die Erzählungen hindurch. (Es ist – zugegeben – ein bisschen autobiographisch) Die beiden Wissenschaftler sind voreingenommen, etwas eingebildet, kritisch und unbewusst besserwisserisch auf dem Weg, ehe sie in Shivas Kochtopf landen, wo sie gar gekocht werden, ihr gewohntes Weltbild sich auflöst und ihr Leben sich vollkommen verwandelt. Ich hatte das Buch vor langer Zeit geschrieben, als ich noch völlig unbekannt war und kein Verleger sich dranwagte. Zufällig fanden wir das mit Reiseschreibmaschine auf billigem Papier getippte Manuskript unter einem Haufen anderer Papiere. Da es sich flüssig ließt haben wir es Konrad Halbig geschickt

Wandernde Pflanzen

Zur Erinnerung: Dieses Jahr erschien im AT-Verlag das Buch Wandernde Pflanzen: Neophyten, die stillen Eroberer – Ethnobotanik, Heilkunde und Anwendungen. Meine Hoffnung ist, dass das Buch dazu beiträgt, dass endlich Schluss gemacht wird mit der hysterischen Reaktion seitens „Gehölzrassisten und Unkrauthasser“ gegenüber den neuen Pflanzen, die bei uns wachsen. „Auch sie sind Kinder der Mutter Erde; auch sie verdienen Respekt!“ – so ein alter indianischer Medizinmann.

Die Seelenpflanzen des Edward Bach

Ich freue mich zu berichten, dass das Buch Die Seelenpflanzen von Edward Bach, das ich mit Mechthild Scheffer herausgegeben habe, wieder erhältlich ist. Es wurde bei Kamphausen verlegt. Die Neuausgabe ist schön illustriert und – zum Glück – nicht überteuert, wie die letzte Hardover-Ausgabe bei einem anderen Verlag. Wie das Buch ursprünglich zustande kam erzählt folgende Geschichte:

Wie die grünen Kräuter mir den Weg in die Gesellschaft ebneten

Wenn dann, kurz vor Wintereinbruch, der Garten abgeerntet ist und die Beete mit altem Stroh oder vergammeltem Heu zugedeckt sind, die Gemüse getrocknet oder im Wurzelkeller untergebracht sind, das Holz gesägt und trocken verstaut ist, dann ist es Zeit für mich zu Schreiben. So war es damals und so ist es noch heute.

Heute sitz ich zum Schreiben am PC. Damals musste ich mich zuerst auf den langen Weg in die Stadt machen, um mir einen Vorrat an schwarzen Farbbänderspulen und Schreibmaschinenpapier zu holen. Mit einer kleinen Reiseschreibmaschine, einer „Baby-Hermes“, die wir aus der Schweiz mitgebracht hatten, hämmerte ich die Buchstaben auf das Papier. Das Zimmer zum Schreiben konnte nicht beheizt werden. So kalt war es, dass man meistens den eigenen Atem sehen konnte. Also zog ich den langen Filzmantel aus dem tibetanischen Ladakh an und kochte mir einen Pott heißen Tee. Zusätzlich erhitzte ich auf dem Kochherd in der Küche eine Pfanne voller faustgroßer Steine und stellte die heiß strahlende Pfanne unter dem weiten Filzmantel. Die hochsteigende angenehme Wärme hielt lange an. Wenn dann die Steine wieder kalt geworden waren und der Tee längst ausgetrunken, ging es mir wie den Insekten im Spätherbst, die Finger wurden steif und ihre Bewegungen langsamer. Da war es Zeit sich zu strecken, die Steine wieder aufzuheizen und einen frischen heißen Tee zu brauen.

Edward Bach

Das Buch an dem ich arbeitete, hatte mit der Ethnobotanik jener Blütenpflanzen zu tun, die der Arzt Edward Bach zu Blüten-Essenzen verwendet hatte. Wie kommt man auf ein solches Thema? Nun, kurz nachdem wir nach Deutschland gekommen waren, lud mich eine esoterische Seminarorganisation ein, ein Kräuterseminar zu veranstalten. Ich wusste gar nicht was auf mich zukommt, da ich nur Seminare von der Universität her kannte. Da ließt jemand Themenpapier vor, es wird heftig diskutiert und gestritten, um dann anschließend mit dem Professor und Assistenten in eine verrauchte Studentenbeiz zu gehen, um das ganze kräftig zu begießen. Dieses „Seminar“ war anders; ich wurde gebeten vorne auf einem Bhagwan-Thron Platz zu nehmen; ein riesiger tibetanischer Gong kündete den Beginn an. Das war mir zu bunt, da ging ich lieber gleich mit der Gruppe hinaus ins Grüne, um mit ihnen in die Pflanzenwelt einzutauchen.

