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Dr. Wolf-Dieter Storl - Ethnobotaniker und Kulturanthropologe
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Newsletter August 2015
August 2015

Im schönen Allgäu, mit seinen Tannenwäldern und tiefen Tobeln, mit Kuhglockengebimmel im Sommer und tiefen Schnee im Winter, da sind wir zuhause, da haben Wurzeln geschlagen. Dennoch berührt es mich immer wieder ganz besonders, wenn ich in meine ursprüngliche Heimat nach Sachsen komme. Wahrscheinlich weil alle meine Vorfahren von dort kamen, schmeckt das Essen - Hefekuchen, Flecken, Klöse u.a. - so gut, die Sprache klingt wie Musik und der ironische Humor lässt einen schmunzeln. Das hat etwas mit morphogenetischen Feldern zu tun. Eigentlich sollte jeder, egal wo er herkommt, Heimat haben. Warum schreibe ich das? Weil wir eben eine Sachsen-Tour hinter uns haben. Zuerst Leipzig, mit einem Vortrag über die „alte Göttin" -gemeint ist die Frau Holle - und ihre Pflanzen. Danach haben wir in Auerbachs Keller, in dem schon, nach Goethe, Mephisto und der gelehrte Dr. Faust unterwegs waren, gut gespeist und sind anschließend durch die Altstadt geschlendert.
 
Lausitz
Seminargruppe in der Lausitz (Foto: Karsten Nitsch)

Am nächsten Tag ging es zu den Wolfsrudeln in der Lausitz. An einem recht abgelegenen Abschnitt an der Spree im Lande des kleinen Volksstammes der Sorben sind wir den Pflanzen, die in den Kieferwäldern wachsen, nachgegangen. Der Wildhüter Peter Ulbrich, der „Pilz-Peter“, hat uns Schwämme gezeigt die an Birken wachsen, wie etwa den Chaga-Pilz, den die Russen als Krebsmittel verwenden, den Birkenporling, den schon Ötzi als Blutstiller bei sich trug, und den Zunderschwamm, der Teil des steinzeitlichen „Feuerzeugs“ war. Einen riesigen Schwefelporling haben wir geerntet und daraus ein Gericht gemacht, das irgendwie an paniertes Schweineschnitzel erinnerte. Karsten Nitsch, der wie ein kanadischer Waldläufer in einer selbstgebauten Blockhütte mit seiner Familie lebt, war unser Gastgeber. Karsten kennt die Wölfe, wie kaum ein anderer. Leider haben wir keine dieser wunderbaren Tiere gesehen und diesmal auch nicht gehört, aber Karsten zeigte uns eine Menge frische Wolfspuren und Wolfs-Kot voller Haare und Knochensplitter von Wildscheinen, Hirschen und Rehen. Auch nahm er uns mit in die Teichlausitz, wo mitten in der anscheinend wilden Natur Karpfen in den Seen gezüchtet werden. Dicke, intelligente Fische sind das – „Schweine“ des Wassers – die bei den Westslawen, wie die Sorben und auch bei den Schlesiern, Sachsen und Thüringen so etwas wie einen heiligen Status genießen. Weihnachten oder besonders Neujahr kann man sich bei diesen Völkern gar nicht vorstellen ohne einen Karpfenschmaus. Der Karpfen ist nämlich ein Glücksbringer. Schwäne glitten über die Wasseroberfläche, auch Kormorane, Gänse und Wildenten, und am Himmel schwebten die weißköpfigen Seeadler. Es ist eine wunderbare Natur in dem wenig besiedelten Land und ich bin mir sicher, dass das nicht das letzte Wolfs-Seminar war, das dort stattfand. 

Königin der Nacht
Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus) - Foto: Liane Mautner

