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Wolf-Dieter Storl

Der Weihnachtsmann


Da ich einen weißen Rauschbart habe, halten mich manchmal die kleineren Kinder für den Weihnachtsmann. Ein etwa vierjähriger Junge zeigte auf mich und fragte seinen Papa, ob ich der Weihnachtsmann wäre. „Frage ihn doch selber,“ sagte der Vater. Der Junge schaute mich ganz schüchtern an und sagte nur: „Ich bin ganz brav gewesen!“  

Einmal, in Wyoming, musste ich für die Kinder von Verwandten den Santa Claus spielen. Mit rotem Mantel, Kapuze und einem Sack mit Geschenken kam ich aus dem Wald und nahm Platz neben dem Weihnachtsbaum im Wohnzimmer. Ein wagemutiges Mädchen zupfte mir am Bart. „Der ist der echte Santa!“ rief sie jubelnd den anderen Kindern zu, „der Bart ist echt!“

Wer oder was nun ist der Weihnachtsmann, der Samichlaus, der Nikolaus, der Knecht Ruprecht eigentlich? Woher kommt er ursprünglich? Einige britische Kulturanalytiker behauten eher missbilligend, das Bild, das wir von ihm haben – wohlbeleibt, humorvoll und mit rotem Mantel und roten Backen – gehe auf eine Werbekampagne der Coca-Cola-Company zurück; der eigentliche Santa hätte einen grünen Mantel und wäre mit Stechpalmen (holly) gekrönt gewesen.


Neuheiden führen den Weihnachtsmann auf Odin, den Schamanengott zurück. In den Nordländern, auch in Nordamerika, kommt er ja, wie ein Schamane auf einem Rentierschlitten daher gebraust. Psychedeliker sehen den rot Bemäntelten sogar als eine Personifizierung des Fliegenpilzes. Der rote Pilz mit den weißen Tüpfelchen wurde ja bekanntlich während der Wintersonnwendtage von den nordischen, slawischen, sibirischen und kanadisch-indianischen Schamanen als Sakrament eingenommen, um im Trance mit den Göttern, Ahnen und Zwergen zu kommunizieren.


Da ein christlicher Heiliger nur rein, gut und heilig zu sein hat, wurden ihm, vor allem in den Alpenregionen, üble, ruppige, gewalttätigen Gesellen, die ihm wie ein Schatten folgen, beigesellt. Egal wie sie alle heißen –  Krampus, Knecht Ruprecht, Pelznickel, Schmutzli (Schweiz), Swarte Piet (der „schwarze Peter“, Holland) oder Hans Trapp (Elsass) – bei ihnen stolpern wir wieder über die rauen Naturgeister, die Perchten, die mit der Percht, der Naturgöttin, über das Land im Winter daher fegen. In Russland jedoch wird der Geist der Winterweihenächte, das, meistens in einem frostigen blau-grauen (manchmal auch grünen oder roten) Mantel gehüllte „Väterchen Frost“, von seiner hübschen Enkeltochter „Schneeflöckchen“ begleitet, und vielerorts im protestantischen Norden von dem Christkindlein oder dem Neujahrskindel.

Und, übrigens, wenn es heißt, dass er mit seinen Haselnussruten die unartigen Kinder bestraft, so stimmt das nicht – das ist lediglich eine Erfindung der spießigen Biedermeier-Zeit, in der auch der Struwwelpeter geschrieben wurde. Die Haselrute ist und war immer ein Zeichen der Fruchtbarkeit; sie brachte den jungen Frauen, den Hoftieren und dem Feld fruchtbares Gedeihen.

Mit einem fröhlichen Weihnachtsgruß,
Euer Wolf-Dieter



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