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Dr. Wolf-Dieter Storl - Ethnobotaniker und Kulturanthropologe
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Newsletter November 2013

Liebe Freunde,

die Tage werden kürzer, das Laub fällt, Nebelschleier huschen über den Berg. Die kahl gefressene Weide und einige alte Kuhfladen erinnern an die Rinderherden, die hier oben den Sommer verbrachten. Ab und zu fährt noch ein Holzlaster vorbei, vollgeladen mit den Baumstämmen, die Timber Jack und Harvester dem Wald entrissen. Das Jahr war heftig gewesen – neben Vorträgen und Kräuterseminaren, war ja noch die Film-Tour, in der wir den Film „Rückkehr an den Ganges“ zeigten – und nun, wie der Bär sich nach seiner Höhle sehnt, sehne ich mich nach stiller Jahreszeit, nach Schnee, nach dem Einstieg in die Traumzeit, nach den Göttern, die während der Winterweihenächte so nahe kommen. Viele liebe Menschen sind mir im Jahreslauf begegnet. Bitte verzeiht, wenn ich keine Briefe oder E-Mails beantworte – ich würde schon, aber der Garten will ja auch eingewintert werden und, vor allem, das Holz muss gesägt und gehackt werden.

Trotzdem – ausnahmsweise! – wird es noch zwei Termine im November geben. Wir werden den Film am 6. 11. in Rostock (Online-Reservierung für die Abendkasse) und am 7. 11. in Eckernförde zeigen (Online-Reservierung für die Abendkasse), und ich werde dazu jeweils einen Vortrag halten.

Halloween

Ehe die Stille eintritt, ging es noch mal nach Bremen zur Talk-Show „Drei nach Neun“, wo ich am 1. November (Allerheiligen) etwas zu Halloween erzählte. Eigentlich mache ich immer Schluss mit der Arbeit in der äußeren Welt wenn der Nebelmonat November anfängt. Dieser Zeitpunkt war ja auch für die Kelten das Jahresende und der Beginn eines neuen Zeitraums. Im November, nach Samhain, wenn die Totengeister umgehen, nahm auch das Kräutersammeln und Ernten ein Ende. Danach waren die Pflanzen Pukka (tabu), dann gehörten sie den Geistern, den Pucken. In den dunklen Wintertagen reift, unsichtbar, das neue Jahr heran, das dann im Februar, zur Lichtmesszeit, wie ein neugeborenes Kind, das neue Licht erblickt. Auch unser Geist braucht die Stille, die Dunkelheit, die Abgeschiedenheit der winterlichen Weihenächte, damit neue Ideen und Visionen, die uns führen, heranreifen können. Auch wir sind Teil des natürlichen, mit der Sonne verbundenen Rhythmus, auch wenn wir es in einer Zeit der Hektik und Elektronik leicht vergessen.

Wanderung auf La Palma

Wanderung auf La Palma

 

Wo die kleinen Drachen wohnen

Mitte Oktober veranstalteten wir auf der Dracheninsel La Palma ein Pflanzen- und Ureinwohner-Seminar. Wir durchstreiften die Insel vom Nebelwald im Norden – das ist lebendiger fossiler Wald, wie er einst bei uns im Tertiär vor 20 Millionen Jahren wuchs – bis zu den kargen Vulkanlandschaften im Süden und gingen dabei den Spuren der steinzeitlichen Ureinwohner, den Guanchen, nach. Nach einem fast hundertjährigem Feldzug wurden die Guanchen von den spanischen Kolonialherren ausgelöscht, aber ihre Steinritzungen (Petroglyphen), die fast identisch sind mit denen der Megalith-Kulturen in der Bretagne, Irland und Cornwall, begegnen einem überall. Um diesen Ureinwohnern zu huldigen, machten wir ein Puja-Ritual. Da erschienen plötzlich aus dem Geröll viele Eidechsen. Ehe die Menschen ihre Säugetiere auf die Insel brachten, waren (neben Vögeln und Insekten) diese kleinen Drachen die einzigen Tiere auf der Insel. Wir gaben ihnen Käse, Wurst und Brot. Sie nahmen unsere Opfer freudig an.

Eidechse

Kleine Drachen

 

Bei vielen Naturvölkern (auch den Kelten) besteht der Glaube, dass die Toten sich dort aufhalten, wo sie gelebt haben und wo sich ihre heiligen Plätze befinden. Da die Verstorbenen keinen physischen Körper besitzen, können sie nicht wahrnehmen, was in der äußeren physischen Welt alles geschieht. Deshalb schlüpfen sie ab und zu in die Körper von Tieren und benutzen deren Sinne, um in die äußere Welt zu schauen. Sie tun das, besonders wenn sie spüren, dass da jemand ist, der Interesse zeigt. Da wollen sie wissen, wer das sein mag. Vielleicht ist es wirklich so, auf jeden Fall hatten wir das Gefühl, dass die Geister der Ureinwohner uns durch die Augen der kleinen Kriechtiere wahrnahmen.

Die Insel heißt offiziell La Palma de San Miguel (Die Palme des Heiligen Michael). Der Erzengel Michael ist, wie bekannt, der Drachentöter, - er schützt vor der Drachenenergie. Die Spanier, die diese Insel heutzutage bewohnen, mögen die kleinen Drachen nicht besonders. Vor allem die Geckos, die sich in den Häusern aufhalten, fürchten sie. Diese hätten nämlich einen „bösen Blick“. Deswegen räuchern sie mit bestimmten Pflanzen, wie etwa das Kraut der Ratonera (Forskaolea, mit der Brennnessel verwandt) oder mit der Romera („Rosmarin“, Campylanthus salsoloides), um sie aus den Zimmern zu vertreiben. Eigentlich sind Geckos harmlos oder gar nützlich, denn sie vertilgen Fliegen und Mücken. Kann es sein, dass den Spaniern der „Blick“ der kleinen Drachen unheimlich ist, weil sie tatsächlich – wenn auch unbewusst – die Anwesenheit der ursprünglichen Besitzer der Kanarischen Inseln darin spüren? Irgendwann werden wir wieder ein Seminar in den Kanarischen Inseln durchführen – vielleicht auf Gomera (über das ich in dem Buch „Streifzüge am Rande Midgards“ geschrieben habe).