Als das Seminar zu Ende war, hielt ich in Dresden, in der „Salzgrotte“, einer unterirdischen Höhle wieder einen Vortrag über die paläolithische Höhlengöttin, die Frau Holle. Übernachtet haben wir bei Liane Mautner, die ein tolles Hostel und Backpacker-Stop mitten in Dresden, nahe der Altstadt, betreibt. Die Herberge, das Kangaroo-Stop-Hostel, ist eine saubere, preiswerte und empfehlenswerte Übernachtungsmöglichkeit für junge und jung gebliebene Reisende. Gerade in der Nacht, als wir da waren, blühte die „Königin der Nacht“ auf. Das ist etwas ganz besonderes, denn diese Kaktee blüht nur einmal im Jahr und zwar nur eine einzige Nacht. Die Kulturstadt Dresden, eine Perle der barocken Archetektur, die gegen des Krieges gnadenlos zu Schutt und Asche gebombt wurde, ist weitgehend wieder aufgebaut worden und einen Besuch wert. Der letzte Halt unserer Tour war meine Heimatstadt Crimmitschau in Westsachsen, wo ich am ehemaligen Zisterzienser-Kloster Frankenhausen (gebaut um 1400) an der Pleiße eine kleine Kräuterwanderung und dann einen Vortrag hielt. In Crimmitschau fühle ich mich wie ein Geist: Ich sehe die alten, inzwischen abgerissenen Gebäude vor meinem geistigen Auge und sehe noch die Menschen, die ich da als Kind in der Nachkriegszeit gekannt und erlebt hatte. Ich weiß Dinge über die Stadt, die kaum einer der heute dort lebenden Bewohner weiß.

Mit Wolf-Dieter Storl durch's Jahr 2016

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Ehe ich mich hier noch weiter im Schreiben verliere, möchte ich erwähnen, dass gerade jetzt der Aurum Verlag einen schön bebilderten Kalender herausgegeben hat, in dem ich einige Gedichte oder Verse geschrieben habe. Mit Wolf-Dieter Storl durch’s Jahr 2016 (Leseprobe, Bilder, etc. hier), heißt der Kalender. Meine Tochter Ingrid Lisa Storl hat den Kalender feinfühlig mit Naturfotos und Pflanzenportraits illustriert. Eigentlich eine gute Geschenk-Idee.

Im ansprechend illustrierten Wochenkalender warten auf 180 Seiten zahlreiche Naturfotos und Gedichte, wie dieses:

Halte an und schaue:
Einmalig, immer neu und frisch
ist unsre Welt und voller Wunder.
Halte an.
Rase nicht vorbei wie ein Irrer,
gefangen in endlosen Gedankenschleifen
und dem klebrigen Netz der Hirngespinste
Schaue tief, schaue das Wunder,
das Geschenk der Natur,
das Geschenk unseres wahren Selbst!

Kalender 2016: Februar Kalender 2016: März

Kalender 2016: Juli Kalender 2016: Juli

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Ganz gespannt bin ich auf das Erscheinen im September des Buches Ur-Medizin – Die wahren Ursprünge unserer Volksheilkunde. Es handelt sich um die Heilkunde unserer Vorfahren, nämlich den eingeborenen Waldvölkern Europas, den Kelten, Germanen, Slawen und Balten. Es ist die Medizin des einfachen Volkes, der Großmütter, der Wurzelfrauen, Hirten und Kräutersepps. Dieses Heilwissen geht nicht auf die Gelehrtenkultur des Nahen Ostens, auf die alten Griechen, Römer und schließlich der Klostermedizin zurück, sondern hat seine Wurzeln in der Eiszeit, in der zirkumpolaren, altsteinzeitlichen Jäger-und-Sammlerkultur, in dem Wissen der ersten Bauern, den Großsteingräberleuten (Megalith-Bauer) und den indoeuropäischen Hirtennomaden, die vor 4000 Jahren aus den Steppen Westasiens kamen. Die Klostermedizin und die darauf folgende Schulmedizin sind vergleichsweise eine dünne Schicht, die das Urwissen überdeckt. Ursprünglich wollte ich das Buch – das Ergebnis meiner winterlichen Meditation – Wort und Wurz nennen, weil das therapeutische Wort (der Heilspruch oder Heilgesang) und die Wurz (so bezeichnete man einst eine Heilpflanze) die zwei Säulen der Heilung waren (und sind). Leider dachten die Vertreter, die das Verlagsangebot an die Buchhändler bringen, dass niemand etwas mit Wort und Wurz anfangen könne. Also haben wir das Buch auf Ur-Medizin: Die wahren Ursprünge unserer Volksheilkunde umgetauft. Auf jeden Fall veranstalten wir eine Lesereise für das neue Werk im Oktober. Die genauen Termine werden auf der Webseite unter „Veranstaltungen" zu entnehmen sein.

Bis auf Weiteres,
Liebe Grüße,

Wolf-Dieter