Zurück zu den Wurzeln

Die Spiritualität der ersten Menschen

Über die Vorstellungen und das Verständnis der Welt der ersten Menschen können wir Schlüsse ziehen aus dem, wie die Naturmenschen, also die naturnahen Völker es erleben. Die letzten Jäger und Sammler. Sie sind so nah mit dem Naturgeschehen verwoben, dass sie die tieferen Resonanzen spüren. Sie sind nicht so abgekapselt. Wir sind so abstrakt geworden, da würde ich gern mal ein Beispiel erzählen.

Früher wurden sämtliche Kinder dem Stamm der Cheyenne weggenommen von den Regierungsbehörden, das war gang und gebe. Denn sie galten als primitiv und mussten zivilisiert werden, damit sie teilhaben konnten an dem wunderbaren „Way of Life“, damit sie Freiheit und Demokratie und so weiter verstehen konnten. Also hat man die Kinder in Regierungsschulen – Boardings Schools – gebracht, da durften sie keine Rituale, nichts Indianisches machen. Sie mussten sich die Haare schneiden und wie Weiße anziehen. Man versuchte ihnen beizubringen, wie Weiße denken. Sie durften kein Wort in ihrer jeweiligen indianischen Sprache reden. Tall Bull sagte, es gab Prügelstrafen oder man hat ihnen den Mund ausgewaschen, wenn sie ein Cheyenne-Wort gesagt haben. Das geschah einfach, um sie zu fortschrittlichen, normalen Menschen zu erziehen. Und als der alte Tall Bull, das ist mein Freund, der Medizinmann, wieder zu den Cheyenne zurückkam, hat er zuerst den Alten zugehört. Er hat die ganze Zeit, sagte er, während dieser Jahre, in denen er an der Schule war, immer versucht, in Selbstgesprächen seine Sprache zu erhalten und war stolz, dass er das gemacht hatte. Und als er dann zurückkam, haben die Alten gelächelt und gesagt: „Du sprichst ja ein Baby-Cheyenne.“

Er hat dann immer zugehört, ist immer bei den Alten gewesen, besonders bei seiner Großmutter. Und die Großmutter war gerade beim Kochen, und dann erzählte er: „Weißt du, wir als Indianer haben so vieles falsch verstanden und nicht richtig kapiert. Die Sonne geht nicht im Osten auf und im Westen unter. Die Erde ist nicht hier unten flach und der Himmel ist oben, sondern die Erde ist eine Kugel und die bewegt sich um die Sonne herum.“ Und da legte die Großmutter ihren Kochlöffel beiseite, schaute ihn an und sagte: „Du, glaub nicht den Irrsinn, den dir diese Weißen erzählen. Traue deinen Sinnen.“ Das ist unmittelbar. Wir kommen in Abstraktionen. Wir verlieren die Phänomene. Und so leben wir immer mehr in Wirklichkeiten, die eigentlich nur gedacht werden, und wir ignorieren das, was wir als Körper und als Seele erleben. Und wir sind dann nur noch Köpfe.

Aus dem Buch “Unsere Wurzeln entdecken”

Wolf-Dieter im Gespräch mit Dirk Grosser

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