Die Caldera

Die Caldera, La Palma

Bücher im Online Shop

Wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, hat Ingo einen Online Shop, wo meine Bücher – nach Wunsch auch signiert oder mit Widmung – verkauft werden. Das Angebot haben wir erweitert mit anderen Büchern, die interessant sind, oder wo ich ein Vorwort geschrieben habe. Dazu gehören folgende Titel:

Heilpfanzen für HundeHeilpflanzen für Hunde von Dr. vet. Alexandra Nadig (Kosmos Verlag). Alexandra ist eine begabte Tierärztin, die nicht nur die Tiere wirklich liebt, sondern auch die Heilkräuter, die den Vier- und Zweibeinern helfen, gut kennt.

 

 

Meine HeilpflanzenMeine Heilpflanzen von Maria Treben. (Ennsthaler Verlag). Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich diese große Heilkräuterkundige sehr verehre. In diesem Buch habe ich ein langes Vorwort geschrieben über meine Begegnung mit ihrer Arbeit. Ihr Werk Gesundheit aus der Apotheke Gottes ist ebenfalls erhältlich.

 

 

Wanderer zwischen den WeltenWanderer zwischen den Welten (Herausgeber Christine Gottschalk-Batschkus; Reichert Verl.) Im Oktober 1999 wurden Schamanen aus aller Welt zu einer internationalen Konferenz nach Garmisch eingeladen. Einige von ihnen kommen hier zu Wort.

Ich berichte von meiner Begegnung mit George Elkshoulder, einem der Ältesten der Cheyenne in diesem Buch. Christine ist die Organisatorin von Ethnomed – der jährlichen Tagung der Ethnomediziner, Schamanen, Anthropologen und Heiler an der Maximillian Universität in München.

Die Weisheit der PflanzenDie Weisheit der Pflanzen von Matthew Wood (AT-Verlag). Durch den amerikanischen herbalist Matthew lernte ich die Karde als effektives Heilmittel zur Behandlung der Borreliose kennen. In dieser phytotherapeutischen Schatztruhe stellt der Pflanzenexperte 40 wichtige Heilpflanzen vor, darunter viele, die anderswo in Kräuterbüchern wenig Erwähnung finden.

 

 

Ganzheitliche TherapienDas grosse Buch der Ganzheitlichen Therapien (Herausgeber Rüdiger Dahlke). In diesem Werk, mit über 60 Beiträgen von Fachleuten werden ganzheitliche Heilmethoden dargestellt. Mein Beitrag, mit dem Titel „Heilpflanzenkunde“ befasst sich mit den Kräutern der Urkulturen.

 

 

Die Entdeckung des LSDAlbert Hofmann und die Entdeckung des LSD (Herausg. Mathias Broeckers und Roger Liggenstorfer). Der hundertste Geburtstag des mystischen Chemikers war Anlass für dieses Buch mit Beiträgen von Künstlern, Psychologen und Wissenschaftlern, denen der Hofmann’sche Elixier das Leben verändert hat.

 

 

Die Wunderwelt der PollenDie Wunderwelt der Pollen von Maria Anna Pabst (AT-Verlag). Die Mikrobiologin nimmt uns mit in die Mikrowelt des Blütenstaubs. Ein Beitrag von mir erhellt die kulturanthropologischen Aspekte (der „Pollenpfad“ der Pueblo Indianer, das Blütengrab der Neandertaler, Aussagen über Urgeschichte und Klima, u.a.).

 

 

Der große Bio-SchmähDer große Bio-Schmäh und Friss oder Stirb von Clemens Arvay sind zwei mutige, sachkundige, gut recherchierte Bücher über den Missbrauch des Namens Bio und über mögliche gesunde Alternativen.

 

 

Die Suppe lügtAuch die aufklärerischen Bücher von Hans-Ulrich Grimm (Die Suppe lügt und Vom Verzehr wird abgeraten sind im Internet Shop ebenfalls erhältlich.

 

 

Es sind nun auch meine Bücher in englischer Sprache erhältlich: From NorthAtlanic Books, (Berkeley, California):

Culture and HorticultureCulture and Horticulture: The classic guide to biodynamic and organic gardening. (completely updated version 2013)

 

 

 

Herbal LoreThe Herbal Lore of Wise Women and Wortcunners: The healing power of medical plants. 2012

 

 

 

Healing Lyme Disease NaturallyHealing Lyme Disease Naturally. History, Analysis and Treatment. 2010

 

 

 

From Inner Traditions (Rochester, Vermont):

Shiva: The wild god of power and ecstasy. 2004

 

 

 

Witchcraft MedicineWitchcraft Medicine: Healing arts, shamanic practices and forbidden plants. (co-authors: Claudia Müller-Ebeling und Christian Rätsch) 2003

 

 

Euch allen, einen guten Spätherbst, genügend trockenes Holz vorm Haus und Sauerkraut im Keller, einen gesegneten Advent, derweil wir auf die Geburt des Lichtkindes warten,

Euer

Wolf-Dieter Storl