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Dr. Wolf-Dieter Storl - Ethnobotaniker und Kulturanthropologe
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Newsletter September 2013

Liebe Freunde,

eigentlich hätte es ein ruhiger Sommer werden sollen. Nichts weiter als den Gemüsegarten pflegen, die letzten Nachfrüchte einsäen, hacken, Kompost wenden und pflegen. Es sollte ja auch gut aussehen, denn es wollten Reporter kommen und nachsehen, wie es mit dem „Selbstversorger“ aussieht. Nun, es war ein schwieriges Gartenjahr - ewiger Regen und Kälte bis Ende Mai; erst Anfang Juni konnte ich mit dem Säen und Pflanzen beginnen. Alles keimte gut, aber dann kam die lange Trockenperiode. Die Lehren meines Gärtnermeisters und die eigene langjährigen Erfahrungen bestätigten den Spruch: „Es gibt keine Probleme, nur Lösungen“. Alles wuchs und gedieh.

Gartenernte
Salaternte im Garten, Allgäu

Während ich gemütlich gärtnerte, rief meine Schwester aus Illinois an: Unsere Mutter, 96 Jahre alt, sei gestürzt, hätte sich 7 Rippen gebrochen und wäre nun im Pflegeheim. Wer weiß, wie lange sie noch hätte; wir sollten sofort kommen.

Also, ab in die USA. Die alte Frau war im Rollstuhl aber sonst fit und geistig wach. Das Heim in dem wir sie fanden gehört zu einer Pflegekette namens Genesis, ein $ 2 Milliarden Unternehmen mit Niederlassungen in mehreren Bundessaaten; ein gewinnorientierter Konzern, wie etwa MacDonalds oder Wal-Mart, der sich auf Massenhaltung von Alten spezialisiert. Statt Rinder, Hühner oder Schweine eben alte Menschen. Die Oma fühlte sich da wie im Gefängnis, entmündigt und professionell abgefertigt. Bald werden ihr ihre Lebensersparnisse ausgehen, dann muss sie ihr Haus verkaufen.

Auch dieses, ein weiteres Beispiel, wie im heutigen Amerika Großkonzerne immer mehr das Leben der Menschen bis ins kleinste Detail bestimmen. So wird, z.B., in den Familien kaum mehr gekocht: Konzerne wie McDonalds, Burger King, Arbeys Beef, Taco Bell, Pizza Hut usw. kochen für die Massen. Ähnlich in der Landwirtschaft: Familienfarmen gibt es kaum mehr. Agrarkonzerne, Saatgut-Multis, Chemie- und Ölgiganten beherrschen die Erzeugung von Nahrungsmitteln. Im Mittelwesten. Wo es einst richtige Bauernhöfe mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Truthähnen, Gemüsegärten, Obstbäumen, Getreidefelder und Weiden gab, sieht man nun endlose Monokulturen mit gen-verändertem Mais- und Soja. Kein „Unkraut“ wächst zwischen den Reihen – alles wird mit Totalherbizide (Glyphosat) weggeputzt. Wenige Insekten sind zu sehen – nicht nur wegen Spritzungen mittels Flugzeugen und Hubschraubern, sondern auch wegen der Einschleusung von Bacillus thuringiensis-Gene in das Erbgut der Mais- und Sojapflanzen. Insekten, die daran fressen, oder Bienen, die den Pollen sammeln, sterben. Die Straßenbeleuchtungen werden nachts kaum mehr von Faltern und Käfern umschwirrt; die Windschutzscheiben der Autos bleiben sauber. Auch die Abermillionen von Leuchtkäfern, die einem Feuerwerk gleich nachts durch die lauen Lüfte des Mittelwestens tanzten, sucht man vergebens. 

Verlassene Farm
Verlassene Farm in Minnesota, umgeben von Steinklee (Melilotus), USA

Zwischen den Maiswüsten sieht man hier und da die verlassenen eingefallenen Häuser und Scheunen der einstigen Familienfarmen – das heißt, wenn sie nicht schon wegplaniert wurden um den Monstermaschinen freien Manövrierraum zu lassen. Die einst blühenden kleinen Ortschaften – die ich noch in meiner Jugend kannte – verwandeln sich in Geisterstädte. Wo einst Gaststätte, Geschäfte, Werkstätte, Läden und Kinos gediehen, bleiben nur noch Tankstellen und Fast-Food Restaurants. Konzerne haben die Macht an sich gerissen. Sie beherrschen zunehmend die Politik, die Medien, die Erziehung. Die Bevölkerung, abgelenkt und „unten gehalten“ durch endlose Unterhaltung, scheint diesen neuzeitlichen Feudalismus kaum wahrzunehmen. In Europa ist diese Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten, aber wird sind auf bestem dem Weg dazu.