Eine Frau war dabei, die sich als Mechthild Scheffer vorstellte. Ich hatte keine Ahnung wer sie war, wusste nicht dass sie eine international bekannte Fachautorität für Therapie mit Blütenessenzen war. Sie fragte mich, ob ich die Bach-Blüten-Essenzen kenne? Sie sei sozusagen zuständig für diese Heilmittel im deutschsprachigen Raum und würde gerne mehr über die Botanik und ethnobotanische Anwendung dieser Pflanzen wissen. Ob wir nicht diesbezüglich zusammenarbeiten könnten?

Nun, ja, ich hatte von den Blütenessenzen gehört. Da wird eine Blüte in eine Schale mit Wasser gelegt und dann in die Sonne gestellt. Auf diese Weise soll die „Information“ von der Blüte an das Wasser übertragen werden. Das Blütenwasser wird dann homöopathisch verdünnt und tropfenweise dem Patienten gegeben, um seelische Disharmonien, die zu körperlichen Krankheiten führen können, wieder in Lot zu bringen. Ehrlich gesagt, ich hielt nicht viel davon, ich war schließlich als Naturwissenschaftler geschult worden und dieses kam mir wie esoterische Spinnerei vor. Ich sagte das Mechthild aber nicht, sondern sagte zu. Ich nahm es als einen Fingerzeig der geistigen Führung, denn mir war noch nicht klar, was meine Aufgabe in Europa sein sollte.

Also, ohne weiteren Kontakt mit Mechthild aufzunehmen, machte ich mich im Winter an die Arbeit. Eine Bibliothek stand mir nicht zur Verfügung, also zog ich mir vieles aus dem Gedächtnis hervor und aus der Meditation. Wenn ich genaue Daten brauchte, nahm ich den mühsamen Weg, den Berg hinunter, auf mich und ging in die Stadtbücherei. Das war aufwendig und kostete Zeit. Ein Auto hatten wir nicht.

Die Seelenpflanzen des Edward Bach - Alte Ausgabe

Auf den Schreibtisch hatte ich mir ein Foto von Edward Bach gestellt und ich hatte das Gefühl, als ob er mir irgendwie Inspirationen zukommen ließ, als ob er sagte, „Beschreibe die Pflanzen in der Reihenfolge, in der ich sie gefunden habe und du wirst den tieferen Sinn erfahren“. So war es auch. Es war als ob Edward Bach seinen Lebens- und Initiationsweg in Form von Blüten beschrieb. In den Sommermonaten suchte und fand ich die meisten der Blumen, die dieser ungewöhnliche Arzt für seine Elixiere verwendete. Ich vertiefte mich in die schönen Pflanzen, betrachtete sie sorgfältig und meditierte mit ihnen.

Nach anderthalb Jahren war das Manuskript, „Die Seelenpflanzen des Edward Bach“, fertig. Ich schickte es Mechthild. Sie rief an und sagte, sie sei von dem Werk begeistert und wir sollten es unbedingt an einen großen Verlag bringen. Dann fügte sie etwas verlegen hinzu, „Ich muss gestehen, Wolf, ich habe gar nicht damit gerechnet; ich hatte gedacht, du bist so ein ausgehalfterter Junkie.“ Das konnte ich gut verstehen, denn ich hatte damals, als ich ihr begegnete, gerade eine Gelbsucht hinter mir und war recht dünn und ausgemergelt, hatte lange Haare und, was die Kleidung betrifft, nun ja, das war nicht gerade von modischer Eleganz.

Mechthild arrangierte ein Treffen in München mit dem Verlagsleiter eines der größten Verlage Deutschlands. Das stellte für mich ein Problem dar: Wir konnten uns kaum die Fahrkarte für den Zug in die bayrische Hauptstadt zu leisten. Mein Gegenvorschlag war, dass wir uns genau so gut in unserem Haus auf dem Berg treffen könnten. Das wurde vom Verleger wie auch von Mechthild gerne angenommen. Es bot für sie die Gelegenheit mal aus dem eigenen Büro herauszukommen und einen Ausflug zu machen.

