Frohe Ostern!

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche.
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in raue Berge zurück.

-Goethe, Faust, Osterspaziergang

Das Jahresrad dreht sich; der Mensch mit all seinen Raffinessen kann es nicht aufhalten. Die Schneemassen, wo sind sie hin? Zwei Meter hoch lag der Schneehier auf dem Berg, und der Wald sieht aus, als wären Riesen durch ihn gestampft; überall liegen vom Schneebruch abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume herum. Und nun liegt nur noch ein kleines Häufchen Schnee an der Nordseite vorm Haus, übrig geblieben von der Dachlawine.

schlusselblume-storl-garten

Ja, es ist Frühling. Die holde Freya nahm ihren Schlüsselbund – gelbe Schlüsselblumen – und schloss das Himmelstor auf, so dass der Lenz mit Vogelgesang, Maikätzchen, Haselkätzchen, Gänseblümchen und anderen Frühlingsblumen Einzug halten konnte.

Es ist Frühling. Die Frösche haben im Tümpel hinter dem Haus schon Hochzeit gefeiert und ihre klumpigen Laichballen abgelegt. Ich freue mich auf die niedlichen Kaulquappen, auch auf die Frösche und Kröten, die dann nachts den Garten nach jungen Schnecken und anderen wenig willkommenen Krabbelwesen absuchen.

Die Enten sind wieder da

Aber dann, o Schreck, sah ich wie zwei fette, schnatternde Stockentenpaare den Laich wegschnäbelten. Ich gönne es den frechen Enten nicht, denn sie kommen aus der Stadt, vom Stadtpark, unten im Tal, wo sie den ganzen Winter von freundlichen Omas und anderen gut meinenden „Tierfreunden“ mit alten Semmeln und Brot gemästet worden sind. Die brauchen meine kleinen Fröschlein bestimmt nicht! Da wünscht man ihnen den ewig hungrigen Meister Reinecke an den Hals.

scharbockskraut

Auf den kahlen Weiden glänzen nun die speckig-grünen Blätter des Scharbockkrauts. Solange dieses Hahnenfußgewächs nicht blüht, kann man die vitaminreichen Blätter mit in den Frühlingssalat tun. Sie heißen ja Scharbockskraut, weil sie den Scharbock – Skorbut – vertreiben. Der junge Löwenzahn ist nun auch besonders lecker; er regt die Drüsen an und vertreibt die Wintermüdigkeit. Ja, dann ist noch der wunderbare Bärlauch, der saftige junge Giersch, Wildkresse, Schafgarbenblätter und andere Wildkräuter, die es wert sind, für Suppe, Pfanne oder Salatschüssel gesammelt zu werden.

Die dunkle Winter Göttin wird zur Lichtgöttin

Unten im Tal steht der Schwarzdorn (Schlehe) schon in Blüte. Das schwarze, dornige Holz der Schlehe ist plötzlich in eine schneeweiße Blütenpracht getaucht. Für die Kelten war es ein Zeichen, dass die dunkle Göttin des Winters sich nun in eine Lichtgöttin verwandelt hatte. Bei bei den Germanen hieß die junge Göttin Ostara (angelsächsisch Eostrae).

Ihr Name geht auf das ur-germanische *austron zurück und bedeutet etwa, „aus dem Osten kommendes, strahlendes Morgenlicht“. Frühlingsfeuer begrüßen die Göttin, Frauen sammelten nun die „neun“ Frühlingskräuter; es war eine der Göttin geweihte Kultspeise, die mit der grünen Kraft des Lebens verbindet. Schon in vorchristlichen Zeiten bemalte und verzierte man die frischen Eier, und die Hasen symbolisierten die hereinbrechende Lebensfreude und Fruchtbarkeit.

Schwarzdorn

Umzüge und Prozessionen gehörten zu dem Frühlingserwachen. Mensch und Tier umwandelten, singend und lärmend, rechtsläufig im Uhrzeigersinn, im Einklang mit der Bahn der Sonne und grüne Zweige oder Kränze tragend, die Weiden und Felder.

Das Freudenfest wurde von der Kirche auf das Fest der Opferung und Auferstehung des Heilands, „des Lichtes der Welt“ übertragen, behielt in den germanischen Ländern aber seinen Namen: Ostern.  An diesem Tag, der auf den Sonntag, nach dem Vollmond, welcher der Tag-Nach-Gleiche folgt, ging man gerne in die erwachende, grüne Natur. Das kann man heute noch gut machen. Aber passt auf, dass kein schwarzer Pudel euch dabei in die Quere kommt.

Frohe, lichterfüllte Ostern wünscht Euch

Euer Wolf-Dieter

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Zeige 2 Kommentare
  • Martin Fabris
    Antworten

    Keine Frösche in meinem Garten im Nord Illinois, aber Strumpfbandnattern ja. Die Katze und ich entdeckten drei von ihnen, die sich in einem orgiastischen Tanz direkt vor der Hintertür drehten. Jetzt, da der arme Hund nicht mehr bei uns ist, werden sie und ihre Nachkommen ein sorgloses Jahr im Garten verbringen Feldmäuse und Heuschrecken zu verschlingen.

    Wir Menschen können jetzt herrlich frischen saftigen Löwenzahen genießen. Und bald werden Gänsefußchen da sein, sie sprosen gerade. Ich weiß eigentlich nicht, ob sie in Ohio gewachsen sind, aber hier sind sie sehr häufig. Natürlich von allen missverstanden, außer den Mexikanern, die sie Quelites Cenizos nennen, also aschiges Quelite. Wirklich leckeres Zeug. Schmeckt Spinat sehr ähnlich.

    Yeah, those damn black poodles work like nettles, they keep you from getting too esoteric!

    Frohe Ostern
    Ich wünsche Ihnen auch ein strahlendes Osterfest

  • Christa May
    Antworten

    Lieber Wolf-Dieter
    dir und deiner Familie sende ich auch noch schnell einen kleinen Ostergruß aus Berlin.
    Bleibt gesund und vielen Dank für die vielen Anregungen und Videos.
    Inzwischen habe ich auch schon das biographisch angehauchte Buch des Schamanen 🙂 gelesen und …whow !
    was für ein ereignisreiches Leben.
    Ich wünsche dir und deiner Frau Christine noch viele schöne Jahre auf eurem Hof mit Pflanzen und Tieren.

    Toll wäre es, wenn mal hier in der Nähe von Berlin eine Kräuterwanderung stattfinden würde …. 🙂

    ganz herzliche Grüße aus Berlin
    Christa

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