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Dr. Wolf-Dieter Storl - Ethnobotaniker und Kulturanthropologe
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Wolf-Dieter Storl: Ein Leben mit der Natur
Allgäu MagazinAllgäu Magazin – Nr.2/Sommer 2004 "Allgäu Köpfe"
 
Text: Daggi Düssel
Fotos: Corinna Lucke


 
Seine Bewusste Entscheidung für das Einfache.

Dr. Wolf-Dieter Storl Wolf-Dieter Storl ist promovierter Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Er lehrte Zwanzig Jahre lang als Dozent und College-Professor an verschiedenen Universitäten in den USA, Indien sowie Europa. Seit 1986 lebt er mit seiner Familie als Schriftsteller im Allgäu.
Er veröffentlichte siebzehn Bücher, die sich mit Themen wie Kräuterkunde, dem Schamanismus, biodynamischem Gartenbau und Ethnobotanik befassen.
 
Zaubern, Hexen, Schamanismus ...
 
Da waren so viele Artikel über Wolf-Dieter Storl, die ihn in meiner Vorstellung zu einem merkwürdigen Waldschrat, einem Hippie oder gar einem Magier machten.
 
Auch der 4 Kilometer lange, steile Schotterweg zu seinem Haus machte nicht gerade Mut und da war ein etwas mulmiges Gefühl, als uns der Mann mit dem forschen Schritt und dem langen Bart begrüßte.  

Haflinger
Tierfreund Storl lebt auf dem Hof u.a. mit
drei Hunden und zwei Haflingern:
"Pferde habe so eine wunderbare Ausstrahlung"

Doch ein Lächeln des Ethnologen und schon sind Misstrauen und Unwohlsein verschwunden. Wolf-Dieter Storl, ein Sachse, der jahrelang in den USA lebte und sich auch bei vielen Reisen sein Wissen aneignete, kennt viel von der Welt - sogar bei den Cheyenne-Indianern hat er gelebt. Wieso wohnt der Familienvater denn ausgrechnet hier? Was hat der Mann mit der besonderen Aura und dem leicht amerikanischen Akzent ausgerechnet ins Allgäu verschlagen?
 
Er könnte es doch so viel einfacher haben
 
Die Geschichte ist einfach. Sie begann auf einer glamourösen Party, auf die er eingeladen war. Beim Essen sitzt Storl dem extrovertierten Maler Manfred Scharpf gegenüber. Der ihm bis dahin fremde Mann schaut nach oben, neigt den Kopf, zeigt auf Wolf-Dieter Storl und spricht: "Ich weiß, wo du leben sollst." Diese Eingebung wurde Realität und seitdem wohnt Wolf-Dieter Storl mit Frau und Kindern auf diesem herrlichen alten Hof im Allgäu.
Aus der Entfernung mutet dieses Leben auf über 900 Metern Höhe romatisch an. Aus der Nähe aber wird klar, dass es nicht leicht ist: das Holz zum Kochen zersägt und lagert Storl selbst. Die Heizung in seinem Arbeitszimmer ist ein simples Loch im Boden, so dass die warme Luft aus der unten gelegenen Küche nach oben strömt. Im Winter können die Storls wochenlang nicht ins Dorf, da sie eingeschneit sind. Und die ersten Jahre schliefen sie auf Stroh, weil sie keine Einrichtung hatten. Aber er, der angesehene Schriftsteller, von dem sich die Medien magisch angezogen fühlen, er könnte es doch viel einfacher haben: Will er aber nicht! Er möchte nicht nur "schweben, wie viele Interlektuelle". Er möchte mit der harten Wirklichkeit konfrontiert sein. Das Holz wird prinzipiell nicht gekauft, das Gemüse auch nicht - "bis jetzt nicht", fügt er schmunzelnd hinzu.
 
Wald und Flur, das ist Arzt und Apotheke

Dr. Wolf Dieter Storl
Herzlich, gastfreundlich und interessant...
Wolf-Dieter Storl erzählt aus seinem Leben.
Wolf-Dieter Storl, mit seiner wilden Mähne und dem langen grauen Bart vermittelt respektvollen Umgang mit der Natur. Über jede Pflanze, jedes Kräutlein weiß er eine Geschichte zu erzählen, gerade so als spricht er über gute Freunde. Besonders spannend wird es, wenn er über die unterschiedlichsten Heilkräfte der Pflanzen erzählt.
Der Mann mit seinem uralten Pflanzenwissen braucht keinen Arzt. Das heißt nicht, dass er nicht krank wird. Nur für ihn ist eben gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen. Er lebt mit dem Gedanken von Paracelsus: "Wald und Flur. Das ist Arzt und Apotheke." Er gibt sich nicht jemandem (dem Arzt) hin wie ein Patient und sagt: Mein Motor ist kaputt, repariere mal, sondern er setzt sich mit seiner Krankheit auseinander, hört auf seinen Körper.
 
Ein Mensch, der mit der Natur im Einklang lebt
 
Hat er sich eingelebt? "Wenn man hier lebt, davon vier Jahre ohne Auto, und isst was der Boden einem gibt, dann kommt man in die Schwingungen hinein"... Storl ist kein Eigenbrötler. Im Gegenteil. Er ist interessiert an den Menschen der Region und an dem Jahrhunderte alten Brauchtum. Er liebt die Ruhe hier oben, so kann er ungestört seinem Beruf, de Schreiben nachgehen. Immer mehr schreibt er im Augenblick, so dass aufgrund von Zeitmangel die annähernd autarke Lebensweise etwas gemäßigter läuft.
Wolf-Dieter Storl und seine Frau versuchen aber, sich von dem zu ernähren, was die Natur hergibt. Der Garten von ihm entspricht dem Prinzip der Freiheit. Jede Pflanze darf dort wachsen wo sie will. Storl hält nichts davon, Pflanzen in "kleine Karrees einzukästeln". Behutsam bricht er eine Blüte des Essigbaumes ab, erklärt dessen erstaunliche Heilkraft und berichtet über den hohen Vitamin C Gehalt der Früchte.
 
Nein, Wolf-Dieter Storl ist kein Zauberer, hat er auch nie behauptet. Er ist kein Magier, hat er auch nie gesagt. Er ist einfach ein Mensch, der mit der Natur im Einklang lebt und dessen Aura fasziniert, wenn man ihn trifft.
Wenn man Wolf-Dieter Storl kennengelernt hat, dann kommen einem Heile-Welt-Gedanken wie: "Warum denkt nicht jeder so wie er, dann würde es der Natur ein kleines Stück besser gehen." Nie aber würde er selbst auf die Idee kommen und den Menschen erzählen, wie sie leben sollen. Er ist kein Rechthaber, er will niemanden belehren. Er sagt: "Ich schreibe halt meine Bücher - ich bin kein Missionar."