Im Wohnzimmer stand eine lange Tafel, die der Fürst, der Besitzer des Hofes, da abgestellt hatte, und entlang der Wand, befand sich eine Holzbank. Also Sitzmöglichkeiten waren vorhanden. Einzig, was sollten wir dem Besuch zu Essen und zu Trinken anbieten? Sie kamen ja über Mittag. Wir hatten kein richtiges Geschirr und Besteck, nur bunt zusammengewürfelte Teller vom Flohmarkt oder solche die jemand uns geschenkt hatte. Auch Fleisch konnten wir uns unmöglich leisten. Wir borgten etwas Geld, um eine einfache Geschirrgarnitur zu kaufen. Dann überlegten wir, was man kochen könnte. Ich hatte meine Bedenken, denn dieser Besuch war sicherlich feinste Küche gewohnt.

Es war gerade Frühling, draußen wuchsen saftige Wildkräuter. An dem Morgen sammelten wir das frische Grünzeug. Als Appetitanreger kochte meine Frau eine Bärlauch-Suppe. Dazu gab es Wildkräutersalat aus zartem Giersch, Löwenzahn, Wasserkresse, Schafgarbenblättchen, Vogelmiere, Wegerich und alles, was man sonst so zu der Jahreszeit so findet. Gänseblümchen, blaue Gundermann-Blüten und einige gelbe Himmelsschlüsselblüten garnierten den Salat. Als Hauptspeise folgte Brennnesselspinat mit Ei und Kartoffelpuffer. Dazu gab es einen würzigen Kräutertee. Die Gäste, der Verlagsleiter und seine Sekretärin, sowie Mechthild langten kräftig zu. An ihren Gesichtern konnte man ablesen, dass es ihnen außerordentlich gut schmeckte. Es bestand kein Zweifel, sie würden das Buch veröffentlichen und die mächtige Werbemaschinerie, die einem großen Verlag zur Verfügung steht, in Gang setzen. Sie löffelten das Buch förmlich in sich hinein.

Das Buch wurde dann auch zum Erfolg. Mechthild übernahm die Aufgabe, es mit hervorragendem Bildmaterial zu illustrieren. Als anerkannte Bestsellerautorin stellte sie ihren Namen als Ko-Autorin mit zur Verfügung, denn wenn es nur unter meinen völlig unbekannten Namen erschienen wäre, dann wäre es bestimmt ein Flop geworden. Ich bin Mechthild für diese Chance, die sie mir gegeben hatte, sehr dankbar. Das Buch war für mich der Eintritt in den Club der Schriftsteller. Durch Mechthilds Anregung kam ich auch dem Wesen der Blüten näher; ich konnte erkennen wie sich die Pflanzenseele am deutlichsten in der Blüte manifestiert und warum Blumen unsere menschliche Seele berühren und heilen können. Selbstverständlich bin ich auch den frischen, grünen Frühlingskräutern dankbar, denn sie hatten mir damals die Tür zu einem neuen Lebensabschnitt geöffnet.

Angelika Eppig - Heilpraxis

PS. Es sind schon einige Jahre her, da ritt ich mein Pferd Fallada hinaus auf die grüne Frühlingswiese. Im Stall wieherte ihre Schwester, die auch mit wollte. Fallada war aufgeregt, nervös, aber ich hatte sie gut im Griff. Plötzlich schoss ein Mountain-Biker um die Ecke. Fallada kriegte Panik, raste los und buckelte. Ich hätte abspringen sollen, aber irgendwie war ich in einem Rodeo-Film riding Bronco, und ehe ich mich versah flog ich im hohen Bogen und landete auf dem Rücken auf dem Boden. Zum Glück war der Boden nass und weich. Dennoch hatte ich eine Nierenprellung und wenn ich pinkelte, war der Harn rot. Am nächsten Tag sollte ich nach La Palma in den Kanaren fliegen, wo ich ein Seminar hatte. In La Palma kannte ich Angelika Eppig, die eine Heilpraxis betreibt. Sie gab mir homöopathische Bellis perennis-Globuli, das ist Gänseblümchen. Meine Schmerzen und das Blutharnen verschwanden wie durch ein Wunder. Nach vielen Jahren in La Palma, ist Angelika nun nach Deutschland zurückgekehrt. Die begabte Heilerin hat nun eine Praxis in Kleinostheim am Main. Sie ist wirklich heilerisch begabt, deswegen vermittle ich euch gerne ihre Webseite: www.heilpraxis-eppig.com

Auf einen schönen Hebst und Winter,
in Liebe,

Euer Wolf-Dieter

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