Der Blutmond

In der Nacht zum 27. Juli (2018) sah man am Himmel ein Ereignis, dessen Zeuge man nur einmal im Leben ist. Der Vollmond wanderte durch den Kernschatten der Erde. Düster und ockerrot erhob sich der Blutmond über dem Horizont. Es sah aus als sei er mit Blut übergossen worden. Eine Stunde und 43 Minuten dauerte das Spektakel.

Sommerglut

Auf den Fersen des Mondes folgte der Mars: Auch er, rot wie Blut, rot wie Feuer und ebenfalls in Opposition zur Sonne. Der Feuerplanet befand sich in diesen Tagen in maximaler Erdnähe, weswegen er sogar heller als Jupiter – der sonst der hellste Wandelstern ist – leuchtete. Zudem war er rückläufig, das heißt, er drehte in diesen Wochen eine Schleife am Himmel. Wenn ein Planet rückläufig ist, sich also in die entgegengesetzte Richtung seiner normalen Bahn bewegt, dann überwiegen – so die alten Astrologen – seine negativen Eigenschaften. Schon die Babylonier, die den Planeten den „Feuergott, mit feuerspeienden Mund“ nannten, meinten, dass es heiß und trocken wird, wenn er erdnah und rückläufig ist, dann kommt es zu Waldbränden, Dürre und, schlimmstenfalls, Fieberseuchen und Blutvergießen.

Blutmond am Himmel

Heute glauben wir das nicht mehr, dennoch gibt es zu bedenken, denn vor 15 Jahren, im August 2003 stand der Mars ebenfalls in Opposition zur Sonne, er war rückläufig und der Erde so nahe, wie seit 57.000 Jahren nicht mehr. Da schmachtete die Erde – wie auch diesmal – unter einer Hitzewelle, die Wälder mit Mittelmeerraum und Nordamerika brannten, die Ernte verdorrte auf den Feldern, die Flüsse verzeichneten einen Wassertiefstand und die Städte wurden zu Glutöfen.

Ich kann mich daran gut erinnern, denn ich machte damals mit meinem Hund eine Wanderung über den Bodensee hinauf zum Säntis. Der Bodensee, um einen Meter unterhalb des normalen Pegels gefallen, erwärmte sich dermaßen, dass die Fische an Sauerstoffmangel litten und auf dem Säntis der Gletscher besonders schnell schmolz. Die Wanderung habe ich in dem Buch Streifzüge am Rande Midgards (KOHA-Verlag, 2014) beschrieben. War die Hitzewelle nun die Folge der anthropogenen (menschenverursachten) Klimaerwärmung oder sind da, wie es die Astrologen seit altbabylonischen Zeiten sagen, kosmische Faktoren im Spiel, wie eben das Nahekommen des feurigen Planeten?

Süße Beeren und wenig Schnecken

Wie damals, brachte auch dieser heiße Sommer nicht nur Nachteile. Trotz Trockenheit gedieh unser Garten sehr gut. Wenn man gute Humuspflege (Kompostierung) betreibt, dann behält der Boden seine Feuchtigkeit länger. Und wenn man nicht ständig gießt, dann sind die Pflanzen gezwungen ihre Wurzeln tief in die unteren Bodenschichten zu treiben. (Ständiges Bewässern verwöhnt die Pflanzen, sie machen flachere Wurzeln in der Erwartung eines täglichen Gusses.) Selbstverständlich ist auch das Hacken oder Mulchen des Bodens wichtig, denn das unterbricht den Verdunstungsdruck (Die Kapillarbewegung der Wassermoleküle von unten nach oben).

Wegen dem heißen, trockenen Wetter gab es keinen Schneckenfraß, alles blühte üppig, so dass die Bienen, Schmetterlinge und Käfer sich am Nektar und Pollen laben konnten. Im Norden ist die Trockenheit verheerend, aber hier nahe der Alpen gab eine Rekordernte an Beeren, besonders süß und schmackhaft waren sie. Heuer hängen Obstbäume voll. Auch die Winzer versprechen sich ein besonders gutes Jahr.

Zecken

Mir wurde gesagt, dass es dieses Jahr besonders viele Zecken (Holzböcke) gibt. Allgemein macht man die, wegen dem Klimawandel mild werdenden Winter für die vermehrte Anzahl von Zecken verantwortlich. Das ist jedoch nur eine Theorie. Eine andere plausible Sichtweise besagt, dass bei mildem Wetter die Zecken aktiv bleiben und nicht, wie bei frierenden Temperaturen, in die Winterstarre gehen; dabei erschöpfen sie sich, vergeuden ihre Energie und sterben schließlich.