Diesem unseligen Zeitgeist kann man sich anpassen, darin gar gute Karriere machen oder, anderseits, das Notwendige – das „Not wendende“ – tun, indem man der Erde und dem Leben treu bleibt:

  • Artgerechte Tierhaltung, biologische Landwirtschaft unterstützen; lokal und jahreszeitgemäß einkaufen; wo möglich, selber anbauen, auch wenn es ein kleiner Garten ist oder gar ein Balkon; das eigene Saatgut züchten.

  • Auf die Gesundheit achten, die eigene und die der Familie und Freunde; sich mit natürlichen Heilmitteln – Sonne, Wasser, Erde und der Fülle heilender Kräuter – bewusst und vorbeugend behelfen, anstatt sich den „Gesundheits-“Konzernen ausliefern.

  • Netzwerke mit Freunden und Familie aufbauen, anstatt sich dem Staat oder staatlich sanktionierten Konzernen überantworten, so dass Kinder Schutz und liebvolle Führung genießen und die Alten von ihren Familien betreut werden können.

Es ist Zeit unser Leben wieder in unsere eigenen Hände zu nehmen. Und während man das tut, sollte man weder die Macht des Karmas (Tatenverkettung) vergessen, noch dass in unseren Herzen ein göttliches Selbst lebt, das – wenn wir es zulassen – uns die notwendige Kraft gibt. Das sind so die Gedanken, die mir bei dem Kurzbesuch im amerikanischen Mittelwesten kamen.


Rückkehr an den Ganges (2013) - Trailer (youtu.be/OiXNwF3qzC0)

Nun will ich aber noch kurz erwähnen, dass noch einige Veranstaltungen bevorstehen zu denen ich Euch gerne einladen würde:

In Österreich die Filmvorstellung (plus Vortrag, Zeit für Fragen und Antworten, Bücher signieren, etc.) Indische Dimensionen: Rückkehr an den Ganges:
Wien: Donnerstag, den 5. September. Am 7.9. findet ebenfalls in Wien ein Tagesseminar zum Thema „Natur im Wandel“ statt – für Details siehe meine Homepage.
Graz: Dienstag, den 10.9.
Villach: Mittwoch, den 11.9.
Salzburg: Donnerstag, den 12. 9.

In der Schweiz findet die Filmvorstellung statt, in
Basel: Dienstag den 24. September
Luzern: Mittwoch, den 25.9.
Zürich: Donnerstag, den 26.9.
Bern: Freitag den 27.9. (An dem Wochenende am 28. -29. 9. findet in Bern auch ein Workshop „Wesen der Pflanzen“ statt.)
St. Gallen: Freitag, den 4. Oktober. (Anschließend am 5. 10. findet eine Kräuterwanderung in St. Gallen statt)

Eigentlich mache ich jedes Jahr Schluss mit Veranstaltungen immer am 1. November, (dem keltischen Samhain-Fest, Halloween, Allerheiligen und Allerseelen), ziehe mich in die Einsamkeit auf unserem meist verschneiten Berg zurück und lasse mich für ein weiteres Buch inspirieren. Dieses Jahr wird es etwas später denn auch in Nord- und Ostdeutschland werden wir die Rückkehr an den Ganges zeigen. Davor, am vorletzten Oktobertag, sind wir im Süden eingeladen:

Augsburg: Mittwoch, den 30. Oktober
Rostock: Mittwoch, den 6. November
Eckernförde: Donnerstag, den 7.11.

La Palma
Aussicht nahe der Finca El Morro, La Palma
Noch eine Notiz zum Seminar auf der kanarischen Dracheninsel La Palma vom 14. bis 20. Oktober. Mir ist bewusst, dass der Flug dort hin recht teuer sein kann. Eine Alternative ist mit einem billigeren Flieger nach Teneriffa (Süd) zu fliegen und dann auf eine Fähre nach La Palma umzusteigen. Man kann dabei eine schöne Seereise genießen.

Liebe spätsommerliche Grüsse!

Wolf-Dieter Storl