Meine persönliche Meinung ist, dass das gegenwärtige massive Vogelsterben in Europa für die Zunahme der Holzböcke verantwortlich ist. Wegen Agrargiften und Pestiziden, die die Ackerinsekten dezimieren, wegen schreddernden Windrädern, Hauskatzen und Verkehr nahm die Zahl der der Brutpaare in den letzten Jahrzehnten um 300 Millionen ab. Viele dieser Vögel haben die Zecken auf ihrem Speiseplan und wenn sie als Kontrollfaktoren fehlen, dann vermehren sich die lästigen Blutsauger eben.

Noch einen schönen Sommer und viel Freude wünsche ich Euch,

Euer Wolf-Dieter Storl

 

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  • Viola
    Antworten

    Sehr interessant ! Bin immer wieder begeistert!

  • Gauzi Bauz
    Antworten

    Hallo Herr Storl,

    danke für die einleuchtende Erklärung.
    Auf so was hab ich gewartet.

    Liebe Grüsse //Gauzi Bauz

  • Annette Stieg
    Antworten

    Sehr geehrter Dr. Storl, vielen Dank für diese aufschlussreichen Zeilen. Es hat mir große Freude bereitet diese zu lesen. Sie bestätigen meine Beobachtungen.
    Und was das Jahr 2003 betrifft, es war ein gutes Weinjahr, es brachte sehr wohlschmeckenden Wein.

  • Kristine
    Antworten

    Was für ein wunderbarer Garten! Das Bild könnte ich ewig anschauen!
    Meine Beobachtung sind dieses Jahr winzig kleine Stechmücken (neben den üblichen), die man nicht mehr hört und kaum sieht, die aber lange brennende Einstiche hinterlassen. So verstochen wie dieses Jahr bin ich seit meiner Kindheit nicht mehr geworden. Und extrem viele Motten!
    Ich wohne im äussersten Südwesten.

    • Christoph
      Antworten

      Möglicherweise Kriebelmücken! Höllische Biester sind das. Die stechen nicht, die beißen. Sind als Krankheitsüberträger nicht ungefährlich.

  • Dinges caren
    Antworten

    Lieber verehrter Herr Storl, es tut richtig gut ihre Bücher und Kommentare zu lesen. Freu mich schon auf den Vortrag im September in Wien. Und noch eine grosse Bitte!, bitte gesund bleiben, damit wir uns noch lange von ihrem Wissen und Gedanken laben können. Mit herzlichen Grüßen caren dinges

  • mone
    Antworten

    Weder meine Katze noch ich hatten dieses Jahr eine Zecke.

  • Bertram Dobrick
    Antworten

    Hallole Herr Storl!

    Einleuchtend, kurz, klar – so wie es sein muß. Diese Parallele zu anderen Blutmonden ist wirklich verblüffend. Vielen Dank – auch für viele, viele andere Artikel!

  • Bettina
    Antworten

    Hallo Herr Storl, ich vermisse Ihre Vorträge und Workshops im nördlicheren Deutschland! Ich habe sie genossen im Extertal und in Cuxhaven. Gern mal wieder!!!

    Grüße und DAnk für die vielen Geschenke, die Sie bringen.

  • Tanja
    Antworten

    Hm, seltsamerweise habe ich bei uns seit Mitte Juni keine Zecke mehr gesehn (weder an meinen Tieren noch an mir).
    Meine Theorie war das sie unter der Trockenheit dezimiert wurden – allerdings wohne ich auch im Vogelsberg 😀
    Grüne Grüße von der Kräuterfrau aus Schotten

  • Charlotte
    Antworten

    Wir wohnen hier sehr naturnah in Waldnähe. Unsere Hunde haben dieses Jahr sehr wenige Zecken. Auch Stechmücken haben wir (noch) sehr wenige trotz Gartenteich.
    Das mit der üppigen Beerenernte kann ich bestätigen. Und auch Tomaten und Paprika satt…alles was sonst hier bei unserem kühlen unbeständigen Wetter schwierig ist.
    Auch die Wespenplage fällt bei uns dieses Jahr aus. Ab und zu verirrt sich mal eine zu uns.
    Dafür hatten wir dieses Jahr sehr viele Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge, sogar Arten, die wir Jahre nicht gesehen haben.
    Es scheint also regional sehr unterschiedlich zu sein.
    Mit Besten Grüßen
    Charlotte

    Auf Ihren „unaufgeräumten“ Garten kann man nur neidisch sein!

  • Helma Kessler
    Antworten

    Das Sterben der Vögel veranlasst mich zu versuchen, vielleicht einigen mit getreutem Futter zu helfen. Interessanterweies bemerken viele es gar nicht. Habe mal herungefragt.

  • Petrus Paulus van Amerongen
    Antworten

    Ich lese Ihre Bücher sehr sehr gerne.
    Danke für all diese Schätze

  • christiane wembacher
    Antworten

    Danke für den sehr interessanten Newsletter. Lese immer begeistert Ihre Bereichte, bzw. Bücher, auch auf fb. Da ich im Berchtesgadener Land wohne, ist es für mich ein bisserl schwierig, einmal zu einem Vortrag von Ihnen zu kommen. Gruß aus Oberbayern und noch einen schönen Sommer! Christiane Wembacher

  • Katja Lüthy
    Antworten

    Wann wäre denn der nächste rückläufige erdnahe Mars, sprich der nächste Jahrhundertsommer?“??

  • Matthias Brändel
    Antworten

    Hallo lieber Wolf-Dieter, wunderbare Worte für die sehr warme Zeit, die wir mehr oder weniger alle erleben, bzw. durchleben mußten. Es war ziemlich anstrengend und hier im Brandenburger Land / Berliner Raum hat es die Sonne besonders gut gemeint. Sehr interessant ist deine Erläuterung bezüglich Blutmond, seine Erscheinung war schon beeindruckend und was du hierzu erklärst, hat meine Empfindungen bestätigt. Zufall oder nicht, im August 2013 war ich ebenfalls mit meiner Familie in Maurach in Osterreich in den Bergen unterwegs, leider hat uns damals der Zufall nicht zusammen geführt. Meinen Weg zu den Kräutern hab ich erst 2015 begonnen, dann sahen wir uns das erste Mal in Berlin zu einem Vortrag, danach im Spreecamp, in München und mittlerweile immer wieder Mal, wenn du im Berliner Raum bist. Du hast mich viel gelehrt und du bist ein wunderbarer Mensch und ich danke den Göttern, das ich dich kennenlernen durfte. Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder. Herzlichst Matthias aus Hennigsdorf. P.S. Ganz liebe Grüße auch an Ingo.

  • Ebner
    Antworten

    Im Sommer 2003 hab ich meine Bügelwäsche immer auf Regenwetter verschoben, es hat im Juni geregnet. Im September sind die ersten Topfen gefallen!!!
    Wiener Becken, hier ist es wirklich trocken! Ohne gießen ist hier alles tot. Dachwasset war auch aus und die Wasserrechnung hoch wie nie, aber wir haben gut geerntet! Heuer ist es ähnlich!
    Liebe Hitzegrüße
    Elisabeta

  • Gabriella
    Antworten

    Kann einfach nur staunen über Ihren wunderbaren, vielfältigen Garten, lieber Herr Storl! Danke für all die überaus interessanten und erhellenden Einblicke in Ihren Büchern, DVDs, Newsletter undsoweiter. Schön dass es Sie gibt! Leider habe ich (noch) keinen echten Garten, jedoch einen sehr Insektenfreundlichen Balkon inkl. Bienenhotel. Auch ich sah dieses Jahr mehr Schmetterlinge und andere Insekten also sonst. Ich finde es lohnt sich unsere Wildvögel etwas mit hochwertigem Futter zu unterstützen, nimmt doch auch hier die Insektenvielfalt stetig ab und immer mehr Arten verschwinden…

  • waldviertelleben
    Antworten

    habe heuer im wald ein zeckennest abgestreift und war über und über voller zecken. sowas habe ich noch nie erlebt. überall in der kleidung, am ganzen körper diese ekeltiere. so schnell wie möglich in die dusche. glücklicherweise hat keine einzige zugebissen.

  • Madeleine Hager
    Antworten

    Klingt sehr einleuchtend☺danke

  • Gisela Stromberger
    Antworten

    Lieber „Mensch Storl“,
    heute habe ich das erste Mal von Ihnen gehört – Ihr Interview bei KenFM. Wie hab ich es genossen, Ihnen zuzuhören. Gleich hab ich mir das erste Buch von Ihnen bestellt – ich weiß ja jetzt, wo es das 2. und 3. … gibt. Jetzt freue ich mich riesig, künftig hier immer wieder Neues und altes Neues (Blutmond) von Ihnen lesend aufnehmen zu können. Wie schön, wie wichtig, wie schön! Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen und allen die (und allem was) Sie lieben ganz viel Gutes.
    Mit herzerwärmten Grüßen
    Gila Stromberger

  • Shivani
    Antworten

    Dieser Garten ist eine Augenweide, vielen Dank für das wundervolle Bild.

  • Ursula Bertsch
    Antworten

    Danke!
    Ich freue mich auf weitere Newsletter, herzliche Grüße, Ursula

  • Owe
    Antworten

    Lieber Wolf Dieter

    Vielen Dank für den wunderbaren Blutmond Blog. Leider war es an dem Abend bei uns leicht bewölkt. Viel konnten wir nicht erkennen. Das hat aber an der Wirkung auf Mensch und Pflanzen keinen Abbruch getan.

    Bitte bleib gesund und freue mich schon auf Dein neues Buch im September.

    Grüße Owe

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